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Sonntag, 8. Juni 2025

 Da bin ich wieder!

 

Mein letzter Post ist, wie ich zu meiner Schande feststellen musste, tatsächlich aus dem Jahr 2020. Danach habe ich nur noch auf Instagram laut gegeben, weil es einfacher war und so  kunterbunt und überhaupt... na ja!

Nicht, dass ich da nicht schöne Sachen gemacht hätte wie z.B. das #SketchABC2024 von @derherrlehrer und @c_freimann, und ich habe auch jede Menge toller Seiten gefunden, die mich wirklich inspiriert haben, gerade was das Zeichnen angeht: doch im letzten halben Jahr hat Freund Zuckerberg wieder am Algorhythmus herumgepfuscht. Seitdem sieht man viel mehr Werbung, und die Seiten kleiner User werden seltener angezeigt. Man muss mehr Zeit investieren, um seine Leute zu finden, und dafür kriegt man noch mehr Werbung zu sehen, damit der gute Mark sich vielleicht auch irgendwann eine Weltraummission für seine Lieben leisten kann. Manche kriegen eben den Hals nicht voll.

Außerdem hat mir da immer das Schreiben gefehlt. Die Untertitel zu den Fotos auf dem Handy zu tippen gehört zusammen mit dem Erfinden von Hashtags zu den wirklich nervtötenden Dingen, die ich nie gerne gemacht habe. Also habe ich mich entschlossen, meinen schönen alten Blog zu reaktivieren.

Gestern habe ich mir meine alten Posts angesehen. Ich habe wirklich viel über mich und mein Umfeld geschrieben, und offensichtlich bin ich nicht interessant genug, dass mir das je geschadet hätte, shitstormmäßig und so. Das macht doch Hoffnung.

Um diejenigen, die sich meine Beiträge früher angesehen haben, mal auf den neuesten Stand zu bringen, fasse ich die letzten viereinhalb Jahre mal kurz zusammen:

Nähen/ Stricken: Mache ich kaum noch. Ich habe da so einen grünen Schal, an dem stricke ich seit beinahe zwei Jahren, vermutlich wird er noch später fertig als die Sanierung der Deutzer Brücke, und das will etwas heißen. Zwei Patchworkdecken (ich würde das jetzt nicht großspurig Quilts nennen) habe ich aus Stoffresten produziert, die letzte während meines vorletzten Urlaubs. Ich finde, diese Decken strahlen so etwas Tröstliches aus, und die Stoffrestehalde im Keller baue ich auf diese Weise auch ab.

 

Fotografie: Kurz nachdem ich wieder in Vollzeit gearbeitet habe, konnte ich mir eine wunderbare Digitalkamera leisten, die ich schon immer haben wollte, und nachdem ich sie gekauft hatte, habe ich praktisch mit dem Fotografieren aufgehört. 

Zeichnen: Das hat sich sehr positiv entwickelt. Ich fülle Skizzenbuch um Skizzenbuch mit meinen Beobachtungen, und so langsam gefallen mir die Sachen auch selbst. Mittlerweile traue ich mich auch, die Zeichnerei beruflich zu nutzen, das habe ich vorher fast nie gemacht. Hat was damit zu tun, dass meine Eltern immer von brotloser Kunst geredet haben und ich demzufolge fest überzeugt war, ziemlich talentlos zu sein.

 

Beruf: Im Jahr 2019 habe ich eine Stelle als Architektin bei der Berufsfeuerwehr Köln angetreten. Ich bin da so ein bißchen naiv rangegangen ("Ich werd' eben ab und an eine Dusche sanieren."), es hat sich aber herausgestellt, dass viel mehr dahinter steckte. Bereits einen Monat nach Dienstantritt war ich mitten in der Planung um ein Covid- Behandlungszentrum in der Messe Köln, das gottseidank nie gebaut werden musste, und so ging es Schlag auf Schlag weiter. Leider war dieser ständige Rummel aber so anstrengend, dass ich immer häufiger mit Streßsymptomen krank wurde. Also habe ich Ende 2024 zur Feuerwehr nach Düsseldorf gewechselt, wo ich jetzt die Bauherrenvertretung bei Neubauprojekten mache, was ziemlich interessant ist (und nicht so nervenaufreibend, zumindest bis jetzt).

Familie: Meine Mutter hat den Krebs mit einem Alphawurf auf den Rücken geworfen, es geht ihr heute wieder gut. Sie wird in diesem Jahr 80 und hadert sehr damit, weil sie nun beim besten Willen nicht mehr als "junge Dame" durchgeht. Die Mädels haben beide ein Studium angefangen. Die Ältere hat sich während der Corona- Zeit durch die Tücken eines Studiums aus der Ferne gekämpft, was sie wirklich sehr stark belastet hat. Seit diesem Monat ist sie Bachelor of Arts, das betont sie gerade immer wieder gerne. Der nächste Schritt wird vielleicht der Master in Archäologie sein, wir werden sehen. Die Jüngere ist ausgezogen, um Architektur zu studieren. Warum sie dieses Studium gewählt hat, will mir bis heute nicht in den Kopf: ich habe ihr jedenfalls nicht dazu geraten. Sie möchte im nächsten Semester den Bachelor of Science angehen. Der GöGa buddelt immer noch in den Straßen der näheren Umgebung herum, da ist wenigstens alles beim Alten geblieben. 

Hund: Das ist jetzt das traurige Kapitel. Rosi musste Ende Oktober 2022 aus Altersgründen eingeschläfert werden, es wurde einfach Zeit. Ich bin bei ihr geblieben und habe geweint wie seit Kindertagen nicht mehr. Nach einer gewissen Karenzzeit haben wir es dann ohne Hund nicht mehr ausgehalten, es war einfach zu kalt in der Wohnung. Am 23. Dezember 2022 zog bei uns ein Tibetterrierwelpe namens Kirsei-Kra Namaratna ein, den wir aus verständlichen Gründen umbenennen mussten. Frida, wie sie jetzt hieß, hielt uns von Anfang an auf Trab. Sie war wild, fröhlich, störrisch, übergriffig, liebevoll und einfach nur ein toller kleiner Hund mit einem fürchterlichen Fell, das permanent verfilzte und ihr in den Augen hing. Vor ca. einem Monat begann sie, ihr Fressen zu verweigern. Es stellte sich heraus, dass ihre Leber volkommen zerstört war. Wir liessen sie sehr schweren Herzens gehen. Wir möchten wieder einen Hund bei uns haben, müssen uns aber noch etwas von dem Schock erholen, so einen jungen Hund viel zu früh verloren zu haben.

Tja, das war jetzt das Update. Vielleicht hat der eine oder andere Lust auf mehr, mal sehen, wie sich das so entwickelt.

Sonntag, 12. Juli 2020

12 von 12

Juli 2020

Heute ist mein letzter Urlaubstag nach zwei Wochen Freiheit und Sorglosigkeit, und das feiere ich mit einem 12 von 12 nach seeeehr seeeehr langer Zeit.


1) Als ich heute morgen aus dem Bett gekrochen und in die Küche gehumpelt bin, hatte ich ausreichend Gelegenheit, mich selbst zu verfluchen, weil ich mit den Mädels gestern auf dem Drachenfels war. Ich war zu geizig, mit der Zahnradbahn hochzufahren, und das habe ich jetzt davon.
2) Seit zwei Wochen bürste ich den Hund jeden Morgen, weil er sich entschlossen hat, alle Haare zu verlieren und sein Leben als mexikanischer Nackthund weiterzuführen. Mir werden jetzt schon Komplimente darüber gemacht, dass der Hund abgenommen habe. Der hat aber nur den Pulli ausgezogen.


3) Die morgendliche Pflanzenparade abgenommen und die Tomaten für ihre mangelnde Reife gerügt: so geht's nicht, meine Damen!
4) Ausnahmsweise trocken heute, deswegen darf die rote Wäsche nach draußen auf die Leine. Wie gesagt, ich habe Urlaub, das muss man genießen können.


5) Für heute hatte ich mich überreden lassen, mit meinem GöGa eine Tour mit dem Russen (Ural- Gespann) durchs Bergische zu machen, eventuell ein bißchen Oldtimer gucken oder nett Kaffee mit Aussicht zu trinken. Also mit Vorfreude in den Beiwagen geklettert.
6) Mit dem verdammten Russen zwei mal liegen geblieben und fluchend eine Stunde am Straßenrand gestanden. Ich bin zu alt für so einen Schei...benkleister!


7) Ich bin im Mittelalterfieber, seit ich das Buch von Dan Jones über die Tempelritter gelesen habe. Heute auf Netflix eine Reihe des Autors mit gruseligen britischen Burgen entdeckt und schon vier Folgen gesehen. Das Ding mit der komischen Form steht in York.
8) Umziehen und mit dem Hund eine Stunde in den Wald. Sehr erholsam!


9) Fischreiher sind komische Viecher. Sie stehen knöcheltief in einer Pfütze und machen absolut nichts. Ich könnte das nicht - also das Nichsttun, nicht das in einer Pfütze stehen ... obwohl?
10) Buchpause im Liegestuhl auf der Wiese, was von Evelyn Waugh gelesen und irgendwie keinen Bezug dazu bekommen. Vielleicht kommt das noch.


11) Der GöGa will sich um das Abendessen kümmern, was ich prima finde, weil ich heute überhaupt keinen Bock auf Kochen, aber trotzdem Hunger habe und nicht schon wieder Pizza bestellen will.
12) Feierabend.

Link:

Dienstag, 24. September 2019


Heute

(bzw. vorgestern)



Am Sonntag war ich mit unserem Hund beim Hundeschwimmen im Freibad. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt: am Ende der Badedaison machen manche Freibäder noch ein- oder zweimal auf, damit wasserverrückte Hunde so richtig in den Pools toben können. Danach wird das Wasser für den Winter abgelassen; zum Beginn der neuen Saison im Frühjahr müssen die Becken ohnehin gründlich gereinigt werden.
Das ist genau das richtige für unsere alte Dame. Rosi war schon immer absolut jeck (=verrückt) auf Wasser. In diesem Jahr war es allerdings das erste Mal, dass sie ziemlich früh müde wurde. Sie wird eben 12 Jahre alt, da geht das alles nicht mehr so wie früher.
Aber dann fand sie im Gebüsch eine rote Gummiente! Irgendein anderer Hund hatte das Quietscheding liegen lassen. Rosi war begeistert und schleppte die neue Beute sofort zum Becken, damit wir mit ihr Apportieren spielen konnte. Womit sie nicht gerechnet hatte: absolut alle anderen Hunde standen genauso auf die Ente wie sie. Sobald die Ente ins Wasser klatschte, waren alle im Wasser und paddelten auf das Gummitier zu. Sie sahen aus wie Alligatoren, wenn etwas Leckeres in die Everglades gefallen ist.
Am Ende tauchte der rechtmäßige Besitzer der roten Gummiente auf und nahm sie zur Enttäuschung aller Hunde mit.
Es war übrigens eine Ver.di- Kampfente, was auch immer das jetzt heißen mag.

Sonntag, 12. Mai 2019

 

12 von 12 

im Mai 2019

 


Heute ist der 12. im Monat Mai, und glücklicherweise ist Sonntag: da kann ich noch einmal an dieser schönen Aktion teilnehmen, die Caro von Draußen nur Kännchen organisiert. Vielen Dank dafür!

1. 
Erst einmal ausschlafen. Ich war gestern auf einer kroatischen Geburtstagsfeier. Muss ich da noch viel erklären?

2.
Das Frühstück vor dem Fernseher eingenommen und dabei einen Miss Marple- Film gesehen. Ich liebe Margaret Rutherford und Stringer Davis!

3.
Fingernägel lackieren. Gestern habe ich mir einen Nagellack in der Farbe von Bergseen gegönnt. Das müssen die Nachwehen der Osterferien sein.

4.
Wenn meine jüngere Tochter im Bad ist, dann ist sie im Bad. Und ich bin davor und warte, bis sie fertig ist. Warum manche Teenagerinnen so episch lange brauchen, wird mir auf immer ein Rätsel bleiben.

5.
In die gute alte Kamera einen neuen Schwarzweißfilm eingelegt. Den letzten habe ich gestern verschossen, also auf ein Neues!

6.
Mit der älteren Tochter und dem Hund einen schönen Spaziergang am Rhein gemacht. Seit sie die Abiturklausuren geschrieben hat, hat sie richtig viel Zeit.



7.
Ein fürstliches Mittagessen aus Sahnetorte genossen. Geht doch nix über eine ausgewogene und gesunde Ernährung.

8.
"Der freundliche Mr. Crippen" von John Boyne zu Ende gelesen. Auch wenn man in groben Zügen die Geschichte über den Mörder Crippen kennt, gelingt es Boyne, den Leser zu überraschen. Außerdem kann er schreiben, vielleicht kennt ihr "Der Junge im gestreiften Pyjama" von ihm.

9.
Im Strandkorb auf der Terrasse die Sonne genossen. Auch wenn es noch nicht wirklich warm draußen ist, kann man es da ein Stündchen aushalten.

10.
"Eine Nacht in Casablanca" mit den Marx Brothers- ich habe heute offensichtlich einen Hollywood- Nostalgie- Tag.

11.
Wir haben jede Menge altbackenes Brot daheim. Ich glaube, heute abend mache ich Semmelknödel.

12.
Jetzt geht es zum gemütlichen Teil des Abends, da kann ich ja die Schuhe ausziehen!

Link:

Samstag, 4. Mai 2019

Garmisch und Partenkirchen

Eine Liebesgeschichte in 5 Akten 

 



1. Akt

Garmisch- Partenkirchen dürfte der bekannteste Wintersportort Deutschlands sein. Sie haben das Abfahrtsrennen auf der Kandahar und das Neujahrsschispringen am Gudiberg. Als Sahnehäubchen können sie auch noch mit der Zugsptze aufwarten, Deutschlands höchsten Berg. 
Und genau aus diesen Gründen sind wir vor ein paar Jahren zum ersten Mal mit den Kindern dorthin gefahren. Wir erwarteten ein Super- Schigebiet, ein bisschen Après- Ski, einen netten Ort und etwas Aufregung wegen des Schispringens, das genau zu diesem Zeitpunkt dort stattfand.
Das Schispringen war tatsächlich da. Die Schispringer sind klein und unfassbar dünn, wenn sie vor dem Hotel herumstehen und auf den Mannschaftsbus warten, man möchte ihnen eine Decke und etwas Warmes zu trinken reichen. Während der Veranstaltung ist der Ort voller Menschen und ohne Parkplätze, und direkt am nächsten Tag ist alles so vollständig vorbei, als habe es den Vortag nie gegeben.


Après- Schi gibt es nur in Maßen, was ich in Ordnung finde, weil ich für's Komasaufen zu alt bin- ich muss meine Gehirnzellen zusammenhalten. Garmisch als Ort ist auch nett, es gibt alles, was man so braucht oder eventuell brauchen könnte. Wenn einem das Wetter einen Streich spielt, kann man in der großen Eissporthalle Schlittschuhlaufen gehen, in der auch der SC Riessersee Eishockey spielt
Aber das Schigebiet ist eine Katastrophe. Der Teil mit der Kandahar nennt sich Garmisch Classic und ist so dermaßen verbaut und veraltet, dass man sich fragt, ob die Garmischer einfach keine Skitouristen mögen und lieber unter sich bleiben wollen. Überall steht man an, die Pistenführung als verworren zu bezeichnen ist ein Euphemismus. Dafür ist es so teuer wie in der Schweiz. 
Die Zugspitze hat ein eigenes Schiareal. Damals konnte man es nur mit einem Bummelzug, der den größten Teil durch Tunnel fährt, oder von Österreich aus erreichen. Auf den Gipfel selbst musste man mit einer weiteren kleinen Gondel fahren. Obwohl die Pisten sehr schön sind, wird die Zugspitze nur an ausgewählten Tagen genutzt: entweder es ist zu kalt, nebelig oder so warm, dass man ab Mittag in der Matsche steht. Als wir da waren, nebelte es oben praktisch ohne Pause.


Gewohnt haben wir in Farchant, einem Vorort von Garmisch- Partenkirchen, bei sehr netten, sehr alten Leuten in einer Wohnung mit einer riesigen Badewanne, die sogar nach Fichtennadelbadezusatz roch. In Farchant habe ich vor dem Fernseher wieder angefangen zu häkeln. Das war die Zeit mit den MyBoshi- Mützen; nur dass ich die Wolle in einem winzigen Laden in Partenkirchen gekauft hatte, in der die alte Dame, der das Geschäft gehörte, von jungen, handarbeitsunerfahrenen Frauen umlagert und ausgefragt wurde wie weiland Bhagwan von seinen Jüngern.


Dass in Farchant die älteren Leute sämtlich ohne Ausnahme Autos mit Automatikgetriebe fuhren, fand ich schrullig. Die Erklärung dafür bekam ich später daheim. Ein Freund meines Mannes, der aus Farchant kommt, erzählte uns, dass es dort nur einen Fahrlehrer gab, und der hatte im Krieg ein Bein verloren. Weil aber niemand es übers Herz brachte, seinen Führerschein woanders zu machen, lernten sie eben auf Automatik. Wovon hätte der arme Mann denn sonst auch leben sollen? dachten sich die Farchanter.

Wegen des Schigebietes und seiner Macken wollten wir trotzdem nie wieder nach Garmisch, Punkt.


2. Akt (Intermezzo)


Nach einigen Reisen in Orte mit riesigen Schigebieten wie Sölden oder Ischgl hatten wir die Nase voll von Megapisten und Großraumgondeln. Mein Mann, der bei uns der Winterplaner ist, kam eines Tages mit dem Vorschlag Lermoos um die Ecke. In Tirol, direkt hinter der deutschen Grenze, gibt es ein paar kleine Wintersportorte, die mit Familienfreundlichkeit werben. Für uns klang das gut.
Um das hier nicht ausufern zu lassen sei nur soviel gesagt, dass diese Orte Lermoos, Ehrwald oder Biberwier wirklich familienfreundlich sind. Für kleine Kinder gibt es nette Schischulen mit freundlichen Lehrern, Größere kann man auch mal alleine auf die Pisten loslassen: die gehen da nicht verloren. Und man fällt nicht ab 14 Uhr an jeder Ecke über Betrunkene!
Im Rahmen dieses Urlaubs ergab sich für den besten Ehemann von allen und meine ältere Tochter die Gelegenheit, von der österreichischen Seite aus bei schönem Wetter zum ersten Mal auf die Zugspitze zu fahren. Sie kamen begeistert mit leuchtenden Augen wieder. So schöööön, und einen leichten Sonnenbrand hatten sie auch.
Dann ging den Kindern der Lesestoff aus (ein im Urlaub häufig auftauchendes Problem), und weil die kleinen Orte in Tirol keine Buchhandlungen hatten, fuhren wir zum Einkaufen nach Garmisch. Dort wurden wir fündig, es gibt nämlich nicht nur einen, sondern mehrere Literaturdealer da. Außerdem fanden wir ein Geschäft, dass die damals unentbehrlichen Drachenfiguren hatte, und ein tolles Café, dass noch unentbehrlicheren guten Kaffee verkaufte.

Garmisch- Partenkirchen machte Boden wett.


3. Akt

Unsere Lebensumstände änderten sich. Zunächst einmal wollte meine jüngere Tochter pubertätsbedingt plötzlich auf keinen Fall mehr aus die Schi. Dann stellte sich heraus, dass wir unseren Hund nicht mehr bei den Schwiegereltern lassen konnten, wenn wir wegfahren wollten. Mein Schwiegervater hatte sich beim Spaziergang mit Hund mehrmals spektakulär auf die Klappe gelegt, und meine Schwiegermutter bekam nach den künstlichen Hüften als nächstes ein neues Knie.


Wir suchten also für die Weihnachtsferien nach einem Ort, den es eigentlich nicht gibt: Für Hunderunden, Schifahren und Teenagerunterhaltung gerüstet, außerdem groß genug, um einen Biosupermarkt zu haben, denn die beiden Mädels waren Vegetarier geworden. Wir kamen noch einmal auf Garmisch- Partenkirchen.
Diesmal wohnten wir bei einer freundlichen Dame in Grainau, die auch einen Hund hatte, der wie der "Kini" Ludwig hieß und sich auch so divenhaft benahm. Grainau liegt sozusagen hinter Garmisch- Partenkirchen, von hier aus fährt die Zugspitzbahn los. Natürlich fuhren mein Mann und die Ältere noch einmal Garmisch- Classic, und selbstverständlich kamen sie fluchend wieder. Aber sonst wurde Zugspitze oder eins der Tiroler Schigebiete gefahren!


Weil ich viel mit dem Hund unterwegs war, lernte ich die Umgebung deutlich besser kennen. Im Winter kann man wunderbar wandern, man teilt sich den Platz mit den Langläufern sozusagen. Die Partnachklamm, eine wirklich wilde Schlucht in der Nähe, ist im Winter meist wegen Eisbruch gesperrt.


In dem Jahr lagen zudem noch ein paar riesige Baumstämme quer, die im Herbst in die Klamm gerutscht und nur schwer zu entfernen waren. Ganz Garmisch- Partenkirchen regte sich darüber auf, der Bürgermeister mußte bei einer Bürgerversammlung einen Terminplan für die Sanierung vorlegen. Von der Partnachalm geht am 6. Januar das Hornschlittenrennen los, eine Höllengaudi für die ganz Wagemutigen. Hornschlitten wurden früher benutzt, um Holz aus dem Wald ins Tal zu befördern; sie sind riesig und praktisch unlenkbar.


Um das trotzende jüngere Kind glücklich zu machen, fuhren wir einen Tag nach München. Man braucht mit dem Auto etwa eine Stunde dahin, und es lohnt sich. Wir machten Sightseeing und gingen ein wenig shoppen: für die Mädels ein Secondhand- Laden gigantischen Ausmaßes, und für mich die Musikabteilung unterm Dach im Kaufhaus Beck. Es gibt nur Jazz und Klassik, aber vom Allerfeinsten; ich könnte Stunden da verbringen. Außerdem waren wir gefühlt in jeder barocken Kirche, die Bayerns Landeshauptstadt zu bieten hat: die Asamkirche, die Theatinerkirche usw usw.





Diesmal waren wir von Garmisch- Partenkirchen sehr angetan.


4. Akt

Im selben Jahr hatten wir unverhofft die Möglichkeit, Ostern noch einmal zusammen in den Urlaub zu fahren. Bevor wir unsere üblichen Endlosdiskussionen über das Reiseziel anfangen konnten, hatte mein GöGa schon eine Ferienwohnung in Garmisch- Partenkirchen gemietet. Es stellte sich heraus, dass die Wohnung unmittelbar im Stadtzentrum direkt an der Partnach lag. Man konnte also genauso schnell ins Städtchen wie ins Grüne. Zu unserer Freude war es so warm und sonnig wie im Frühsommer.


An der Partnach entlang führt ein Weg direkt zum Olympiastadion, dem Schauplatz der Schisprungwettbewerbe. Das Stadion ist eigens für die Winterspiele 1936 erbaut worden, dementsprechend sieht es auch aus. Anläßlich dieses Ereignisses wurde -nicht unbedingt freiwillig- aus den Orten Garmisch und Partenkirchen, die seit der Römerzeit autonom gewesen waren, die Marktgemeinde Garmisch- Partenkirchen. Darüber freut man sich sich bis heute nicht so richtig, und das mag auch ein Grund für die Ablehung erneuter Olympischer Spiele gewesen sein.




Die moderne Sprungschanze von 2007 sieht beeindruckend aus. Ich kann mir von unten schon nicht vorstellen, da herunter zu fahren; vom Richterturm, zu dem man hinaufklettern kann, erscheint einem so ein Vorhaben selbstmörderisch. Ich wollte ein paar super Fotos machen, aber leider gab das Objektiv meiner Kamera den Geist auf. Am nächsten Tag, als ich mit den Mädels nach München fuhr, brachte mein Mann den Patienten in ein Fotogeschäft nach Garmisch, wo sich der netteste Fotograf der westlichen Hemisphäre ein Bein ausriss, um uns weiterzuhelfen.


In München waren wir diesmal in der Alten Pinakothek. Weil sie umgebaut wurde, durften wir umsonst hinein. Meine "Kleine" erneuerte ihre Begeisterung für Rubens, und ich stand plötzlich ganz nah vor dem Selbstporträt von Albrecht Dürer und fiel beinahe vor Ehrfurcht auf die Knie.



In diesem Jahr wurde die neue Zugspitzbahn eröffnet. Sie saust mit nur einer Zwischenstütze von einer hochmodernen Talstation bis unmittelbar ans Gipfelkreuz. Das ist nicht unbedingt etwas für Höhenphobiker, beeindruckend ist es aber allemal. Man kann spektakulär auf den leuchtend grünblauen Eibsee heruntergucken (um den herum gibt es einen ganz wunderbaren Wanderweg, unser Hund hat das sehr genossen). Für kleine Kinder sollten Eltern einen Kaugummi oder Ähnliches parat haben, die Geschwindigkeit, mit der die Zugspitzbahn Höhenmeter überwindet, macht ziemlichen Druck auf den Ohren.



Wir fanden Garmisch- Partenkirchen super.


5. Akt

Neues Ostern, neues Glück! In diesem Jahr war Ostern so spät, dass eigentlich an Schifahren kaum noch zu denken war. Und was macht man da? Genau: man fährt nach Garmisch- Partenkirchen!
Unsere Wohnung lag einmal nicht in Garmisch, sondern in Partenkirchen. Das ist ein himmelweiter Unterschied. Partenkirchen hieß bei den Römern "Parthanum", wurde 1361 Markt und steinreich, weil die Handelsstraße von Augsburg über Mittelwald nach Italien hier durch führte. Garmisch dagegen wurde erst 802 als "Germarisgave" erwähnt und gehörte von 1294 zu Werdenfels, das dem Bischof von Freising unterstand. Partenkirchen ist also älter und war eigentlich erfolgreicher, das änderte sich erst mit der vermaledeiten Zwangszusammenführung 1935.


Heute ist Partenkirchen immer noch deutlich ursprünglicher als Garmisch, man könnte auch sagen, es ist bayrischer. Die meisten Häuser tragen wunderschöne Lüftlmalerereien, die auch richtig alt sind. Der letzte Lüftlmaler, der noch "al fresco" arbeitete (d.h. er malte seine Motive direkt in den feuchten Putz statt auf die trockene Wand), hieß Gerhard Ester und kam hierher, er ist 2018 verstorben.
Wir fuhren diesmal zwar auch Schi (meine jüngere Tochter fährt übrigens wieder), unternahmen aber mehr Ausflüge in die Umgebung.


Wir waren im Kloster Ettal, das zwischen Garmisch- Partenkirchen und Oberammergau liegt, Barock gucken. Das Kloster ist immer noch im Besitz des Benediktinerordens, es gibt ein Gymnasium, Landwirtschaft, einen Kunstverlag, eine Brauerei und eine Destillerie. Die Mönche stellen einen eigenen Gin her, zu dem man im Klosterladen ein Buch über den perfekten Gin Tonic haben kann. Da soll mal einer sagen, die Patres seien weltfremd!



Nicht weit davon entfernt liegt Schloß Linderhof, wieder so ein Königschlößchen des überhaupt nicht verrückten Ludwig II. Das ist zwar nicht barock, tut aber so. Das Schloß ist klein (bekannt ist das Tischlein-deck-dich: ein Eßtisch, der aus dem Boden gefahren kam und Ludwigs Gäste zu Tode erschreckte), dafür ist der Garten riesig. Direkt vor dem Gebäude befindet sich ein Wasserbassin mit einer goldenen Flora- Statue darin. Jede halbe Stunde haut das Bassin eine dreißig Meter hohe Wasserfontäne heraus, das ist so unverhältnismäßig zum Rest der Anlage, dass man es einfach lieben muss.




In München waren wir natürlich auch, das hat ja mittlerweile Tradition. Diesmal waren wir in der Pinakothek der Moderne, Kunst ab dem Blauen Reiter bis zu Beuys bewundern. Neben dem außergewöhnlichen Museumsbau beeindruckte uns eine Sonderausstellung über das graphische Werk der amerikanischen Künstlerin Kiki Smith- von den Eindrücken zehre ich heute noch, hach! Das hier bin ich vor einem Gemälde von Georg Baselitz:


Wenn der Rest meiner Familie im Schnee herumtobte -was übrigens teilweise noch möglich war-, gammelte ich mit dem Hund in Partenkirchen herum. Auf der Ludwigstrasse, der belebtesten Einkaufsstrasse, herrscht eine Atmosphäre irgendwo zwischen Italien und tiefstem Bayern. Bei schönem Wetter sitzen sofort alle draußen, sogar der Kurator des Heimatmuseums Werdenberg steht die halbe Zeit auf der Strasse und begrüßt seine Bekannten.


Wenn man Richtung Wank wandert, kommt man durch den Philosophenpark (auf den Bänken sind Zitate bekannter Schriftsteller angebracht), über einen Kreuzweg zur Wallfahrtskirche St. Anton. Anhand der Leidensstationen erklären die Partenkirchener Väter ihren Kindern beim Karfreitagsspaziergang ziemlich gekonnt die Passionsgeschichte.



Als wir dieses Mal nach Hause mußten, waren wir verliebt in Garmisch- Partenkirchen.


Und was folgt nun daraus:
Es gibt Orte, die begeistern sofort, und es gibt andere Orte, mit denen braucht man, um warm zu werden.
Garmisch- Partenkirchen ist vollkommen ungeeignet als reiner Wintersportort, dabei bleibe ich. Aber als Mittelpunkt für Unternehmungen in alle Richtungen ist es ideal.


Aber vor allem habe ich noch nie so viele so nette Leute getroffen wie hier. Ob ich beim Metzger eine Diskussion darüber hatte, dass ich dem Hund keine eigene Leberkässemmel kaufen wollte, ob es um den Klimawandel, den besten Weg zum Gardasee oder die Vor- und Nachteile des Auswanderns nach Australien ging: immer habe ich mich lange und freundlich mit Garmischern und Partenkirchenern unterhalten. Die Menschen hier sind unglaublich entspannt.


Das kann man aber auch sein, wenn man in einer so tollen Gegend wohnt. 







Freitag, 14. Dezember 2018

Vorweihnachtsstress

 


Es gibt keinen, der sich gerade nicht im Vorweihnachtsstress befindet, glaube ich. 
Noch keine Geschenke, die Plätzchen sind angebrannt, Schule, Kindergarten, Vereine und Firmen hauen eine Veranstaltung nach der nächsten raus, was sollen wir kochen (o Gott, zwei Vegetarier am Tisch und Oma träumt von Gänsebraten!), ich habe nix zum Anziehen, wieso sind die Nordmanntannen schon wieder teurer und das Finanzamt hat sich den größten Teil meines Weihnachtsgeldes unter den Nagel gerissen...
Tja, bei uns gibt es einen, der davon völlig unbeeindruckt ist: der Hund schläft seine 12 Stunden am Tag wie immer. Rosi würde nur ausflippen, wenn's Weihnachten schneien würde: und wann kommt das im Rheinland schon vor?


Sonntag, 21. Oktober 2018

 

Mal so richtig NICHTS machen

Herbstferien in Neuharlingersiel

 

Die Orte haben richtig lustige Werbeslogans. Hier: Neuharlingersiel- Urlaub mit Stil!

Bei uns war in den letzten Wochen wirklich viel los. Selbstständige wie wir haben immer Theater mit der Firma, die Ältere macht in diesem Schuljahr Abitur, die Jüngere schreibt Tests und Klausuren am laufenden Band. Vor ein paar Wochen ist mein Vater gestorben, den ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen habe: das war alles sehr belastend.

Hafen Neuharlingersiel: dem einen Seemann treten ständig Leute für Fotos in den Hintern

Strandbereich Neuharlingersiel

Als es darum ging, was wir in den Herbstferien machen wollten, waren sich ausnahmsweise alle einig, dass es NICHTS sein sollte. Und wo kann man NICHTS auf ganz hohem Niveau so richtig gut machen? 
Genau: niedersächsische Nordseeküste!

Auch Möwen machen Wattwanderungen.

Wir waren in Neuharlingersiel. Es hätte aber auch gut eins der anderen Siele sein können, wir haben einfach das genommen, wo wir eine Ferienwohnung gefunden haben, die für uns mit Hund passend war. Und was haben wir ein Glück gehabt!

Immer auf dem Deich lang!

Hafen Neuharlingersiel

Davon einmal abgesehen, dass wir einfach bombastisches Wetter hatten (obwohl man sich wirklich fragen muß, ob 26 Grad Mitte Oktober die Regel werden sollten), der Ort ist auch wirklich niedlich. Es gibt einen netten Hafen mit Cafés, Fischbuden und diesen Shops, in denen alles entweder einen Anker hat oder geringelt ist. Bei schlechtem Wetter hätte man das Schwimmbad nutzen können, statt dessen konnten wir wirklich noch an den (sehr kleinen) Sandstrand.

Ganz weit gucken können!

Die Ausflüge hielten sich ebenfalls in beschaulichen Grenzen. Wir waren in Esens und Jever, zwei hübsche kleinere Orte in der Nachbarschaft sozusagen, in Wilhelmshafen und in Bremen. Bremen ist etwa anderthalb Stunden entfernt, das war schon irgendwie zu anstrengend. Da waren wir auch nur, weil eins der Mädels keine 2. Hose mitgenommen hatte und sich weigerte, nur noch mit Joggingbux herumzulaufen.

I love Schillig! Der Ortsslogan ist hier: Schillig- hier chill ich!

Schiffe gucken in Schillig

Schillig, ein paar Kilometer von Neuharlingersiel entfernt, lohnt sich nicht unbedingt wegen des Ortes, sonder weil es dort einen ganz wunderbaren, echten Strand gibt, der so lang ist, dass zwei Kilometer (!) davon als Hundestrand freigegeben sind. Im Ort steht eine neue katholische Kirche mit ausgesprochen anspruchsvoller Architektur, die ich sehr sehenswert finde.

Relaxen in der Sonne

Warum da an einem Abend einsam und verlassen ein Schlauchboot lag, wer weiß?

NICHTS machen hat sich für uns alle als ein Segen erwiesen. Wir waren so entspannt wie schon sehr lange nicht mehr. 

Café an der Hafenausfahrt mit spektakulärer Dachterrasse

Krabben ausladen
Die Fähre nach Spiekeroog geht von hier ab.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings: Der Ort ist für Leute mit Hund einfach nicht zu empfehlen. Unser Ferienwohnungsvermieter war unglaublich nett und war auch auf Hundebesitzer eingerichtet, daran lag es nicht. In Neuharlingersiel dürfen Hunde weder an den Strand, noch auf den Deich davor, noch über den Campingplatz und auch nicht durch den Kurpark. Wir bezahlen aber die volle Kurtaxe.

Abendliche Ruhepause

Wohlgemerkt, ich rede nicht von Deichen mit Schafen und auch nicht vom Kinderspielplatz. Die Strandpromenade ist etwa vier Meter breit und asphaltiert, es gibt eine große Wiese, die für Lenkdrachen freigegeben ist: Naturschutz kann also hier nicht das entscheidende Argument sein, um angeleinte Hunde fernzuhalten. Eigentlich ist man die ganze Zeit damit beschäftigt, irgendwie außen herum zu gehen. In anderen Orten ist man bei weitem nicht so rigoros: warum auch?

Hundestrand in Schillig: sieht aus wie Sylt!

Wenn ihr aber keinen Hund habt, ist in Neuharlingersiel wirklich alles in Ordnung. Gerade für Leute mit kleinen oder mittelgroßen Kindern ist es ideal hier. Fahrradfahrer kommen ebenfalls voll auf ihre Kosten, die Radwege an der ganzen Küste sind Legende. 

Eigentlich sollte sie Auszeitküste heißen.