Dienstag, 24. September 2019


Heute

(bzw. vorgestern)



Am Sonntag war ich mit unserem Hund beim Hundeschwimmen im Freibad. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt: am Ende der Badedaison machen manche Freibäder noch ein- oder zweimal auf, damit wasserverrückte Hunde so richtig in den Pools toben können. Danach wird das Wasser für den Winter abgelassen; zum Beginn der neuen Saison im Frühjahr müssen die Becken ohnehin gründlich gereinigt werden.
Das ist genau das richtige für unsere alte Dame. Rosi war schon immer absolut jeck (=verrückt) auf Wasser. In diesem Jahr war es allerdings das erste Mal, dass sie ziemlich früh müde wurde. Sie wird eben 12 Jahre alt, da geht das alles nicht mehr so wie früher.
Aber dann fand sie im Gebüsch eine rote Gummiente! Irgendein anderer Hund hatte das Quietscheding liegen lassen. Rosi war begeistert und schleppte die neue Beute sofort zum Becken, damit wir mit ihr Apportieren spielen konnte. Womit sie nicht gerechnet hatte: absolut alle anderen Hunde standen genauso auf die Ente wie sie. Sobald die Ente ins Wasser klatschte, waren alle im Wasser und paddelten auf das Gummitier zu. Sie sahen aus wie Alligatoren, wenn etwas Leckeres in die Everglades gefallen ist.
Am Ende tauchte der rechtmäßige Besitzer der roten Gummiente auf und nahm sie zur Enttäuschung aller Hunde mit.
Es war übrigens eine Ver.di- Kampfente, was auch immer das jetzt heißen mag.

Sonntag, 22. September 2019

 

Heute:

Samstag in Düsseldorf

 


Das Weibsvolk brauchte neue Outfits, also war ich nach ewigen Zeiten noch einmal an einem Samstagnachmittag in Düsseldorf. Was es da wieder nicht alles zu sehen gab!

1) Es gibt immer noch Touristen aus Japan, die sich nicht auskennen, dabei sollte man doch meinen, alle Japaner seien schon irgendwann einmal in Düsseldorf gewesen.
2) E- Scooter liegen eigentlich mehr herum, als sie gefahren werden. Es war allerdings auch so voll, dass man mit so einem Ding ohnehin nirgendwo durchgekommen wäre. Aus irgendeinem nicht nachvollziehbaren Grund war der Rheinufertunnel gesperrt, so dass der gesamte Autoverkehr sich durch die City quälte.
3) Mir gefällt die neue Herbstmode, so mittellange weite Röcke und Blümchenkleidchen, alles ein bißchen nostalgisch. Ich habe mit einer Rüschenkragenbluse geliebäugelt, damit hätte ich ausgesehen wie Fräulein Rottenmaier.
4) Ich bewundere die Hunde von Obdachlosen, die haben wirklich Nerven wie Drahtseile.
5) Da war ein Mann, der wirklich und ungelogen aussah wie ein Alien (s. auch Men in Black!). Die Textzeile ist übrigens von Throwthatbeatinthegarbagecan - kennt die noch einer?

Ich sollte mich am Wochenende wieder häufiger ins Getümmel stürzen.

Dienstag, 10. September 2019


Perücke und Käppchen

 


Im vorletzten Post hatte ich über die Brustkrebserkrankung meiner Mutter erzählt, und wie sie nach der Operation damit konfrontiert wurde, dass sie entgegen der ersten Prognosen eine Chemotherapie machen sollte.
Der nächste Schritt war das Einsetzen eines Ports, durch den die Medikamente während der Behandlung fliessen sollen. Dieser Eingriff wurde ambulant gemacht und tat höllisch weh. Am nächsten Tag war die Wunde angeschwollen. Meine Mutter geriet in Panik und rief mich an, während ich im Supermarkt an der Kasse stand. Ich schmiß meine Einkäufe in die Packtaschen, radelte wie Jan Ullrich nach Hause, brüllte meinem Mann zu, dass er kochen müßte, wenn er etwas zu Essen haben wolle, sprang erst in das erste Auto, das keinen Sprit mehr hatte und dann in das zweite, dass wenigstens nur gerade auf Reserve stand, um zu meiner Mutter zu rasen. Die Wunde sah wirklich nicht schön aus, das fand ich auch. Also fuhren wir in die Ambulanz, denn beim letzten Mal - man erinnert sich vielleicht- endete eine ähnliche Situation mit einem blauen Auge und einer zweiten Operation.
Der Ambulanzarzt kannte meine Mutter noch aus der Chirurgie. Er sah sich das an und konnte sie beruhigen: die Wunde sah völlig o.k. aus. Er war sogar so taktvoll, uns beide nicht wie totale Hysterikerinnen aussehen zu lassen. 
Während ich in der nächsten Woche im Urlaub auf Rügen war, absolvierte meine Mutter noch zwei CTs und eine Knochenmarksuntersuchung. Zu der Besprechung der Chemo konnte sie sogar zum ersten Mal wieder mit ihrem Auto fahren. Dort unterschrieb sie eine solche Menge an Formularen, Einverständniserklärungen und Datenschutzbestimmungen, dass sie danach eine taube Hand hatte. Sie bekam einen Taxischein für die Behandlungen und - ein Rezept für eine Perücke.
Meine Mutter liebt ihre Haare, sie hegt und pflegt sie und gibt Unsummen beim Friseur aus. Die Gewißheit, dass sie ihre Haare tatsächlich verlieren würde, war wieder so ein Schlag.
Mittlerweile hat sie angefangen, ihren Freunden und Bekannten zu erzählen, was sie hat. Erstaunlich, wie viele ihr erzählen, dass sie genau die gleiche Krankheit überstanden haben. Außerdem bekommt sie wahnsinnig viel freundliche Unterstützung und Zuspruch. An dem Tag, als sie mit dem Perückenrezept nach Hause kam, stand zufällig eine Nachbarin spontan mit einem Sonnenblumenstrauß vor der Tür.
Letzten Freitag war ich mit Mama im Perückenladen und erweiterte meinen Horizont darüber, welche Perücken es gibt, wie teuer sie sind, wie sie geknüpft werden, dass Echthaar nicht unbedingt das Maß aller Dinge, weil unfaßbar pflegeintensiv ist, dass man einen Perückenständer und keinen Styroporkopf braucht, weil der "Fiffi" auslüften muss undsoweiterunsofort. Außerdem erfuhr ich, dass die Krankenkassen unterschiedliche Zuschüsse zu den Perücken geben. Bei meiner Mutter sind es 500 €, was wohl gutes Mittelmaß ist. Merke also: wenn du vorhast, dir Brustkrebs zuzulegen, sieh dir das Kleingedruckte bei deiner Kasse an.
Schließlich hatten wir (zwei nette Frauen im Perückenladen, meine Mutter und ich) uns für ein Modell entschieden. Das wird nun passend bestellt und dann noch passender zurechtfrisiert. Außerdem hat Mama jetzt ein nahtloses Baumwollkäppchen für daheim, standesgemäß in Schwarz, damit es zu ihren Sachen passt. Danach waren wir noch opulent italienisch Essen; meine Mutter muss noch ein bißchen zunehmen, weil damit zu rechnen ist, dass sie während der Behandlung abnimmt.

Nächste Woche geht es dann los mit der ersten Chemo. 

Montag, 2. September 2019


Kino ist Magie

 


In meinem letzten Post habe ich erzählt, dass ich alte Filme mag. Das war schon immer so. Darauf gebracht hat mich meine Mutter: als ich klein war, habe ich mit ihr alle möglichen Filmklassiker gesehen. Von Hitchcock bis John Wayne, der Rote Korsar mit Burt Lancaster oder die Schwarze Tulpe mit Alain Delon... Ich war irgendwann ein richtiges Filmlexikon, vor allem, als wir einen VHS- Videorekorder (!) anschafften..




Als ich mir letzte Woche noch einmal einen Film mit Fred Astaire angesehen habe, kam diese Szene hier. Astaire stellt fest, dass er zum ersten Mal richtig verliebt ist, und natürlich beginnt er zu tanzen. Aber nicht nur auf dem Fußboden, sondern an den Wänden entlang und unter der Decke. Ich habe keine Ahnung, wie das gemacht wurde, CGI gab es schließlich noch nicht. Letztendlich ist das aber egal.



Filme bringen den Zuschauer zum Staunen, zum Lachen, zum Weinen und zum Träumen. Der Mund soll uns offen stehen vor Verblüffung. Ob das mit einer guten Geschichte oder einem beeindruckenden Bild geschieht, liegt an dem Künstlern, die den Fim entstehen lassen. Ich bin übrigens vollkommen vorurteilsfrei, ich sehe mir Marvel- Filme genauso gerne an wie einen Film von Jim Jarmusch.


Am liebsten schleppe ich im Sommer das Laptop und den Beamer nach draußen und lasse mich im Liegestuhl im Garten verzaubern. Oder ich gehe mit meinen Töchtern Sonntagmorgens in eine Kinovorstellung im Cineplex, um Nachos und Popcorn zu frühstücken. Oder ich besuche unser Kleinstadtkino mit dem ewig mürrischen Besitzer (Solidarität ist alles). Oder ich mache im Wohnzimmer das Licht aus, zünde Kerzen an und heule mich bei einem Liebesfilm so richtig aus.





Die Magie des Kinos wirkt bei mir eigentlich immer.

Freitag, 16. August 2019


Das Krebskissen



Ende Mai wurde bei meiner Mutter bei einer Routineuntersuchung ein kleiner Knoten in der rechten Brust gefunden. Sie bekam sofort einen Termin zur Biopsie, wo sich zweifelsfrei herausstellte, dass es sich um einen kleinen Krebstumor handelte.
Meine Mutter ist seit vier Jahren siebzig, eine aktive, sportliche und für ihr Alter sehr attraktive Frau. Seit der Scheidung von meinem Vater in den Neunzigern lebt sie allein. Sie ist also darauf eingerichtet, selbstständig und kontaktfreudig zu sein. Das ergibt sich so, wenn man in ihrem Alter nicht einsam nur von Katzen umgegeben herumvegitieren möchte. Aber mit dieser Diagnose kam sie nicht alleine zurecht. Wer tut das schon?
Der Operationstermin war schon zwei Wochen später. Ihre Ärztin im Krankenhaus sagte ihr bei der Vorbesprechung, der Tumor sei wirklich sehr klein, deswegen würde die OP kein Problem darstellen. Warscheinlich wäre danach keine Chemotherapie nötig, Bestrahlung müßte ausreichen. Entsprechend optimistisch packte meine Mutter ihre Tasche ud ließ sich von mir ins Krankenhaus fahren.
Direkt an ihrem ersten Tag, den sie mit allen möglichen Untersuchungen und dem Ausfüllen von zig Formularen verbrachte, tauchte eine Frau von einer Brustkrebsselbsthilfegruppe auf und brachte ihr ein handgenähtes herzförmiges Kissen. Das solle sie daran erinnern, dass sie nicht allein sei, und außerdem sei es als Nackenstütze und als Unterstützung für den Arm nach der OP geeignet. Danach kam noch der Typ vom psychosozialen Dienst, um sich vorzustellen.
Als meine Mutter das Krebskissen entgegen nahm, ahnte sie, dass sie eine neue Welt betreten hatte, nämlich die der Krebspatienten. Vorher war sie jemand, dem eine Operation bevorstand, jetzt hatte sie Krebs. Sie könnte tatsächlich daran sterben. Das war ein ziemlicher Schock. Und eigentlich fing damit alles richtig an.
Die Operation verlief zunächst gut, aber am nächsten Tag hatte sich in der Wunde Blut angesammelt. Meine Mutter kippte auf der Toilette um und schlug sich am Waschbecken ein blaues Auge. Sie mußte erneut operiert werden, danach ging es besser. Der Tumor und ein Teil des Lymphdrüsengewebes waren entfernt, allerdings hatte sie ständig viel zu hohen Blutdruck, weswegen sie länger bleiben mußte. Erst nach einem Herzecho konnte sie nach Hause. Allerdings durfte sie praktisch nichts. Sie konnte nicht autofahren, sie durfte nichts Schweres heben, sie durfte sich nur daheim langweilen. Wir tauschten eine Menge DVDs aus (wir teilen die Vorliebe für Filmklassiker aus den Fünfzigern und Sechzigern).
Eine Woche später war der Nachsorgetermin im Krankenhaus. Die Ergebnisse der Gewebeuntersuchung waren nicht so gut, wie gedacht. Der Tumor war doch etwas größer gewesen, und das umgebende Gewebe sah auch nicht optimal aus. Die Ärztin schlug meiner Mutter einen Test vor, der von einem Labor in Trier durchgeführt wird. Sinn der Sache ist es, zu überprüfen, ob eine Chemotherapie wirklich nötig ist. Da dieser Test noch relativ neu ist, kann es sein, dass die Krankenkasse die Kosten zunächst einmal ablehnt. Deswegen überträgt man das Widerspruchsrecht auf das Trierer Labor, die sich dann mit der Kasse auseinandersetzen. Vernünftigerweise gab meine Mutter die Erlaubnis zu diesem Test. Jetzt hieß es wieder warten.
Wieder eine Woche später waren die Testergebnisse da. Als wir in das Sprechzimmer der behandelnden Ärztin kamen, konnte ich es an ihrem Gesicht schon sehen (Pokerspielerin sollte sie besser nicht werden): Meine Mutter muss eine Chemotherapie machen. Das dauert ein halbes Jahr, dann kommt die Bestrahlung, und danach wird sie Hormone nehmen müssen.
Für meine Mutter ist damit der blanke Horror eingetreten. Sie wird lange krank sein, sie muss ihr Leben verändern, sie wird ihren Freunden endlich erzählen müssen, was sie hat. Sie wird ihre Haare verlieren. Es kommt jetzt darauf an, dass sie eine Einstellung zum Krebs entwickelt, damit sie ihre Behandlung annehmen kann. Denn Krebs ist eben nicht einfach eine Krankheit wie andere.

Das hatte ihr das Krebskissen schon am ersten Tag gesagt.

Montag, 12. August 2019


12 von 12

August 2019

 


Also, was ich heute so gemacht habe:

1) Weil die Wettervorhersage für vormittags prima Sonnenschein und nachmittags Schauer vorausgesagt hat, bin ich in aller Herrgottsfrühe hinaus und habe Wäsche aufgehängt, damit ich mittags das Zeug trocken habe.

2) Der Hund verliert zur Zeit Unterwolle in einer Menge, die man sich nicht vorstellen kann. Ich glaube, das wird im Alter irgendwie mehr. Jedenfalls habe ich heute morgen kräftig an ihr herumgebürstet.

3) Am Wochenende fahren wir in den Urlaub nach Rügen, und ich freue mich wie ein Schnitzel darauf. Ich bin spontan auf die Idee gekommen, ein Bändchen aus einem der früheren Urlaube hervor zu kramen und mir um das Fußgelenk zu binden. 
Super, ich bin jetzt ein Surferbabe!

4) Während der Arbeit wie immer in Baugruben geguckt: manchmal glaube ich, ich wäre auch eine erstklassige Bestatterin geworden.




5) Bei uns in NRW sind noch Schulferien. Kind 2 gibt Tennistraining bei einem Kindercamp, um sich ein bisschen Geld zu verdienen, was dazu führt, dass im Flur überall Tenniskram herumliegt.

6) Mit dem Hund in den Wald fahren und vorher am Altglascontainer vorbei.

7) Beim Wäschesortieren die letzte Folge der 3. Staffel von Stranger Things gesehen. Besser als die zweite, aber keine ist besser als die erste!

8) Der Wettertyp vom ZDF- Morgenmagazin ist ein absoluter Nichtskönner! Die Aktion von heute morgen wegen der Wäsche war umsonst, es regnet einfach nicht!




 9) Als ich mit dem Hund unterwegs war, hörte man überall die Sirenen der Feuerwehr. Irgendetwas Schlimmes war auf der A 3 passiert. Bei solchen Ereignissen zähle ich immer meine Familienmitglieder durch: hoffentlich ist niemand auf der Autobahn unterwegs...

10) Seit zwei Monaten suche ich den zweiten Stecker der Papierschiffchenohrringe aus Jever. Heute tauchte er plötzlich wieder auf: Heureka!

11) 2019 ist ein Tomatenjahr, da gibt es keinen Zweifel. Wir essen praktisch pausenlos Tomaten vom Strauch.

12) Ich bin so müde, ich könnte auf dem Sofa einschlafen!