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Sonntag, 29. Juni 2025

Farbe am Südpark

Seit ich in Düsseldorf arbeite, sehe ich morgens an der Straßenbahnhaltestelle Südpark eigentlich immer die gleichen Leute. Da gibt es die ziegige Rothaarige, die immer stur geradeaus sieht, der Typ mit den Arbeitshosen, der Langzeitstudent, der seine Vans so dermaßen ablatscht, dass sie beinahe keine Sohle mehr haben, und so weiter und so fort.

Am liebsten habe ich aber diese Frau:

 

Jeden Tag trägt sie farblich perfekt aufeinander abgestimmte Kleidung, roten Lippenstift, High Heels und immer diese riesige blaue Handtasche. Sie ist sehr klein und dünn, die Schuhe sind meistens etwas zu gross. Die Kleidung ist nicht unbedingt von guter Qualitär, aber sie hat so viele verschiedene Kleidungsstücke in den leuchtendsten Farben, dass ich mir sicher bin: sie muss den größten Kleiderschrank Düsseldorfs haben.

Obwohl sie alles andere als schön ist, sticht sie Jede und Jeden an der Haltstelle Südpark aus. Ich mag es, wie durchdacht ihre Outfits immer sind. An jedem Tag sich selbst neu zu erfinden, sich aber dabei trotzdem immer treu bleiben, und aus jedem Morgen ein für sich ein Modefest zu machen, das ist toll. 

Kann man sich als Vorbild nehmen, finde ich!,


 

Sonntag, 7. Juli 2019

 

Keine Feier ohne Meier

Der Wahnsinn mit den Schulabschlussfeiern

 

Wer hier ein bißchen mitliest, hat vielleicht mitbekommen, dass ich zwei Töchter habe. Eine von beiden hat in diesem Frühjahr ihr Abitur bestanden; das eine tolle Leistung und sollte entsprechend gewürdigt werden. So weit, so gut.
Als ich Abitur gemacht habe, hatten wir es eine kleine Feier in der Aula unserer Schule. Es gab ein überschaubares Rahmenprogramm mit einem klavierspielenden Mitschüler, einer unfassbar peinlichen Tanzeinlage von vier Mädels aus dem Französisch- LK (unvergessen!) und einer einschläfernden Rede des Direktors. Anschließend bekam ich mein Zeugnis, ging mit meinen Eltern italienisch essen und setzte mich mit meinen Mitschülern wie verabredet in die ortsansässige In- Kneipe ab, um unsere Noten angemessen zu begießen. Auch hier: so weit, so gut. 

Auf dem Weg zu Abiball


Als die Ältere vor zwei Jahren ihre ZP 10- Feier hatte, wurde ich zum ersten Mal mit der aktuellen Praxis konfrontiert. Seit den Weihnachtsferien existierte eine Whatsapp- Gruppe, in der die Mädels Fotos ihrer Kleider posteten, damit es kein doppeltes Outfit gab. Und es ging um lange Kleider! 
Ich war gründlich irritiert. Ballkleider? Echt jetzt? 
Natürlich hatten trotzdem zwei Mädels das gleiche Kleid, es gab einen Riesenskandal und Bitchfights epischen Ausmaßes. Die Feier war am Ende ziemlich langweilig, aber wenigstens hatten alle ihre Zeugnisse.
In diesem Jahr war dann der Abiball dran. Schon am Ende der 12. Klasse begann die Organisiererei. Zur Ehrenrettung der Schule muß man sagen, dass die Schüler jede Menge Kommitees bildeten, um das Heft selbst in der Hand zu behalten. Vor allem das Finanzkonzept hatte wirklich Hand und Fuss, den beiden Mathe- LKs sei Dank. Im Ergebnis kosteten die Karten für den Ball 25 Euro pro Stück. Andere Abiturienten/-inneneltern (tolles Wort, oder?) werden bestätigen können, dass das ein Sensationspreis ist.

Challenge: Kleid aussuchen


Aber dann kam sie wieder, die Mädchen- Kleider- Aufbrezel- Frage. Lange Ballkleider, hohe Schuhe, gelockte Betonfrisuren aus Pinterest- Tutorials oder direkt vom Friseur, Makeup wie die späte Elisabeth Taylor; danach ein zweites Outfit für die After- Show- Party... Mir wurde richtig schwindelig. Aber es herrscht natürlich Gruppenzwang, also mußte auch meine Tochter da durch.
Eines schönen Morgens machten wir uns auf den Weg nach Düsseldorf, ein Kleid kaufen. Ein großes Bekleidungsgeschäft hatte eine halbe Etage (!) voll mit Ballkleidern in jeder Farbe und Größe. Und da war was los! Nur Mütter mit ihren Töchtern, eine komplett männerfreie Zone: das war wie im Frauencafé mit sehr viel Glitzer. Und nicht nur die Mädels probierten bodenlangen Tüll, die Mütter waren ebenfalls euphorisch. Irgendwie waren alle im amerkanischen Cinderella- Traum gefangen.
Ich war ehrlich gesagt ziemlich erschrocken. Woher kommt das plötzlich? fragte ich mich. Nichts gegen die Idee, hübsch aussehen zu wollen, wenn man sein Abizeugnis überreicht bekommt, aber warum muß man sich wie eine Barbie verkleiden? Und was machen die Mädchen, die anders schön sind als die Barbies? 
Es ist wirklich kein Spaß, heute eine junge Frau zu sein. Du mußt nämlich im Idealfall nicht nur das 1,0- Abitur gemacht haben, damit du Medizin studieren kannst, du mußt auch noch aussehen wie die Ballkönigin aus einem unsäglichen Teenie- Film. 
Eine Rede halten auf der Feier, weil du die Beste bist. 
Geehrt werden, weil du soziales Engagement gezeigt hast, dass Mutter Theresa neben dir wie ein Gangsta- Rapper wirkt. 
Anschliessend auf der Party sexy und lustig sein und natürlich nicht zu viel trinken, denn du sollst ja deinem Vater, der dich abholt, nicht in den Firmenwagen spucken! 

Könnte es sein, dass die Fifties zurück sind?



Es ist auffällig, dass die Mädchen bis auf drei Ausnahmen erwartungskonform erschienen, die Jungs aber ein breites Potpourri aus Anzügen, Hemden mit akzeptabler Hose und normalem Outfit boten. Einer glänzte mit einen Zylinder, einer hatte sich ein weißes Dinnerjackett auf dem Trödelmarkt gegönnt. Keiner trug unbequeme Schuhe.

Am nächsten Tag: auf dem Weg ins Freibad!

Ich frage mich, wer diese Art von Ball eigentlich möchte. 
Es ist immerhin auch ziemlich teuer, wenn die ganze Familie mitfeiern will. Ist das wirklich nötig, dass Leute mit weniger Einkommen gezwungen sind, dafür so richtig das Konto zu überziehen? 
Sind das wirklich die Abiturienten/- innen, oder sind es die einige Eltern, die hier ihre vielleicht letzte Chance sehen, das Handeln ihrer Kinder bestimmen zu können? 
Ich fühle mich jedenfalls nicht wohl dabei. Ich würde mir wünschen, der offizielle Teil wäre wieder wie bei meiner Abifeier, und die Party für diejenigen, die wirklich Grund zum Feiern haben, wäre dafür länger, lauter und bunter.

Und ohne Schönheitsterror für alle!



Montag, 20. Mai 2019


Heinz und Hannelore

(Mobbing am Niederrhein) 



Diese beiden Fensterguckerinnen habe ich beobachtet, als ich in Dormagen- Zons auf einer Bank saß und ein Eis aß. Ich fand sie unglaublich lakonisch und richtig boshaft-also total lustig! Was Heinz und Hannelore eigentlich verbrochen haben, das fand ich leider nicht heraus.

 




Dienstag, 2. April 2019

 

Ein sehr langes Jahr war das

Tagebuch führen im grünen Hobonichi


Ich habe vor zwei Jahren angefangen, ein Tagebuch zu führen (ich hab' das schon mal erzählt). Ich schreibe in einen Hobonichi Techo Planer, weil ich die Aufmachung und das Papier sehr gerne mag. Verschwenderischerweise habe ich mir in jedem Jahr einen neuen Planer gegönnt, eigentlich kann man das Buch innen auch einfach nur tauschen. Der erste war gelb, der von April 2018 bis März 2019 ist grün.
Als ich die Einträge noch einmal angesehen habe, ist mir wieder aufgefallen, dass ich ein mistiges Jahr hinter mich gebracht habe. Ich war viel krank, ich hatte wahnsinnig Ärger im Job, die beginnenden Wescheljahre machten mir das Leben zur Hölle. Mein Vater ist unerwartet verstorben, als ich im Urlaub war. Mein Schwiegervater fiel kurz vor Weihnachten mit 92 Jahren die Treppe herunter und wäre beinahe an den Kopfverletzungen gestorben.
Schön war, dass ich mich viel aufs Zeichnen konzentrieren konnte. Die Beziehung zu meinem Mann wackelte hin und her, aber sie hielt. Meine Töchter machen mich jeden Tag stolz, und der Hund ist trotz seines fortgeschrittenen Alters immer noch gesund. Darauf kann man doch aufbauen!
Aber schaut's Euch selbst an:

5./ 6. April: Urlaub in Garmisch- Partenkirchen
13./ 14. April: Hexenschuss und Gartenatelier
21-/ 22. April: Im Garten schuften/ Obstwanderweg
4./ 5. Mai: Neue Schuhe und der Hund im Wasser
22./ 23. Mai: Mit den Mädels unterwegs




8./ 9. Juni: Die Riesenhochzeitsfete
22./ 23. Juni: Homecoming un technische Probleme
15./ 16. Juli: Freizeit und Mode
27./ 28. Juli: Wetterphänomene
5./6. August: Die Tennismnnschaft eines Freundes und der müde Hund
29./ 30. September: Küchenrenovierung und das Motorradunfällchen
12./ 13. Oktober: Auf Reisen
22./ 23. Oktober: Nachdenken über das Alter
10./ 11. November: Fahrschule und Doofköppe
9./ 10. Dezember: Winterfreud und Winterleid
22./ 23. Januar: Prognosen und Ergebnisse
2./ 3. Februar: Was für ein Wochenende
5./ 6. März: Offizielles und Privates
9./ 10. März: Stromausfall und Photoweekend
29./ 30. März: Sachen gibt's und wahre Helden

Es kann also nur besser werden. Das halte ich im nächsten Hobonichi fest: dem Blauen!




Verlinkt mit: CreaDienstag

Dienstag, 12. Juni 2018

12 von 12

juni 2018

 

1.

Das erste Highlight des Tages ist die Wurmkur für den Hund. Damit Rosi die Tablette auch schluckt, muss ich sie in einen Esslöffel Leberwurst stecken. Da Leberwurst ihrer Ansicht nach vom Hundegott persönlich erfunden worden ist, schluckt sie alles in einem Rutsch herunter, aus Fleischwurst pult sie die Tablette mit der Zunge heraus und spuckt sie unauffällig unter das Sofa.

2.

3.
Auf dem Weg zur Schule meiner Töchter sind mir zwei Dinge aufgefallen: 1. Grundschulkinder sind immer noch gezwungen, wie die Ameisen ein Mehrfaches ihres Gewichtes auf dem Rücken zu tragen, und 2. das WM- Fieber beginnt zu steigen, denn die Schland- Fähnchen werden wieder herausgekramt. Ach ja, und außerdem: ich sollte wirklich üben, Autos zu zeichnen!

4.

Den Herrn hier habe ich vor der Sparkasse gesehen: er erinnerte mich sehr an Inspektor Clouseau alias Peter Sellers als Meister der Verkleidung: Wer trägt denn schon einen so schwarzen Schnurrbart und dazu einen Graham- Greene- Gedächtnis- Anzug aus weißem Leinen?

5.
Diesen Warnhinweis fand ich am Tor eines großen Wohnhauses in Hilden. Wahrscheinlich lebt da ein Yorkshire- Terrier namens Tyson.

6.
Ernsthaft, ich habe noch nie Zwillinge gesehen, die sich so ähnlich sahen wie diese beiden. Das war, als ob ein Spiegel zwischen ihnen stünde. Ich frage mich immer, wie das wohl ist!

7.

8.

Bei uns schlägt das Wetter um. Nach den irrsinnig heißen Tagen mit den genauso irrsinnigen Gewittern ist es heute zum ersten Mal vernünftig temperiert mit ein wenig Nieselregen. Ich kriege endlich wieder richtig Luft. Die beiden darunter hatten noch kurze Sommerhosen und T- Shirts an, als sie an mir vorbeibrausten. Weil man den Beifahrer von vorne nicht erkennen konnte, sah das im ersten Moment ein bisschen aus wie Lord Shiva mit vier Beinen auf der Vespa.

9.
Mittags beim Einkaufen traf ich diese Frau mit den blauen Haaren. Sie sah eigentlich vollkommen unausgeflippt aus, außerdem schien sie sehr müde zu sein, dazu passte ihre Haarfarbe überhaupt nicht. Vielleicht war das eine Spontanidee vom Wochenende, die sie am nächsten Tag schon bereut hat. Hand auf's Herz: wem ist so etwas noch nie passiert?

10.
Beim Hundespaziergang hat Rosi ihren ersten Rasenmäherroboter gesehen. Sie war vollkommen fasziniert und wollte gar nicht weiter gehen. Vielleicht schenke ich ihr einen Staubsaugerroboter zu Weihnachten, dann hat sie nie wieder Langeweile, wenn sie allein zuhause bleiben muß.

11.
Seit Anfang des Jahres nehme ich Yoga- Unterricht. Meine Lehrerin Brigitte (hier im abschauenden Hund) ist 64 Jahre alt, hat Athrose in den Knien und in den Füßen und ist die gelenkigste Frau, die ich jemals außerhalb eines Variétes gesehen habe. Das macht mir Hoffnung!

12.
Und last but not least: An der Bushaltstelle stand ein Typ mit St.- Patrick's- Day Shirt und Batikhose: Manche Dinge werden eben niemals unmodern!



 




Mittwoch, 16. Mai 2018

Heute

Gleichgewicht

 


Eigentlich suche ich jeden Tag nach meinem Gleichgewicht. 
Ich glaube, das tut im Grunde jeder. 
Bei mir ist das eine sehr instabile Angelegenheit, ich versuche den ganzen Tag lang, meine innere Balance zu finden. 
Tja, und immer, wenn ich denke: Wow, jetzt habe ich es! geschieht etwas, dass ich wieder rausfliege.
Also fange ich wieder von vorne an.

Manchmal fällt mir das leichter als heute.

Montag, 23. April 2018

Ein Jahr Tagebuch

 

Letztes Jahr so um diese Zeit habe ich über meinen Vorsatz geschrieben, regelmäßig Tagebuch zu führen und einige Seiten daraus zu veröffentlichen. Jetzt kann ich voller Stolz berichten, dass ich tatsächlich dabeigeblieben bin. 
Mein kleiner gelber Hobonichi hat mich ein Jahr begleitet, und bevor ich ihn endgültig durch den neuen kleinen grünen Hobonichi ersetze, habe ich noch einmal darin herumgeblättert. (Ich habe die Ausgabe, die nicht zum Jahresende wechselt, sondern zum Frühjahr. Warum ich das so gemacht habe, weiß ich auch nicht mehr.)


Stinklangweilige Besprechungen und wilde Wetterkapriolen ziehen sich eigentlich durch das ganze Jahr. Aber meistens habe ich doch etwas gefunden, was den Tag speziell machte, ob es nun eine besondere Mittagspause oder ein schöner Spaziergang war.



Der Hobonichi Techo (etwa DIN A 5) ist ziemlich klein, das verhindert, dass man ins schwafeln gerät. Ich will ja keine Nabelschau betreiben, das deprimiert mich nur.



Das hier war der Sommerurlaub in der Bretagne, darüber habe ich auch einen längeren Post verfaßt. Ich fand es schön, dass mein Mann jeden Tag die Zeichnungen bei Instagram sehen konnte, denn er konnte leider nicht mitfahren. Das war ein bißchen wie früher Telegramme verschicken.


Ich gehe einfach wahnsinnig gerne ins Kino, auch das ist ein erwähnenswertes Tageshighlight. Das hier eher nicht, obwohl es auch tagesfüllend sein kann:


Und natürlich immer wieder besondere Mahlzeiten. Mein Mann und ich kochen gerne, wir sind nicht nur verfressen, wie man vielleicht meinen könnte. Weil meine Töchter kein Fleisch mehr essen, habe ich eine Menge neuer Rezepte ausprobiert, was mir viel Spaß gemacht hat.



Einmal habe ich bei einer Instagramchallenge mitgemacht, denn ich fand es schön, mir die Hobonichis anderer Leute überall auf der Welt anzusehen. Auf Dauer ist das aber nichts für mich. Ich suche mir meine Themen lieber selbst aus.


Wenn etwas sehr Persönliches dabei ist, veröffentliche die Seiten natürlich nicht. Es muß ja nicht jeder alles wissen. Tröstliche Worte von Mitlesern wie bei der letzten Mördergrippe sind allerdings manchmal Balsam für die fiebernde Seele. Und es war wirklich jeder irgendwann krank...


Tja, wie gesagt: der nächste Hobonichi wird jetzt zum Zeugen meines "aufregenden" Lebens. Wer mag, kann ja mal bei Instagram reinschauen, ich freue mich über jeden (netten natürlich!) Kommentar.




Kalender: Hobonichi Techo