Posts mit dem Label Sieg oder Niederlage werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sieg oder Niederlage werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 9. August 2025

Das lächelnde Monster

Am letzten Wochenende haben wir meine Tochter in Kiel besucht, die hier ein dreimonatiges Praktikum bei einem Radiosender macht. Bei unserem Stadtrundgang entdeckte ich zu meinem Erstaunen die Silhouetten von riesigen Kreuzfahrtschiffen über den Dächern der Innenstadt. So etwas hatte ich noch nie von nahem gesehen, also wollte ich unbedingt in den Hafen.

Als ich vor diesen schwimmenden Kleinstädten stand, war ich sprachlos. Dass solche Ungetüme sich überhaupt über Wasser halten konnten! Ich sah nur Decks über Decks, es nahm überhaupt kein Ende. Gestalterisch war das Ensemble so anspruchsvoll wie Köln Chorweiler, und es wirkte auch genauso ansprechend. Auf den Dächern konnte ich Hallenbäder mit Aussenrutschen erkennen, wie sie sich viele Kommunen mittlerweile nicht mehr leisten können. Meine Tochter erzählte, dass sie in ihrer Wohnung in Friedrichsort, das immerhin ca. 10 Kilometer vom Kieler Hafen entfernt liegt, bei geschlossenem Fenster die Sirenen der Kreuzfahtrschiffe hören kann. Abends machten wir ein Picknick am Falckensteiner Strand und konnten dort mehrere Schiffe beobachten, die durch die Kieler Förde ausliefen, unter anderem die AIDA Nova. Im Vergleich zu diesem ... ich nenne sie jetzt ein Schiff, auch wenn das irgendwie nicht die richtige Bezeichnung zu sein scheint,...sahen alle anderen Wasserfahrzeuge wie Spielzeuge aus. Es war in seiner Undimensioniertheit verstörend!

Zu Hause habe ich mich dann ein wenig belesen, weil mich das Thema nicht losliess. Die AIDA Nova zum Beispiel ist ca. 380 m lang und verfügt über ca. 2.600 Gästekabinen. Es gibt Theater (Mehrzahl), Kinos, Speisesäle, Shopping Malls und was man sonst so braucht, um mehr als 5.000 Menschen auf See bei Laune zu halten. Eine Kreuzfahrt in Richtung Nordsee kostet pro Person ca. 1.100 € in einer Innenkabine. Während dieser Woche enstehen für den Urlaub dieser Person ca. 1,9 to CO2, das entspricht dem Ausstoss, den die Person ein Jahr mit ihrem Auto verursachen würde. Die AIDA Nova wird im Gegensatz zu vielen älteren Schiffen mit Flüssiggas betrieben, hat aber einen zusätzlichen Dieselmotor für Notfälle oder Hafenaufenthalte. Seit 2021 werden auf ihr Brennstoffzellen getestet. In Häfen, die damit ausgestattet sind, kann sie den Betrieb mit Landstrom weiter fahren, also die Erhaltung von Licht, Gastronomie, Klimaanlagen etc. sicher stellen. Kiel, Hamburg und Rostock z.B. können Landstrom zur Verfügung stellen.

Das ist auch gut so. In Städten, in denen die Kreuzfahrtschiffe im Hafen mit dem laufenden Dieselmotor angelegen müssen, ist die Belastung der Luft mit Schwefeloxid extrem hoch. Hamburg und Kiel zählten jahrelang zu den Städten mit der schlechtesten Luft in Europa. Seit Venedig keine Kreuzfahrtschiffe mehr in seinen Hafen lässt, ist hier die Schwefeloxidbelastung um 80 % gesunken.

Aber nicht nur der Antrieb ist ein Problem. Ein Kreuzfahrtschiff verbraucht 1.000- 2.000 l Wasser am Tag. Dieses Wasser wird dem Meer entnommen, gefiltert und der Verwendung zugeführt. Das meiste Abwasser kann aufbereitet und wieder ins Meer geleitet werden. Aber Abwasser aus Duschen z.B. kann nicht aufbereitet werden und wird daher als Müll im Schiff gelagert. Da Lagerflächen in Schiffen knapp sind, wird das Wasser im nächsten Hafen entsorgt. Die Kreuzfahrtgesellschaft muss keine Rechenschaft darüber ablegen, wohin das Abwasser schlussendlich gelangt. Ähnliches gilt für anfallenden Müll, bis auf die Speisereste. Die meisten Kreuzfahrtschiffe bieten All-inclusive- Reisen an, was dazu führt, dass die Leute sich mehr auf den Teller schaufeln, als sie essen können. Die dadurch in großen Mengen enstehenden Lebensmittelabfälle werden geschreddert und dürfen ins Meer abgelassen werden. Was das für ein Ökosystem bedeutet, kann man sich leicht vorstellen.

Viele Kreuzfahrtschiffe werden "ausgeflaggt", was bedeutet, dass sie unter der Flagge von Statten wie Malta oder Liberia fahren. Das spart nicht nur Steuern, sonder hebelt auch Arbeitsschutzgesetze aus. Arbeitszeiten von 14 Stunden am Tag bei bescheidener Bezahlung sind keine Seltenheit. Wie man sieht, gibt es deutlich nachhaltigere Möglichkeiten zu verreisen. Trotzdem hat sich der Anteil von Kreuzfahrten am Tourismusaufkommen in den letzten drei Jahren verdoppelt.

Für mich ist die Kreuzfahrtindustrie eine vollkommen absurde Parallelwelt, da kann dieses Monster von Schiff noch so falsch lächeln. David Foster Wallace hat eine Kreuzfahrt in seinem Buch "Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich" sehr schön beschrieben. Der Text ist zwar schon älter, aber immer noch lesenwert.

Apropos Empfehlungen für Kreuzfahrtfeinde: Wer sich einen Begriff davon machen möchte, wie sich die Absurdität noch steigern kann, dem empfehle ich die Netflix- Doku "Trainwreck: The Poop Cruise". In 2013 fielen durch einen Brand im Maschinenraum auf einem amerikanischen Kreuzfahrtschiff nicht nur Licht und Klimaanlage aus, sondern auch die Toiletten waren nicht mehr benutzbar. Mehr als 4.000 Menschen mussten fünf Tage unter diesen Bedingungen ausharren, bis das Schiff in einen Hafen gezogen werden konnte. Was für eine hygienische Apokalypse!


  

Dienstag, 31. Dezember 2019


Auf Fortbildung sozusagen



Ich bin gerade wieder auf dem Klassiker- Trip, in der Hoffnung, von den großen Meistern zu lernen. Na ja!

Das hier ist meine Version von "Ludovico Gonzaga im Kreis seiner Familie" von Andrea Mantegna. Das Original ist ein Wandbild in der Größe von etwa 6,00 * 8,00 m und um 1470 entstanden. Es zeigt die Herrscherfamilie Gonzaga von Mantua. Der Herr im rosa Nachthemd ist der Kopf der Familie Domenico. Er lebte davon, seine Untertanen und sich selbst als Söldnerheer zu vermieten, entweder an die Venezianer oder die Mailänder, aber auf jeden Fall immer gegen die Florentiner. Da er im Grunde für seine Zeit ein friedlicher Herrscher war, kam er ganz gut zurecht und konnte sein kleines Herzogtum nicht nur über Wasser halten, sondern auch erstaunlich viel Geld in die Förderung der Künste stecken. Den Maler Andrea Mantegna bekniete er etwa drei Jahre lang, bis der sich endlich zu seinem Hofmaler machen ließ.
Die Frau in der Mitte ist seine Gattin, eine Wittelsbacherin namens Barbara von Brandenburg. Durch die Heirat mit ihr war jede Menge Geld nach Mantua gekommen, das unter anderem dazu verwendet wurde, die Sümpfe rund um die Stadt trockenzulegen. Wenn Domenico "geschäftlich" unterwegs war, führte Barbara das Herzogtum allein. Das hatte ihr der Mann in Schwarz hinter ihr beigebracht, der Hofbibliothekar und Lehrer Vittorino da Feltre. Er zunächst Erzieher von Domenico gewesen, später kümmerte er sich um die Bildung seiner Frau und seiner Kinder. Da Domenicos zweiter Sohn Francesco (links neben ihm) zu Gefräßigkeit neigte, setzte er ihn eisenhart auf Diät und ließ ihn Sport machen, was ein Beweis dafür ist, dass Pädagogen über die Jahrhunderte auch nichts wirklich Neues einfällt. Francesco brachte es immerhin zum Kardinal. Der junge Mann rechts von Vittorino ist der Thronerbe Frederico, der einen Buckel gehabt haben soll, was Mantengna natürlich nicht darstellte. Frederico verbrachte den größten Teil seines kurzen Lebens auf irgendwelchen Schlachtfeldern. Den von seinem Vater geerbten Titel Markgraf trug er nur sechs Jahre lang.
Überhaupt müssen die Gonzagas durch die Bank weg krank gewesen sein. Sie litten an Gicht, Malaria, schwerer Athritis und Rachitis. Die Mädchen ließen sich angeblich nicht verheiraten, weil sie so furchtbar aussahen und in dem Ruf standen, ihre Gebrechen weiterzuvererben. Der Mailänder Gian Galeazzo Sforza lehnte eine Susanna Gonzaga als Gattin ab, weil sich bei ihr eine beginnende Rückratverkrümmung zeigte. Das arme Mädchen mußte ins Kloster. Böse Zungen haben behauptet, die Zwergin in der Mitte des Bildes sei auch eine Tochter Domenicos gewesen; es ist aber wahrscheinlicher, dass sie auf dem Bild war, um den Reichtum der Familie darzustellen, denn der Besitz von Zwergen war zu dieser Zeit sehr en vogue.
Das Fresko Mantegnas befindet sich heute noch im Palast von Mantua, und die Gonzagas sehen alle gesund, reich und stolz darauf aus. 

Kunst muß ja nicht unbedingt die Realität abbilden. 

(Quelle: Rose-Marie & Rainer Hagen, Gesichter der Macht, Taschen 2018)

Dienstag, 24. September 2019


Heute

(bzw. vorgestern)



Am Sonntag war ich mit unserem Hund beim Hundeschwimmen im Freibad. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt: am Ende der Badedaison machen manche Freibäder noch ein- oder zweimal auf, damit wasserverrückte Hunde so richtig in den Pools toben können. Danach wird das Wasser für den Winter abgelassen; zum Beginn der neuen Saison im Frühjahr müssen die Becken ohnehin gründlich gereinigt werden.
Das ist genau das richtige für unsere alte Dame. Rosi war schon immer absolut jeck (=verrückt) auf Wasser. In diesem Jahr war es allerdings das erste Mal, dass sie ziemlich früh müde wurde. Sie wird eben 12 Jahre alt, da geht das alles nicht mehr so wie früher.
Aber dann fand sie im Gebüsch eine rote Gummiente! Irgendein anderer Hund hatte das Quietscheding liegen lassen. Rosi war begeistert und schleppte die neue Beute sofort zum Becken, damit wir mit ihr Apportieren spielen konnte. Womit sie nicht gerechnet hatte: absolut alle anderen Hunde standen genauso auf die Ente wie sie. Sobald die Ente ins Wasser klatschte, waren alle im Wasser und paddelten auf das Gummitier zu. Sie sahen aus wie Alligatoren, wenn etwas Leckeres in die Everglades gefallen ist.
Am Ende tauchte der rechtmäßige Besitzer der roten Gummiente auf und nahm sie zur Enttäuschung aller Hunde mit.
Es war übrigens eine Ver.di- Kampfente, was auch immer das jetzt heißen mag.

Samstag, 13. Juli 2019

Das Malheur beim Friseur

 

Ich habe schon ein paar Mal angedeutet, dass Haare schneiden für mich eine diffizile Angelegenheit ist. Ich habe ziemlich genaue Vorstellungen davon, wie der Schnitt aussehen soll, meine wilden Zeiten in der Experimentierküche von Farben und Formen sind definitiv vorbei.
Nun hat sich aber herausgestellt, dass die meisten Friseure aus irgendeinem mir nicht ersichtlichen Grund der Ansicht sind, sie müßten mir etwas anderes aufschwatzen. Dabei ist es ganz einfach: ich möchte die Haare gleichlang etwa auf Höhe der Ohrläppchen haben, was im Genick ist, soll bitte ganz kurz sein (das ergibt eine sichtbare Kante, das weiß ich) und ich mag meine in Ehren ergraute Haarfarbe. Ich will keine schnuckelige Blondine, keine rassige Rothaarige und auch keine adrette Brünette sein, Strähnchen möchte ich auch nicht. Klingt nicht schwer, finde ich.

 

Leider scheint es das aber doch zu sein. Immer wieder meint so ein/e Stylist/-in, da gehörten irgendwelche Stufen rein, damit die Haare weicher fallen oder was auch immer, und ich sehe nach zwei Wochen aus wie etwas Zerzaustes, das die Katze mit reingebracht hat. Oder es wird eine ordentliche Schräge hineingebracht, so dass ich Hundeohren habe. 
Bei meinem vorletzten Frieseurbesuch bin ich auf eine junge Dame gestoßen, der es egal war, ob mir meine Frisur schmeichelt oder nicht. Sie schnitt mir die Matte einfach ab, wie ich das wollte, und so waren die vermaledeiten Stufen, die mir ihre Vorgängerinnen auf den Kopf gehext hatten, beinahe raus. Priml, dachte ich mir, da gehe ich beim nächsten Mal wieder hin, danach sehe ich wieder so aus, wie ich mir das vorgestellt habe.
Und was war? Der Salon hatte den Besitzer gewechselt, die willfährige junge Dame war nicht mehr da. Aber der neue Chef nahm sich meiner an. Ich weiß noch genau, dass ich lediglich "Nachschneiden" verlangt habe. Der Friseur- nennen wir ihn bei seinem Namen, nämlich Mike-, begann, nachdem er mir die Haare gewaschen hatte, mit beiden Händen in meinem Haupthaar zu wühlen und dabei ein nachdenkliches Gesicht zu machen. Das hätte mich aufstören sollen, aber ich hatte die Brille nicht an, deswegen schätzte ich die Situation falsch ein. 

"Warst du beim letzten Mal auch hier?" fragte er.
"Ja."
"Und wer hat dir die Haare geschnitten?"
"Weiß nicht, nette junge Frau, hab den Namen vergessen."
"Hm."

Das Gewühle fing wieder von vorne an.

"Warst du zufrieden?" 
"Ja."
"Bist du mit dem Schnitt zurechtgekommen?"
"Alles prima."
"Hm."

Mike stellte das Wühlen ein und begann, mit der Schere zu klappern. Ich lehnte mich entspannt zurück, in dem naiven Wahn, die wichigen Fragen geklärt zu haben.
Tja, und was dann in Mikes Kopf vorgegangen ist, das kann ich nur erahnen. Er drehte mir die Haare oben auf dem Kopf zusammen wie bei Jon Schnee in den letzten Staffeln von Game of Thones und jagte beherzt die Schere hinein. Ich dachte noch, was für eine komische Methode, aber man weiß ja nie, wo die Burschen gelernt haben. Jedenfalls ging der Ehrgeiz mit Mike durch. Er schnipselte und schnapselte, wühlte und kämmte, und irgendwann föhnte er auch. Als ich meine Brille aufsetzte, traf mich beinahe der Schlag: Ich hatte wieder schmeichelhafte Stufen, und die Haare vorne, die kinnlang gewesen waren, gingen nun gerade bis zur Nase. Ich konnte sie noch nicht einmal mehr hinter die Ohren klemmen.
Wie gesagt, Mikes Gedankengänge finde ich jetzt noch rätselhaft. Die Kundin ist zufrieden mit ihrer Frisur? Ja super, da probiere ich doch mal was ganz anderes aus! Das wollen wir doch mal sehen, ob ich der Schrulle hier nicht den Glamour einer Tagesschausprecherin verleihen kann!
Auf jeden Fall war Mike stolz wie Bolle auf seine Leistung. Er sah mich an stolz wie ein Welpe, der den ersten Knochen seines Lebens gefunden hat. Eigentlich hätte ich ihn mit seiner Schere durch den Laden jagen sollen, aber wer tritt schon nach Welpen? Also nickte ich leicht benommen und bezahlte.

Klar, Haare wachsen wieder, aber ich muß mir schon wieder einen neuen Friseursalon suchen.
Vielleicht mache ich es aber auch wie Samson und lasse die Matte einfach wuchern.


Donnerstag, 30. Mai 2019


Roland Garros

 Ein Mal Grand Slam und zurück


(Man könnte einen Teil dieses Postes als Werbung auffassen, wenn man unbedingt will- muss man aber nicht.) 
 
Der beste Ehemann von allen ist nicht nur ein Sportler, er ist die erweiterte Form davon. Er liebt Tennis. Er spielt selber, ist Sportwart in einem winzigen Club, sieht sich Bundesliga- Spiele in Köln, Düsseldorf oder Neuss an, feuert seine Töchter bei ihren Spielen in der untersten Spielklasse das Damen an und sieht Tennismatches im Fernsehen so lange, bis der Flatscreen qualmt.
Als ich letztes Weihnachten wieder einmal vor der Frage stand, was ich ihm schenken sollte, hatte ich eine Eingebung wahrscheinlich göttlichen Ursprungs. Ich bestellte Karten für die French Open in Paris. Jetzt muß man dazu sagen, dass wir im Rheinland wohnen. Paris ist für uns in etwas mehr als fünf Stunden zu erreichen, also kein Vergleich zu London oder New York.


Schon allein Karten besorgen ist ein Abenteuer. Man kann sie vorab in der Regel nur über Ticketservices bestellen, denen man für eine Karte auf den freien Plätzen ungefähr 100 Euro überweist und dann hofft, dass es auch wirklich klappt. Die Plätze in den Stadien, in denen die Stars spielen, sind praktisch unerschwinglich. Etwa eine Woche vor Turnierbeginn bekommt man einen Voucher zugeschickt, den man an dem Tag, den man gebucht hat, im Stadion in eine Eintrittskarte eintauscht. Mit dieser Karte und dem Personalausweis kommt man endlich auf die Plätze. Uff!
Unsere Karten galten für den Eröffnungssonntag, deswegen wollten wir samstags nach Paris fahren, einmal übernachten und Sonntagabend wieder zurück. Erst haben wir überlegt, ein Hotel zu buchen, aber mein GöGa fand zufällig etwas wirklich Geniales:
Das Stadion Roland Garros liegt am Rand des Bois de Bolougne im 16ten arrondisément, und dort gibt es tatsächlich am Ufer der Seine einen Campingplatz. Der ist nicht nur toll gelegen, sondern auch richtig schön. Da ich ja Fuchs bin, reservierte ich einen Stellplatz für Wanda, unseren VW- Bus, weil ich mir dachte, der Platz würde voll werden. Das war aber nicht der Fall.
(Der Campingplatz heißt Camping de Paris und hat eine aussagekräftige Homepage. Ich kann ihn auch für Paris- Sightseeing empfehlen, die Anbindung an den ÖPNV ist hervorragend. Außerdem ist es abends schön ruhig, was nicht übel ist, wenn man den ganzen Tag durch die Stadt gelatscht ist. Zu teuer ist es auch nicht.)


Wir kamen Samstagmittag an, ließen Wanda auf dem Campingplatz und machten uns auf den Weg ins Städtchen. Paris ist schön, laut und voller Menschen. Was mir aufgefallen ist: Es scheint zur Zeit Mode zu sein, sich für Städtereisen in Schale zu werden (s. links unten). Das kann man natürlich machen, aber mir graust es bei der Vorstellung, auf hohen Hacken fünf Stunden herumzustöckeln!
Nach einer geruhsamen Nacht im Bus suchten wir uns einen legalen Parkplatz in der unmittelbaren Nähe von Roland Garros, was ziemlich einfach war. Allerdings waren wir auch früh dran; weil mein GöGa Angst vor endlosen Schlangen am Einlaß hatte. Es hielt sich aber in Grenzen, nach einer halben Stunde waren wir drin.
Die French Open sind einfach gnadenlos gut organisiert. Dafür stellen sie Unmengen an Personal ein: Sicherheitsleute, Reinigungspersonal, Betreuer für alles und jeden. Dazu kommen die Leute, die die Essensstände und die Boutiquen betreuen. Es sah so aus, als ob beinahe die Hälfte der Menschen einen Dauerausweis um den Hals hätte. Apropos Essen: Die Imbisstände sind astronomisch teuer, dafür ist das Angebot grauenhaft. Beinahe alle Besucher schleppten Taschen und Rucksäcke mit mitgebrachten Snacks und Getränken herum. Aus vielen Rucksäcken sah man Baguettes ragen, ich fand das lustig.



Die wahren Helden sind die Schiedsrichter und Balljungen und -mädchen. Es ist unglaublich anstrengend, was sie den ganzen Tag leisten, und nicht jeder Spieler dankt es ihnen. Gerade die Linienrichter bekommen eine Menge Launen ab, und Tennisprofis sind extrem launisch! Es ist zu warm, zu kalt, zu windig, da hinten hat einer gehustet, irgendwie ist der Platz nicht schön und außerdem ist schon wieder die Saite gerissen... Kann ja sein, dass es im wahren Leben richtig nette Menschen sind, aber während eines Matches kommt doch häufig der Mr. Hyde heraus. Der Spieler rechts oben ist Italiener. Er und sein Gegner, ein Spanier, lieferten sich über fünf Stunden ein Duell bis aufs Messer. Ich bin mir sicher, dass der Verlierer überlegt hat, wie teuer so ein Profikiller eigentlich ist, als er auf dem Weg in die Kabine war.
Trotz dieser Zickerei ist es natürlich richtig beeindruckender Sport, den man in Roland Garros zu sehen bekommt. Auf den Nebenplätzen trainieren häufig die Spitzenstars; da ist manchmal mehr los als bei den Matches, wenn Leute spielen, die keiner kennt. Ich habe Wawrinka und Zverev gesehen, die ihre Trainingspartner gnadenlos über den Platz jagten: das kann man schon sehen, warum sie so erfolgreich sind.



Mir hat es Spaß gemacht. Die zwei Tage in Paris waren wahnsinnig anstrengend, trotzdem hat es sich absolut gelohnt. Einen Sonnenbrand im Gesicht hatte ich auch.
Am Montag morgen war dann endlich meine Stunde gekommen, eine Spitzenleistung zu performen: ich bin aufgestanden und pünktlich zur Arbeit erschienen!

Dienstag, 2. April 2019

 

Ein sehr langes Jahr war das

Tagebuch führen im grünen Hobonichi


Ich habe vor zwei Jahren angefangen, ein Tagebuch zu führen (ich hab' das schon mal erzählt). Ich schreibe in einen Hobonichi Techo Planer, weil ich die Aufmachung und das Papier sehr gerne mag. Verschwenderischerweise habe ich mir in jedem Jahr einen neuen Planer gegönnt, eigentlich kann man das Buch innen auch einfach nur tauschen. Der erste war gelb, der von April 2018 bis März 2019 ist grün.
Als ich die Einträge noch einmal angesehen habe, ist mir wieder aufgefallen, dass ich ein mistiges Jahr hinter mich gebracht habe. Ich war viel krank, ich hatte wahnsinnig Ärger im Job, die beginnenden Wescheljahre machten mir das Leben zur Hölle. Mein Vater ist unerwartet verstorben, als ich im Urlaub war. Mein Schwiegervater fiel kurz vor Weihnachten mit 92 Jahren die Treppe herunter und wäre beinahe an den Kopfverletzungen gestorben.
Schön war, dass ich mich viel aufs Zeichnen konzentrieren konnte. Die Beziehung zu meinem Mann wackelte hin und her, aber sie hielt. Meine Töchter machen mich jeden Tag stolz, und der Hund ist trotz seines fortgeschrittenen Alters immer noch gesund. Darauf kann man doch aufbauen!
Aber schaut's Euch selbst an:

5./ 6. April: Urlaub in Garmisch- Partenkirchen
13./ 14. April: Hexenschuss und Gartenatelier
21-/ 22. April: Im Garten schuften/ Obstwanderweg
4./ 5. Mai: Neue Schuhe und der Hund im Wasser
22./ 23. Mai: Mit den Mädels unterwegs




8./ 9. Juni: Die Riesenhochzeitsfete
22./ 23. Juni: Homecoming un technische Probleme
15./ 16. Juli: Freizeit und Mode
27./ 28. Juli: Wetterphänomene
5./6. August: Die Tennismnnschaft eines Freundes und der müde Hund
29./ 30. September: Küchenrenovierung und das Motorradunfällchen
12./ 13. Oktober: Auf Reisen
22./ 23. Oktober: Nachdenken über das Alter
10./ 11. November: Fahrschule und Doofköppe
9./ 10. Dezember: Winterfreud und Winterleid
22./ 23. Januar: Prognosen und Ergebnisse
2./ 3. Februar: Was für ein Wochenende
5./ 6. März: Offizielles und Privates
9./ 10. März: Stromausfall und Photoweekend
29./ 30. März: Sachen gibt's und wahre Helden

Es kann also nur besser werden. Das halte ich im nächsten Hobonichi fest: dem Blauen!




Verlinkt mit: CreaDienstag

Freitag, 20. April 2018

James Romm

Seneca und der Tyrann

 


Zunächst eine "Warnung": wer sich überhaupt nicht für Geschichte interessiert, der sollte jetzt oben links auf "Nächster Blog" klicken. Wer allerdings Geschichtsbücher, "Gladiator" und die Römer mag, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens an Herz legen. Das Werk hier ist meiner Ansicht nach locker als Strandlektüre geeignet.
Es geht um den stoizistischen Philosophen Seneca und seine Beziehung zu Kaiser Nero (bekannt aus Funk und Fernsehen als der Brandstifter Roms, gründlicher Christenverfolger und verkannter Dichter). Seneca war nicht nur einer der einflußreichsten Denker seiner Zeit, Schriftsteller und Dramaturg, er war auch Politiker. Schon unter Neros Vorgängern Caligula (der ein Pferd zum Senator machen wollte) und Claudius war er Mitglied des Senats. Während der ununterbrochenen Machtkämpfe der verschiedenen kaiserlichen Familienmitglieder geriet er in die Schusslinie zwischen Claudius Frau Messalina und den beiden Töchtern des Kaisers Germanicus Livilla und Agrippina, die einen stärkeren Anspruch auf die Thronfolge hatten als Claudius selbst. Also bezichtigte Messalina Livilla, ein Verhältnis mit Seneca zu haben. Als Folge davon wurden sowohl Livilla als auch Seneca verbannt, die Kaisertochter fiel in ihrem Exil einem Mord zum Opfer. Seneca dagegen verlor lediglich sein halbes Vermögen und richtete sich notgedrungen auf Korsika auf ein Leben als Philosoph und Sternbeobachter ein.
Damit hätte die Geschichte beendet sein können. Aber Seneca war für jemanden, der in seinen Schriften die Genügsamkeit lobte, irritierend ehrgeizig, und Agrippina gelang es, Claudius zur Adoption ihres Sohnes Domitius zu bewegen, obwohl er bereits mit Britannicus ein eigenes Kind hatte. Weil Domitius älter als Britannicus war, wurde er zum designierten Kaiser. Man änderte flugs seinen Namen in Nero Claudius Cäsar Brutus Germanicus und verheiratete ihn mit Octavia, einer Nachfahrin des großen Augustus. Was jetzt noch fehlte, war ein namhafter Erzieher und Ratgeber: so kam Seneca ins Spiel.
Und von da an ging es richtig zur Sache. Agrippina ließ Claudius vergiften (Pilze), Nero wurde durch einen Staatsstreich mit 17 Jahren Kaiser. Unterstützung erhielt von seiner Mutter, seinem Philosophen Seneca und dem Chef der Prätorianer namens Burrus. Trotzdem ließ er seinerseits den armen 13jährigen Britannicus vergiften, denn bekanntermaßen ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste. 
So weit, so gut: aber es gab Ärger im Paradies. Nero und seine junge Frau kamen nicht miteinander aus, er verliebte sich statt dessen in eine Sklavin namens Acte. Da Agrippina auf jeden Fall einen Nachfolger Neros brauchte, versuchte sie, das Verhältnis zu beenden. Wie jeden anderen Teenager der Welt brachte das den Kaiser auf die Palme, zumal Agrippina ebenfalls an seiner anderen Liebe herumnörgelte: Nero sah sich als Künstler. Er nahm Schauspiel- und Gesangsunterricht, sein Traum war es, auf der Bühne zu stehen. Das Verhältnis zu Agrippina, der gefährlichsten Frau des Imperiums, stand auf der Kippe.
Seneca und Burrus regierten in der Zeit für ihn, denn dass Nero kein Talent zum Kaiser hatte, war sonnenklar. Also liessen der Philosoph und der Prätorianer sich auf den Eiertanz mit dem Senat und dem römischen Volk ein und versuchten gleichzeitig zu verhindern, dass Kaiser und Kaisermutter die Staatsfinanzen ruinierten. Und hier kommt die für Seneca-Fans peinliche Frage: was trieb diesen Intellektuellen dazu, sich auf die mörderischen Machtspiele einzulassen und dabei auch noch derartig unerverschämt reich zu werden, dass es sogar seinen Zeitgenossen sauer aufstieß? War es Ehrgeiz, war es Habgier, war es Geltungssucht oder war es Angst? Er hatte sich mit den verrücktesten Herrschern eingelassen, die Rom je gesehen hatte; ein Rückzug wäre ab einem gewissen Punkt nicht mehr möglich gewesen. Seneca kommt trotzdem in der Nachbetrachtung römischer Historiker wie z.B. Tacitus gar nicht gut weg. Auch heute könnte einem beim Vergleich von Leben und Werk der Gedanke kommen, es habe zwei Seneca gegeben, so widersprüchlich sind seine Handlungen.
Zu Beginn von Neros Kaisertum hatte Seneca geschrieben, der junge Mann habe hervorragende Anlagen und ein gutes Herz. Nachdem dieser drei Mordanschläge auf seine Mutter verübt hatte und der vierte schließlich gelang, da er schon wieder eine neue Frau gefunden hatte, die ihr nicht gefiel (Sabina Poppea) und anschliessend seine Frau ermorden ließ, um eben diese Poppea zu heiraten, konnte niemand dieser Behauptung ernsthaft mehr Glauben schenken. Nero veranstaltete in der Folge Orgien, beseitigte seine gesamte Verwandtschaft, trat öffentlich als Sänger auf: kurz gesagt, er tat alles was in seinen Kräften stand, um sich selbst als Kaiser zu diskreditieren. 
Seneca und Burrus blieben erstaunlich lange dabei. Burrus verstarb auf natürliche Weise (Krebs), Seneca wurde erst mit beinahe siebzig in eine Verschwörung verwickelt und mußte sich das Leben nehmen. Nero überlebte ihn um drei Jahre (ob man's glaubt oder nicht, er war gar nicht in Rom, sondern mit seinem Soloprogramm auf Tournee), dann wurde es den Römern zu bunt. Auch er war gezwungen, Selbstmord zu begehen.
Das alles ist in diesem Buch beschrieben wie in einer Soap. Der Autor James Romm, ein College- Professor aus New York, hat seine reine Freude daran, ein Mordkomplott nach dem anderen vor seinen Lesern auszubreiten. Außerdem kommt der Brand Roms vor, ein erster Ausbruch des Vesuvs, ein bißchen Christenverfolgung, ein Aufstand in Britannien und sehr viel Korruption. Natürlich befasst er sich in erster Linie mit der Verführbarkeit durch Macht und Reichtum, und man kann das alles als eine Parabel auf  die moralischen Verhältnisse in der Politik lesen, aber ach was! 
Romm schreibt über Geschichte schwungvoll und unterhaltsam, das macht Spass. Außerdem kann man nach der Lektüre mit unnützem Wissen über Mordmethoden im alten Rom punkten, wenn einem bei Tisch der Gesprächsstoff ausgeht. ("Wußten Sie eigentlich, dass Neros persönliche Giftmischerin Locusta hieß?").
Also keine Angst vor Geschichtsbüchern: manchmal sind sie viel besser als ihr Ruf!

James Romm
Seneca und der Tyrann
Die Kunst des Mordens an Neros Hof
Verlag C.H. Beck
München 2018
ISBN 978 3 406 71876 2 

Dienstag, 6. Februar 2018

Wiedersehen macht Freude

 

Irgendwie isses ja komisch: der Mensch verändert seine Gewohnheiten nicht gerne und je älter man wird, desto schlimmer entwickelt sich das.
Ich weiß natürlich, dass die MMM- Sache viel Arbeit und Schererei ist (umso schöner, dass es überhaupt jemand macht), aber ich vermisse meine wöchentliche Kleiderschau. Außerdem habe ich bei mir beobachtet, dass ich gar nicht weiß, was ich alles schreiben soll, weil ich dies und das zu erzählen habe... und ich könnte ja noch... sonst muss das bis nächsten Monat warten und...
Also schön, halte ich mich an das, was bei meinen Schwiegereltern immer auf einem Holzbrettchen neben dem Telefon hing:"Fasse Dich kurz!"

Mit Strickjacke und Mütze (ich muss dringend zum Friseur)

Ich habe mir zum Beispiel noch ein RosaPe Kleid No. 1 genäht, im Prinzip so, wie ich das schon einmal gemacht habe. Eigentlich wollte ich den grauen Stoff mit dem Wasserschadengeruch verwursten, aber ich bekam Zweifel, ob das nicht wie ein Büßerhemd aussehen würde. Am Schnitt mußte nichts geändert werden; ich habe es zwar 1 cm länger gelassen als das erste, gebracht hat das aber keinen sichtbaren Effekt. Der Stoff ist von Swafing nach einem Design von Jolijou, den ich im örtlichen Stoffladen gekauft habe. Ich fand das Muster mit den kleinen Dalapferden einfach hübsch. 

Ohne Strickjacke, so sieht man es besser!

Wenn man an so einem einfachen Kleid mit langen Seitennähten vor sich hin näht, hat man ja Zeit. Ich guckte auf meinen Stoff herunter und fragte mich: was sind Dalapferde eigentlich? Wieso Pferde? Und was machen die auf meinem Kleid?


Für solche existentiellen Fragen ist das Internet erfunden worden. Wikipedia behauptet, Dalapferde seien ein Symbol für Schweden. (Na ja, da fallen mir aber noch andere Sachen ein, Köttbullar beispielsweise!) Sie kommen aus der Gegend Dalarna, als Vorbild dienten handgemachte Holzspielzeuge der bäuerlichen Bevölkerung, die im Winter hergestellt wurden. Da stellt man sich doch den Vater vom Michel aus Lönneberga vor, der vor dem Kamin ein Pferdchen für Klein- Ida schnitzt.
Die ursprüngliche Bemalung in Rot mit Blumenmotiven in Grün und Weiß wird Kurbitsmalerei genannt, was übersetzt Kürbismalerei heißt. Damit bezeichnet man eine traditionelle Bauernmalerei, die florale Muster mit religiösen Motiven verbindet. Kürbis ist im Hebräischen dasselbe wie Baum oder Busch, was mir nicht ganz einleuchtet: gab es in Palästina keine Kürbisse? Müsste ich mal googeln! Jedenfalls kann man so einen Bezug zum Buch Jona herstellen. Da läßt Gott einen Rizinus- Busch wachsen, um dem armen Propheten Schatten zu spenden. 
 Wo war ich jetzt?
Ah ja, Dalapferde!

Sehen wirklich hübsch auf Stoffen aus!
Solche Gedanken kommen mir, wenn ich mir ein Kleid nähe.
Kein Wunder, dass ich immer so lange brauche! 


Apropos lange brauchen: ich habe auch was gestrickt! Einen schönen langen, breiten roten Schal im doppelten Perlmuster habe ich fertig. Er hat sogar Fransen. Seitdem ich Audrey Tautou in "Zusammen ist man weniger allein" mit so einem Schal gesehen habe, bin ich davon besessen. Amy Pond  in "Dr. Who" trägt ebenfalls einen. Ich bin total stolz, weil ich das gute Stück auch beendet habe. In der Regel produziere ich aus Wolle nämlich Halbfertiges. 
Deswegen traue ich mich auch nicht, am Frühlingsjäckchen-Knitalong teilzunehmen: das ist so peinlich, wenn ich öffentlich Wolle kaufe und die tollsten Versprechungen mache, die ich niemals einlösen werde! Man läßt nun einmal nicht gerne vor den Augen der bloggenden Welt die Hosen herunter.
Zur Zeit mühe ich mich mit Socken ab. Eine davon ist fertig, aber auf die andere werden meine Füße wohl bis nächstes Jahr warten müssen. Da Nadelspiele und ich so gut miteinander auskommen wie Trump und der Diktator von Nordkorea (der Kim Soundso heißt, aber ich habe vergessen, wie genau... das könnte ich mal im Internet nachsehen!) werde ich eventuell auch erst im drauffolgenden Jahr fertig. Vielleicht würde es helfen, wenn ich auf Wikipedia irgendeinen abseitigen Sockenbeitrag finden würde... hm!

Bisher hat es nur ein Fuß schön warm.

Was ich aber eigentlich sagen wollte: ich freue mich, mir heute schicke Frauen und Männer in interessanter Kleidung ansehen zu können- ohne Werbung! Das ist wie Filme gucken im Öffentlich- Rechtlichen (oder bei Sky, nur nicht so teuer!).

Zum Schluss noch einen Out-Take: Mein Handy tut da gerade nicht, was ich gerne möchte. Man sollte ja meinen, wenn man einen Monat Zeit hat, einen Post vorzubereiten, könnte man ausnahmsweise vernünftige Fotos machen. Wie gesagt: KÖNNTE!


Dienstag, 5. September 2017

Der glücklichste Moment dieses Sommers


Bretonischer Vorgarten


Wenn die Sommerferien beginnen, bin ich immer so euphorisch. Das ist eigentlich Unsinn, denn schließlich haben meine Töchter über sechs Wochen frei und nicht ich. Trotzdem breitet sich in mir so ein relaxtes karibikartiges Feeling aus, das ist bestimmt irgendwie psychologisch zu erklären (Freiwillige vor!) Außerdem wollten wir in diesem Jahr zwei Wochen in die Bretagne fahren, das war noch ein weiterer Grund zur Vorfreude.
Als Bretagnebesucher ist man praktisch gezwungen, Streifenshirts zu tragen. Also dachte ich mir, nähe ich doch zur Abwechslung eins. Ich wühlte mich durch die weite Welt des WWW, wo ich das Mandy Boat Tee entdeckte, das nicht nur mit einem schönen U-Boot- Ausschnitt, halblangen Ärmeln und einem lässigen Sitz punkten konnte: es war auch noch umsonst. Hah, da jubelte mein innerer Sparfuchs! Was ich am Schnitt zu sparen gedachte, wollte ich beim Stoff wieder drauflegen. Und weil ich für Optimismus nur eine Farbe kenne, nämlich ROSA, erwarb ich einen hübschen Jersey in Hellrosa mit feinen roten Streifen.

Rosa Inspirationen

Am nächsten freien Sonntag machte ich mich ans Werk. Beim Zuschnitt kam ich ein bißchen ins Grübeln, das war schon ziemlich viel Shirt! Doch ich glaube ja beim Nähen unterbewußt immer, dass ich keine Ahnung habe, deswegen werkelte ich unverdrossen weiter. Aber die Anprobe des fertigen Shirts war der Brüller: ich sah aus wie eine Figur aus dem Triadischen Ballett von Oskar Schlemmer. Die Ärmel waren eng wie geplant, aber Vorder- und Rückenteil waren viel zu weit. Ich war sehr geometrisch.  Ehrlich, wenn der Jersey nicht so teuer gewesen wäre, hätte ich das Ding direkt entsorgt.




Eigentlich hätte ich von selbst darauf kommen können, wo der Fehler liegt. Ich habe das oben mal illustriert. Wenn man so wie ich eher "fraulich" konstruiert ist (so ein Ausdruck meiner Omma, den ich vor dem Aussterben zu bewahren gedenke, so nett finde ich ihn)  und man etwas sehr Weites aus einem Stoff macht, der nicht vollkommen fliessend ist, steht das Kleidungsstück über den am stärksten hervortretendsten Punkten ab: vorne sind es die Brustspitzen, hinten ist es die Wölbung an den Schulterblättern. Das ergibt eine zeltartige Form, die -vorsichtig formuliert- nicht unbedingt jedem steht. Tja, das mußte ich ändern. Ich schnitt links und rechts 4 cm weg und rundete den Übergang zu den Ärmeln ab, in der Hoffnung, dass das alles so passen würde. Ich habe das Shirt also insgesamt um 16 cm schmaler gemacht, das ist mal eine Ansage! Ich hatte Glück, es funktionierte. Ich hatte mein Urlaubs- Optimismus- Streifenshirt für die Bretagne.


Aber dann ging alles schief. In unserer Firma jagte eine Katastrophe die nächste, die Wohnung, die wir renovieren mussten, wurde nicht fertig und meinem armen Mann splitterte ein Stück vom Meniskus ab. Ich wußte noch nicht einmal, dass Menikusse (oder Meniski?) so etwas Fieses überhaupt tun. Schweren Herzens mußte ich mit den Mädels alleine nach Frankreich fahren. Es war sehr schön in der Bretagne, ich habe darüber ausführlich geschrieben (wer es nachlesen mag, findet das hier). Wir hatten allerdings weder WLAN noch zuverlässigen Empfang, deswegen war es schwieriger als sonst, sich daheim zu melden. 

Und damit komme ich zum glücklichsten Moment des Sommers: als ich nach zwei Wochen zu Hause ankam, konnte endlich wieder meinen Mann küssen!

Schnitt: Mandy Boat Tee
Stoff: bei Karstadt in Köln gekauft

Montag, 5. Juni 2017

Shirt Stories:

Ich bin eine Rainbowflag!


Zur Zeit tut hier das Frühjahr so, als ob es der Sommer wäre. Das führt dazu, dass ich 1. das Gefühl habe, ich hätte keine T- Shirts mehr, und 2. dass ich im Bezug auf Farben richtiggehend verwegen werde. 
Zu Punkt 1: das ist totaler Kokolores. Ich kriege praktisch den Schrank nicht mehr zu, weil da überall schwarze, schwarzweißgestreifte, hellgraue, mittelgraue, steingraue, dunkelgraue und anthrazitfarbene Shirts herumliegen. Ach so, und eins in Pink, aber das liegt ganz hinten.
Punkt 2 verführte mich letztens im Stoffladen meines Vertrauens zum Kauf eines - tadaaa! - regenbogenbuntgestreiften Jerseys. Der Stoff hätte es beinahe nicht bis in die Einkauftüte geschafft, denn er war tatsächlich falsch herum aufgewickelt, total verzogen und auf dem ersten Meter ziemlich verschmutzt. Die Verkäuferin musste schon ziemlich kämpfen, um ein ordentliches Stück zu finden. Als ich den Stoff nach dem Waschen daheim draussen zum Trocknen aufhängte, fiel er zwei Mal von der Leine. Irgendwie kam es mir vor wie in einem Film, den ich einmal gesehen habe. Da kauft der Held ein Haus, in das gerade ein Flugzeug gekracht ist, weil das statistisch gesehen jetzt nicht noch einmal passieren kann. Dieser bestechenden Logik folgend war für mich klar: Ich steuerte auf ein Super- T- Shirt zu.

Das sagt ja wohl alles!

Als ich mit dem Nähen anfing, hatte ich nach dem Schnitt einer Ottobre ein schwarzes Shirt zusammengeschustert, das so dermaßen schlecht genäht war, dass ich es nie in der Öffentlichkeit tragen wollte. Dabei war der Schnitt prima. Was lag also näher, als den Keller auf Links zu drehen und nach diesem Schnitt zu fahnden. Den fand ich auch, aber die Anleitung nicht mehr. Ach was, dachte ich, ich bin doch jetzt ein echter Profi, die brauche ich nicht!

Bunt, bunter, am buntesten!

Wie das Sprichwort sagt: Hochmut kommt vor dem Fall. Was habe ich mich mit dem Ding abgemüht! Zwei doofe Schnitteile, ein bisschen Bund am Hals und an den Armen, das kann so dermaßen schwer werden! Ich habe daran herumgeschnippelt und geschnappelt, weil das hier nicht paßte und da schief war, eigentlich war es Arbeiten am 1:1- Modell. Jetzt ist es ein wenig kürzer, als ich mir das vorgestellt habe, paßt aber. Das Super- Shirt ist es wohl nicht; ich muss in aller Demut bekennen, dass ich immer noch kein Nähprofi bin, und ich habe jetzt ein Kleidungsstück, in dem ich aussehe, als ob ich an Einhörner glaube.

Sommerfeeling

Aber hey, es ist Sommer! Zeit für Seifenblasen, Flippflopps, Freibäder, Eis am Stiel, bunte Bändchen um die Fussgelenke und eben etwas alberne Klamotten! Ich liebe es!