Schwarz und Weiss und jede Menge Grautöne
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| Der beste Freund des GöGa |
Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, kam ich auf die Idee, Familienmitglieder und enge Freunde zu porträtieren. Ich dachte, wenn mein Mann und ich irgendwann von Eltern oder Grosseltern erzählen, dann wüsste mein Kind gerne, wie sie ausgesehen hatten. Ich habe kaum Bilder von meinen Verwandten, meinem Mann geht es genau so. Wir müssen uns auf unsere Erinnerungen verlassen, und die sind wie die der meisten Menschen nicht sehr zuverlässig.
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| Meine Mama guckt ernst... |
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| ... und meine Mama lacht |
Von Anfang an wusste ich, dass ich die Bilder in Schwarzweiss machen wollte. Ich war damals sehr von den Porträts von
Anton Corbjin begeistert, außerdem fand ich (und finde das heute noch), dass eine monochromes Bild irgendwie "wesentlicher" wirkt. Man schaut automatisch intensiver in das Gesicht des Porträtierten und die Kleidung tritt zurück. Ausserdem: man sieht viel cooler darauf aus!
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| Der GöGa vor siebzehn Jahren (hier sieht man den Corbjin- Style!) |
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Ich hing ein schwarzes Stück Stoff an mein Bücherregal, verdunkelte das Zimmer und stellte einen Strahler auf. Die Bilder machte ich mit einer Mamyia 645, einer vollständig mechanischen Mittelformatkamera. Ich hatte einen externen Belichtungsmesser, die Werte für Belichtung und Zeit musste ich manuell auf die Kamera übertragen. Weil ich wenig Licht hatte, war die Tiefenschärfeebene ziemlich knapp. Wild auf dem Stuhl herumwackeln durfte also keiner, sonst war er verschwommen. Welche Filme ich gebraucht habe, weiss ich nicht mehr. Selbst entwickelt habe ich sie nicht, das war mir zu riskant. Die Abzüge habe aber ich gemacht, weil mir ein Profilabor zu teuer war.
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| Das ist eine Aufnahme aus einem Workshop mit einem Profimodel. |
Das Schwierigste war allerdings, meine "Models" zu motivieren. Den meisten Leuten ist es unangenehm, so lange und intensiv angesehen zu werden. Schnappschüsse bei Parties sind kein Problem, aber seinem Fotografen sozusagen ausgeliefert zu sein ist doch gewöhnungsbedürftig. Ich hatte das schon ein paar Mal mit Profis bei Fotoworkshops gemacht, daher wusste ich, dass es dem Porträtierten leichter fällt, sich zu entspannen, wenn man ihm oder ihr genau sagt, was er oder sie tun soll. Ich liess also den Bestimmer in mir raus, das wirkte dann auch so, als hätte ich Ahnung!
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| Die zweite Frau meines Vaters hat sich beim Fotografieren hinter ihrer Enkelin versteckt. |
Da die Mamyia eine analoge Kamera ist, konnte ich nicht sofort zeigen, wie das Foto geworden war. Ich wusste es ja selbst nicht! Es wurde also jedes Mal spannend, wenn ich die Kontaktabzüge bekam. Ich habe von jedem Film mit 12 Bildern maximal zwei gute Fotos herausbekommen. Das ist so eine Sache, die ich an der Digitalfotografie liebe: da kann man direkt sehen, ob man Murks produziert hat und die Aufnahme wiederholt werden muss.
Als kleines Danke habe ich alle meine "Opfer" zum Essen eingeladen nach der schweren Arbeit und ihnen schöne grosse Abzüge ihrer Bilder gemacht.
Eigentlich, wenn ich die Porträts jetzt so sehe, würde ich so etwas gerne noch einmal machen. Vielleicht krame ich die gute alte Mamyia wieder mal heraus...
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| Den würde ich heute wirklich gerne noch einmal fotografieren, weil er jetzt ganz anders aussieht! |