Mittwoch, 12. September 2018

12 von 12

September 2018

1.



Seit zwei Wochen sind hier in NRW die Schulferien vorbei, und meine beiden Teenagerinnen sind jetzt schon wieder urlaubsreif. Entweder sie sind müde, oder sie sind mies gelaunt, oder beides.

2.

 



Mir käme ein Urlaub aber auch recht. Gegenüber von uns wird ein Parkplatz gebaut, zur Zeit bringen sie den Unterbau ein. Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass Verdichtungsgeräte am besten morgens um sieben funktionieren, also hüpft meine Teetasse vor mir auf dem Frühstückstisch herum.

3.

 

Mir fällt ein, dass heute 12 von 12 ist, also packe ich meinen Skizzenkram zusammen, um für alles gerüstet zu sein.

4.

 

Ich habe eine neue Playlist, die ich im Auto höre. Am Samstag war ich in Düsseldorfs schönsten Biergarten, da liefen wunderbare Funk- Songs aus den Achtzigern. Das wollte ich auch! Deswegen höre ich jetzt Kool and the Gang, Stevie Wonder und die Titelmelodie von "Shaft". Wie sagt der Rheinländer: "Hauptsache, et gruuvt!"

5.

 



Vor einem italienischen Café, an dem ich jeden Morgen vorbeikomme, sitzt immer ein Rentner bei Zigarette und Espresso. Er ist jedesmal sehr sorgfältig gekleidet. Am besten gefällt mit, dass er seine Kopfbedeckungen farblich mit seinem Outfit abstimmt. Früher waren es Basecaps, seit einiger Zeit trägt er Borsalino- Hüte in allen Farben. Er sieht ein bisschen aus wie Truman Capote in seinen letzten Jahren. Heute war die Farbe des Tages Rot. 

6.

 



Ich habe eine kleine silberne Tasche ersteigert, die heute geliefert wird. Ich versuche, nicht allzu euphorisch im Büro herumzuhüpfen, nachdem ich sie ausgepackt habe.

7.

 


So, jetzt ist Schluss mit lustig, auch ich muß etwas tun für mein Gehalt. Also geht es über die Baustellen, um zu gucken, ob auch alle tun, was sie sollen. 

8.

 



Unterwegs sehe ich den Dauerläufer. Der ist hier in der Gegend eine lokale Berühmtheit, denn er läuft jeden Morgen ungefähr 30 Kilometer durch die angrenzenden Städte Solingen, Langenfeld, Monheim und Hilden. Das macht er erst, seit er in Rente ist; in seinem früheren Leben war er Kassierer bei einer Bank. Mittlerweile ist er so hager wie eine Mumie, hat sich ein Tatoo zugelegt und wird von örtlichen Sportgeschäften gesponsored. 

9.

 



Nach der Mittagspause fahre ich mit dem Rad in die Stadt, weil eine Versicherung uns eine Rückzahlung per Verrechnungsscheck zugeschickt hat. Das ist natürlich wunderbar old-school, aber ich muß tatsächlich zur Bank, um den Scheck einzureichen. Ich nutze die Gelegenheit, mir einen hellgelben Nagellack zu gönnen.

10.

 



Wo ich schon mal da bin, löse ich meinen Geburtstagsgutschein in der Buchhandlung ein. Meine Mutter schenkt mir das zu jedem Anlaß und hat jedes Mal ein schlechtes Gewissen, weil sie das eigentlich unpersönlich findet. Dabei ist es für mich ein Fest, mir so richtig viel Lesefutter aussuchen zu können.

11.

 


Es nutzt alles nichts, ich muß zum Friseur. Also rufe ich an und mache einen Termin. Meine Lieblingsfriseurin ist vor einem dreiviertel Jahr mit einem Schlaganfall im Laden umgekippt und mußte nach langer Krankheit ihren Laden aufgeben. Seither probiere ich andere Salons aus und bin regelmäßig enttäuscht. Vielleicht wird es dieses Mal der große Wurf.

12.

 



Es ist Fütterungszeit, deswegen wird der Hund aufdringlich. Ich werde das arme Tier jetzt vor dem Hungertod bewahren.




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