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Donnerstag, 8. März 2018

 

Winter im Rheinland

(Mit der Kamera durch's Jahr: 

Im Vordergrund)

 



Bei uns hier gibt es keinen vernünftigen Winter, das war schon immer so. Sollte es ausnahmsweise tatsächlich einmal schneien, wird im Handumdrehen Matsch daraus. Alle fünf Jahre oder so genießen wir vielleicht vier Tage am Stück Winterwunderland, dann bricht aber der Verkehr vollkommen zusammen und die Leute kaufen im Supermarkt die Regale leer, weil die Eiszeit naht. Deswegen stürzen die abgehärteteren Rheinländer beim Anblick der ersten Schneeflocken nach draußen und machen ganz schnell alles, was man im Schnee eben so macht. Carpe diem, das ist unser Motto!



Ich mag Bilder, auf denen die Schneeflocken wirbeln. Eine eigentlich nicht besonders interessante Ansicht verändert sich vollständig durch das bisschen Zuckerwatte, das da so im Vordergrund herumschwebt. Außerdem machen Leute im Schnee so schöne Sachen, die würden sie ohne nie tun.



Wenn es gerade erst schneit, hat man beim Fotografieren keine von den Scherereien, die bei zu viel Weiß entstehen. Ich verzichte darauf, den Fokus auf die Schneeflocken als Vordergrund zu legen. Mich interessiert die Veränderung, die durch dieses spezielle Wetter mit der Umgebung geschieht, also benutze ich eine kleine Blende, um so viel wie möglich zu sehen. Hell genug ist es ja!


Kamera: Canon AE 1
Objektiv: Canon 35 mm
Film: Ilford HP 5 plus
(Negative eingescannt und mit Photoshop bearbeitet)


Freitag, 24. November 2017

Schwarz und Weiss und jede Menge Grautöne

 

Der beste Freund des GöGa

 

Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, kam ich auf die Idee, Familienmitglieder und enge Freunde zu porträtieren. Ich dachte, wenn mein Mann und ich irgendwann von Eltern oder Grosseltern erzählen, dann wüsste mein Kind gerne, wie sie ausgesehen hatten. Ich habe kaum Bilder von meinen Verwandten, meinem Mann geht es genau so. Wir müssen uns auf unsere Erinnerungen verlassen, und die sind wie die der meisten Menschen nicht sehr zuverlässig.

Meine Mama guckt ernst...
... und meine Mama lacht

Von Anfang an wusste ich, dass ich die Bilder in Schwarzweiss machen wollte. Ich war damals sehr von den Porträts von Anton Corbjin begeistert, außerdem fand ich (und finde das heute noch), dass eine monochromes Bild irgendwie "wesentlicher" wirkt. Man schaut automatisch intensiver in das Gesicht des Porträtierten und die Kleidung tritt zurück. Ausserdem: man sieht viel cooler darauf aus!

Der GöGa vor siebzehn Jahren (hier sieht man den Corbjin- Style!)

Ich hing ein schwarzes Stück Stoff an mein Bücherregal, verdunkelte das Zimmer und stellte einen Strahler auf. Die Bilder machte ich mit einer Mamyia 645, einer vollständig mechanischen Mittelformatkamera. Ich hatte einen externen Belichtungsmesser, die Werte für Belichtung und Zeit musste ich manuell auf die Kamera übertragen. Weil ich wenig Licht hatte, war die Tiefenschärfeebene ziemlich knapp. Wild auf dem Stuhl herumwackeln durfte also keiner, sonst war er verschwommen. Welche Filme ich gebraucht habe, weiss ich nicht mehr. Selbst entwickelt habe ich sie nicht, das war mir zu riskant. Die Abzüge habe aber ich gemacht, weil mir ein Profilabor zu teuer war.

Das ist eine Aufnahme aus einem Workshop mit einem Profimodel.

Das Schwierigste war allerdings, meine "Models" zu motivieren. Den meisten Leuten ist es unangenehm, so lange und intensiv angesehen zu werden. Schnappschüsse bei Parties sind kein Problem, aber seinem Fotografen sozusagen ausgeliefert zu sein ist doch gewöhnungsbedürftig. Ich hatte das schon ein paar Mal mit Profis bei Fotoworkshops gemacht, daher wusste ich, dass es dem Porträtierten leichter fällt, sich zu entspannen, wenn man ihm oder ihr genau sagt, was er oder sie tun soll. Ich liess also den Bestimmer in mir raus, das wirkte dann auch so, als hätte ich Ahnung!

Die zweite Frau meines Vaters hat sich beim Fotografieren hinter ihrer Enkelin versteckt.

Da die Mamyia eine analoge Kamera ist, konnte ich nicht sofort zeigen, wie das Foto geworden war. Ich wusste es ja selbst nicht!  Es wurde also jedes Mal spannend, wenn ich die Kontaktabzüge bekam. Ich habe von jedem Film mit 12 Bildern maximal zwei gute Fotos herausbekommen. Das ist so eine Sache, die ich an der Digitalfotografie liebe: da kann man direkt sehen, ob man Murks produziert hat und die Aufnahme wiederholt werden muss.
Als kleines Danke habe ich alle meine "Opfer" zum Essen eingeladen nach der schweren Arbeit und ihnen schöne grosse Abzüge ihrer Bilder gemacht.
Eigentlich, wenn ich die Porträts jetzt so sehe, würde ich so etwas gerne noch einmal machen. Vielleicht krame ich die gute alte Mamyia wieder mal heraus...

Den würde ich heute wirklich gerne noch einmal fotografieren, weil er jetzt ganz anders aussieht!


Freitag, 29. September 2017

Die alte Republik

Anderswo in der Vergangenheit 

 

Seiteneingang Alter Bundestag

Da war ja neulich Wahl, und davor war Wahlkampf. Weil meine Töchter endgültig im politikfähigen Alter sind, was bedeutet, dass sie aber auch über alles diskutieren müssen, machte ich dabei die Feststellung, dass es keinem Politiker und keiner Partei während dieser Wochen ausreichend gelungen war, sich wirklich über Inhalte auszutauschen. 

Adenauer auf der Bundesallee

Wofür steht denn nun die CDU oder die SPD, was wollen die Grünen ausser Umweltschutz noch und warum ist die FDP ihr schlimmster Alptraum? Für meine beiden Damen im Alter von sechzehn und vierzehn waren solche Fragen nur mit intensiver eigener Internetrecherche zu beantworten. Von Plakaten, Twitter, Facebook oder Fernsehtalks wurden sie nicht schlauer. Sie fanden die MLPD hier in der Region gut, weil am letzten Wochenende vor der Wahl in Solingen in der Fussgängerzone die MLPDler zum Stand der AfD hinübergegegangen waren und den AfDlern sehr engagiert ihre Meinung kund getan hatten, was damit endete, dass die Damen und Herren Kommunalpolitiker sich gegenseitig an der Krawatte hatten und von der Polizei getrennt werden mussten. Aber bei den anderen Parteien sah das anders aus. Frau Noll von der CDU verteilte auf Markt in Langenfeld Waffeln, die Piraten in Düsseldorf Luftballonsäbel und bei den Linken gab es Zuckerwatte. Greifbare Informationen gab es dagegen nicht.

Bar vor dem Alten Bundestag

War das anders, als ich zum ersten Mal zur Wahl gehen durfte? Ich bin in der Bonner Republik gross geworden, mein politisches Interesse begann mit der Auseinandersetzung um den NATO- Doppelbeschluss. Während der Bundestagsdebatte stand in einem Raum in unserer Schule ein Fernseher, auf dem den ganzen Tag die Live- Übertragung lief. In den Pausen oder in den Freistunden hockten wir uns davor und buhten CDU- Politiker aus. Ich kann mich noch an die Gründung der Grünen erinnern und die Kampagne "Die grüne Raupe kommt". Mein Mann war mit dem Moped auf einem Ostermarsch dabei, zumindest bis es ihm und seinem Freund zu langweilig wurde, weil die alle so langsam fuhren.

Wirklich elegante Wegrandbeleuchtung

Ich glaube, der Unterschied zwischen der Bonner und der Berliner Republik war der, dass wir uns die Informationen, die wir haben wollten, selbst zusammensuchen mussten, aber dafür von diesen unsinnigen Schlagworthäppchen, die uns heute minütlich um die Ohren fliegen, verschont blieben.

Bundesallee

Letztes Jahr war ich noch einmal in Bonn, als ich die Volleyballmädels vom Schiedsrichterlehrgang abholen musste. Da der Tag wegen der Fahrerei ohnehin im Eimer war, machte ich einen langen Spaziergang durch das alte Regierungsviertel. So richtig lebendig war das ja da nie, aber jetzt ist es endgültig tot. Teuer zwar, aber eben "toter als der Zentralfriedhof von Chicago", wie John LeCarré das so schön nannte. Ich war am Alten Wasserwerk, wo der Bundestag zusammenkommen musste während des Umbaus; den Behnisch- Bundestag habe ich mir angesehen, der ja dann schneller aufgegeben wurde, als seine Bauzeit betrug. Der gruselige Adenauer auf der Bundesallee steht auch noch da. Aber das meiste ist irgendwie neu, wobei sich der Zweck der Investition nicht immer auf den ersten Blick erschliesst. Irgendwie machte mich dieser Spaziergang melancholisch. Ich hatte das Gefühl, hier geht es nur noch um Archäologie.

Niegelnagelneues Parkhaus

Die Bonner Republik ist endgültig Geschichte, die Berliner Republik hat sie vollständig verdrängt. Ich glaube, deswegen ist es mir auch so schwer gefallen, den Mädels zu erklären, worum es den Parteien eigentlich geht. Denn sie haben sich mit verändert. Die FDP ist nicht mehr der Ort des bürgerlichen Liberalismus, die SPD vertritt keine Arbeiter mehr. Natürlich müssen sich Politiker mit den Gegebenheiten des Jetzt auseinandersetzen, es wäre nur wirklich schlecht, wenn sie dabei endgültig ihre Haltung verlieren würden. Haltung kommt nämlich niemals aus der Mode!

Vereinte Nationen, gläsernes Büro


Die Bilder sind an einem Winternachmittag mit der Canon Eos 5 d entstanden, das heisst, das Licht war eigentlich immer der Feind. Bearbeitet habe ich sie mit Photoshop Elements.



Samstag, 1. Juli 2017

Vom Zauber des Analogen

 

 

Als ich vor vielen Jahren (jetzt bitte nicht fragen, seit wie vielen!) ernsthaft mit der Fotografie begann, gab es noch keine digitalen Kameras. Nein, liebe Kinder, diese Zeit habe ich mir nicht ausgedacht, die gab es wirklich! Da ich wenig Geld hatte, konnte ich mir keine der damals aktuellen Spiegelreflexkameras mit Autofokus leisten, ich war auf den Gebrauchtmarkt angewiesen. Meine erste eigene Kamera war eine Canon AE-1 mit Blendenautomatik. Die Wechselobjektive konnte ich mir mit meinem Freund teilen, der auch eine Canon hatte. 


Da mir die Blendenautomatik nach einiger Zeit auf den Wecker ging, kratzte ich jeden Pfennig (!) zusammen und legte mir eine Canon F-1 zu, ein ehemaliges Profimodell. Die konnte Zeit- und Blendenautomatik, alles manuell ging sowieso. Mit diesem Schätzchen lernte ich fotografieren. Ich arbeitete hauptsächlich in Schwarzweiß, entwickelte die Filme selbst und machte eigene Abzüge. Das größte, was ich jemals selbst abzog, hatte ein Format von 50*70 cm. Ich mußte den Entwickler in einen Blumenkasten füllen und das Papier ständig darin hin und her rollen, die Wässerung machte ich in der Badwanne. Die F-1 habe ich heute noch.


Obwohl ich natürlich mittlerweile auch digital fotografiere, mag ich das Analoge immer noch. Ich besitze diverse Plastikkameras wie eine Diana F und eine Holga, eine Lomo LC-A; außerdem horte ich alte Fotoapparate, die in diversen Nachlässen auftauchen. Mein ganzer Stolz ist eine Mamiya-Mittelformatkamera, mit der ich richtig klassische Porträts meiner Familie aufgenommen habe. Alle haben eins gemeinsam: keine hat einen regulären Autofokus.

Wenn ich mit ihnen arbeite, dauert es eben einfach länger. Ich plane die Aufnahme anders als ich das mit dem Autofokus tue. Schnappschüsse mache ich entweder gar keine, oder ich nehme das wahrscheinlich Unscharfe bewußt in Kauf. Bei der F-1 weiß ich, dass ich eine Belichtungszeit von länger als 1/80 ohnehin nicht stabil halten kann, ich mich bei schlechten Lichtverhältnissen also vom Traum von knackiger Tiefenschärfe also verabschieden kann.

Dafür kann ich mit tollen Filmen experimentieren. Rotstichig, Türkis oder Violett mit passenden Fehlfarben dazu, körniges Schwarzweiß: einfach super! Diese Effekte sind mit digitaler Bildbearbeitung nicht zu erreichen. Ich zeige hier als Beispiel einen Film von Revolog. Die grünen Punkte sind auf dem Film schon vorhanden, je dunkler das Motiv ist, desto besser sieht man sie. Man weiß allerdings nicht, wo sie auftauchen werden und wie viele Punkte es pro Aufnahme sind. So etwas gibt es auch mit Regenbogen, die über das Foto laufen, oder kleine Elektroblitze in Rot oder Blau! Wie man auf den Bildern vielleicht sieht, versuche ich schon, eine gewisse Schärfe zu erreichen, aber das hat eben seine Grenzen.

Es ist eben eine ganz andere Art zu fotografieren.