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Dienstag, 6. Februar 2018

Wiedersehen macht Freude

 

Irgendwie isses ja komisch: der Mensch verändert seine Gewohnheiten nicht gerne und je älter man wird, desto schlimmer entwickelt sich das.
Ich weiß natürlich, dass die MMM- Sache viel Arbeit und Schererei ist (umso schöner, dass es überhaupt jemand macht), aber ich vermisse meine wöchentliche Kleiderschau. Außerdem habe ich bei mir beobachtet, dass ich gar nicht weiß, was ich alles schreiben soll, weil ich dies und das zu erzählen habe... und ich könnte ja noch... sonst muss das bis nächsten Monat warten und...
Also schön, halte ich mich an das, was bei meinen Schwiegereltern immer auf einem Holzbrettchen neben dem Telefon hing:"Fasse Dich kurz!"

Mit Strickjacke und Mütze (ich muss dringend zum Friseur)

Ich habe mir zum Beispiel noch ein RosaPe Kleid No. 1 genäht, im Prinzip so, wie ich das schon einmal gemacht habe. Eigentlich wollte ich den grauen Stoff mit dem Wasserschadengeruch verwursten, aber ich bekam Zweifel, ob das nicht wie ein Büßerhemd aussehen würde. Am Schnitt mußte nichts geändert werden; ich habe es zwar 1 cm länger gelassen als das erste, gebracht hat das aber keinen sichtbaren Effekt. Der Stoff ist von Swafing nach einem Design von Jolijou, den ich im örtlichen Stoffladen gekauft habe. Ich fand das Muster mit den kleinen Dalapferden einfach hübsch. 

Ohne Strickjacke, so sieht man es besser!

Wenn man an so einem einfachen Kleid mit langen Seitennähten vor sich hin näht, hat man ja Zeit. Ich guckte auf meinen Stoff herunter und fragte mich: was sind Dalapferde eigentlich? Wieso Pferde? Und was machen die auf meinem Kleid?


Für solche existentiellen Fragen ist das Internet erfunden worden. Wikipedia behauptet, Dalapferde seien ein Symbol für Schweden. (Na ja, da fallen mir aber noch andere Sachen ein, Köttbullar beispielsweise!) Sie kommen aus der Gegend Dalarna, als Vorbild dienten handgemachte Holzspielzeuge der bäuerlichen Bevölkerung, die im Winter hergestellt wurden. Da stellt man sich doch den Vater vom Michel aus Lönneberga vor, der vor dem Kamin ein Pferdchen für Klein- Ida schnitzt.
Die ursprüngliche Bemalung in Rot mit Blumenmotiven in Grün und Weiß wird Kurbitsmalerei genannt, was übersetzt Kürbismalerei heißt. Damit bezeichnet man eine traditionelle Bauernmalerei, die florale Muster mit religiösen Motiven verbindet. Kürbis ist im Hebräischen dasselbe wie Baum oder Busch, was mir nicht ganz einleuchtet: gab es in Palästina keine Kürbisse? Müsste ich mal googeln! Jedenfalls kann man so einen Bezug zum Buch Jona herstellen. Da läßt Gott einen Rizinus- Busch wachsen, um dem armen Propheten Schatten zu spenden. 
 Wo war ich jetzt?
Ah ja, Dalapferde!

Sehen wirklich hübsch auf Stoffen aus!
Solche Gedanken kommen mir, wenn ich mir ein Kleid nähe.
Kein Wunder, dass ich immer so lange brauche! 


Apropos lange brauchen: ich habe auch was gestrickt! Einen schönen langen, breiten roten Schal im doppelten Perlmuster habe ich fertig. Er hat sogar Fransen. Seitdem ich Audrey Tautou in "Zusammen ist man weniger allein" mit so einem Schal gesehen habe, bin ich davon besessen. Amy Pond  in "Dr. Who" trägt ebenfalls einen. Ich bin total stolz, weil ich das gute Stück auch beendet habe. In der Regel produziere ich aus Wolle nämlich Halbfertiges. 
Deswegen traue ich mich auch nicht, am Frühlingsjäckchen-Knitalong teilzunehmen: das ist so peinlich, wenn ich öffentlich Wolle kaufe und die tollsten Versprechungen mache, die ich niemals einlösen werde! Man läßt nun einmal nicht gerne vor den Augen der bloggenden Welt die Hosen herunter.
Zur Zeit mühe ich mich mit Socken ab. Eine davon ist fertig, aber auf die andere werden meine Füße wohl bis nächstes Jahr warten müssen. Da Nadelspiele und ich so gut miteinander auskommen wie Trump und der Diktator von Nordkorea (der Kim Soundso heißt, aber ich habe vergessen, wie genau... das könnte ich mal im Internet nachsehen!) werde ich eventuell auch erst im drauffolgenden Jahr fertig. Vielleicht würde es helfen, wenn ich auf Wikipedia irgendeinen abseitigen Sockenbeitrag finden würde... hm!

Bisher hat es nur ein Fuß schön warm.

Was ich aber eigentlich sagen wollte: ich freue mich, mir heute schicke Frauen und Männer in interessanter Kleidung ansehen zu können- ohne Werbung! Das ist wie Filme gucken im Öffentlich- Rechtlichen (oder bei Sky, nur nicht so teuer!).

Zum Schluss noch einen Out-Take: Mein Handy tut da gerade nicht, was ich gerne möchte. Man sollte ja meinen, wenn man einen Monat Zeit hat, einen Post vorzubereiten, könnte man ausnahmsweise vernünftige Fotos machen. Wie gesagt: KÖNNTE!


Dienstag, 5. Dezember 2017

Auf der Suche nach dem Haar in der Suppe


Ich glaube, ich bin ein schrecklicher Mensch. 
So, jetzt ist es raus!
Ich muß erklären, warum ich das von mir glaube: ich bin nämlich dauernd mit irgendetwas unzufrieden und ich habe immer etwas zu Nörgeln.
Kennt Ihr noch die Geschichte von Paul Watzlawick "Anleitung zum Unglücklichsein"? Da braucht jemand einen Hammer, um ein Bild aufzuhängen, hat aber keinen da. Also überlegt er sich, ob er nicht seinen Nachbarn fragen soll, denn der könnte ihm vielleicht seinen Hammer leihen. Aber dann kommt er ins Grübeln: der Nachbar könnte keinen Hammer haben, oder ihn nicht verleihen wollen, er könnte sich insgeheim über die Handwerkskünste des Mannes lustig machen, er könnte ihn für einen Schnorrer halten oder ihm den Hammer nur aus Mitleid geben usw. usw. Zum Schluss geht der Mann hinüber zum Nachbarn, klingelt, und als der ihm öffnet, schreit der Mann ihn an: "Behalt doch deinen Scheiß- Hammer!"
So bin ich manchmal auch.

Kleid Nr. 1 seriös (ich könnte auch mal die Hände aus den Taschen nehmen!)

Ein Beispiel:
Vor kurzem habe ich das Kleid Nr. 1 von Rosa Pe. gesehen. Ich war sofort begeistert, denn das ist genau der Schnitt, der mir gefällt. A- Linie, 3/4- Ärmel, runder Ausschnitt, Länge okay. Im Shop gibt es ihn nicht als PDF, sondern als Papierschnitt. Ich liebe Papierschnitte, und ich verabscheue die PDF- Kleberei zutiefst. Also habe ich mir den Schnitt bestellt und einen Tag später war er da. Einfach so, pünktlich mit der Post!
Parallel, weil ich für Stoffgeschäftbesuche zu wenig Zeit hatte, stöberte ich im Internet nach passendem Material. Nach einer halben Stunde wurde ich im Stoffbüro fündig. Blauer Sommersweat mit weißen Streifen, der Preis war auch in Ordnung. Auch der Stoff wurde bestellt und einen Tag später war er da. Liebevoll verpackt, gerade abgeschnitten, nix verzogen. Das blieb auch nach dem Waschen so.


Da ich eben wenig Zeit hatte, dachte ich mir, das Nähen wird wahrscheinlich ewig dauern. Ja, Pustekuchen! Am folgenden Wochenende regnete es, so dass wir nicht wie geplant im Garten arbeiten konnten. Vorsichtig sichtete ich meine Nähgarne und siehe da: ich hatte noch genug in genau dem Blau, das ich brauchte.
Ich machte mich ans Werk, und was soll ich sagen: Alles klappte wie am Schnürchen. Es war geradezu unheimlich. Ich hatte genug Stoff, das Nähgarn reichte, ich werkelte vor mich hin und ich wurde ziemlich flott fertig. Dann kam der große Moment des Anprobierens. Ich mußte nichts, aber auch gar nichts ändern. Das Kleid sah super aus! Sogar die Streifen passen weitestgehend übereinander an den Nähten.
Ich konnte es drehen und wenden, wie ich wollte: das war perfekt gelaufen. Ich war so gründlich irritiert, dass ich das Kleid erst einmal gar nicht anziehen konnte! Da mußte doch irgendwo ein Haken sein!

Kleid Nr. 1 unseriös (ich mache immer Faxen beim Fotografieren, weil finde, dass ich dämlich aussehe!)

Ich bin wirklich ein schrecklicher Mensch. Ich habe ernsthaft ein bißchen Zeit gebraucht, um mich über diesen Bombenerfolg zu freuen, das muß man sich mal vorstellen.
Jetzt allerdings liebe ich mein Kleid heiß und innig. Es wird angezogen, gewaschen, angezogen, gewaschen, angezogen... der Stoff bleicht übrigens kaum aus, ist das zu glauben?!

Ich nähe jetzt noch eins nach diesem Schnitt, aus einem grauen French Terry, der irgendwie vor dem Waschen nach Wasserschaden roch, was mir im Laden nicht aufgefallen ist.
Da geht bestimmt was daneben!
(Dann auch passend zum Mottotag beim MMM!)




Dienstag, 24. Oktober 2017

Die Sache mit der Unentschlossenheit


Wenn ich mir etwas nähe, gibt es zwei Vorgehensweisen:
1. Ich sehe ein Teil in einer Zeitung, einem Blog usw., weiß glasklar, dass dieses Kleidungsstück mein Leben verändern wird, besorge mir die passenden Materialien und nähe wie besessen darauf los; oder
2. mir läuft ein Stoff über den Weg, ich denke "och wie nett, ich könnte da bestimmt was Schönes draus machen", kaufe ein Stück davon und lege es irgendwohin.
Im ersten Fall wird eigentlich immer etwas daraus, meist trage ich solche Sachen auch wirklich gerne und lange. 


Geht es mir aber wie im zweiten Fall, dann kann das eine sehr zähe Angelegenheit werden. Neulich im Sommer ist mir mal wieder genau das passiert. 
Bei uns auf dem Markt gibt einen Händler, der verkauft Stoffcoupons aus Jersey und Sweat. Das Angebot richtet sich hauptsächlich an junge Mütter, die hübsche Shirts oder Hosen für ihre Kleinen nähen wollen, meist sind die Muster nichts für mich. 
Ich bummelte also entspannt im Sonnenschein mit einem hervorragenden Latte Macchiato in der Hand und einem gefüllten Gemüsekorb auf dem Markt herum, als mir ein grauer Sweat mit türkisfarbenen Sternchen ins Auge fiel. Ich dachte "och wie nett, da könnte ich bestimmt was Schönes draus machen", und weil der Coupon 1,00 *1,60 m maß, war ich optimistisch, eine passende Verwendung dafür zu finden.
Zu Hause befielen mich Zweifel. Waren das nicht doch ein bißchen zu viele Sternchen? Grau macht ja auch graue Haare, vor allem im Winter, wenn man so blaß ist. Ich legte den Stoff erst einmal beiseite. Im meinem Unterbewußtsein rumorte es aber die ganze Zeit unterschwellig herum. Was könnte ich denn nur daraus nähen? Ich wühlte in meinem Schnittmusterhaufen herum und stellte fest, dass 1,00 m doch erstaunlich wenig ist. Ein Shirt? Ein Kleidchen? Eine Kuschelhose? Ein Rock? Als letzten Ausweg einen Loop-Schal? Ach, ich wußte es einfach nicht, und der Hund konnte mir auch nicht weiterhelfen, obwohl ich ihn auf unseren Runden oft genug befragte.


Vor zwei Wochen platzte mir der Kragen. Ich hatte einen nähtechnischen Mißerfolg ohnegleichen produziert und war dementsprechend geladen. Jetzt mußte der Sternchen- Sweat dran glauben, oder ich würde die verdammte Näherei ein für alle Mal an den Nagel hängen. 
Ich entdeckte eine Anleitung für einen Bleistiftrock von Tweed-and-Greet im Netz, die einfach genug war, um mir Spaß zu machen. Kurzentschlossen malte ich mir meinen Rock und schnitt finster entschlossen den Stoff zu. Da der Sweat nicht ganz so elastisch war, ließ ich den Saum allerdings weniger schmal zusammenlaufen wie vorgegeben, weil ich befürchtete, sonst in dem Rock nur hüpfen zu können. Kleine Schlitze an den Seiten wären eine Alternative gewesen, hätten aber die Gefahr mit sich gebracht, dass die Seitennähte auf die Dauer einreißen könnten. Ich nähte, probierte an und siegte.


Der Rock ist bequem, gemütlich, warm und wird mir im Winter bestimmt gute Dienste leisten. Ich trage ihn heute zum dritten Mal, er scheint sich also durchzusetzen. Die Fotos sind allerdings vom vorletzten Wochenende, als der Herbst sich als Sommer verkleidet hatte und ich keine Strumpfhose brauchte. Das da ist übrigens der Hund, der sich auch nicht entscheiden konnte!

Stoff: Coupon vom Wochenmarkt
Schnitt: Tweed an Greet

Dienstag, 5. September 2017

Der glücklichste Moment dieses Sommers


Bretonischer Vorgarten


Wenn die Sommerferien beginnen, bin ich immer so euphorisch. Das ist eigentlich Unsinn, denn schließlich haben meine Töchter über sechs Wochen frei und nicht ich. Trotzdem breitet sich in mir so ein relaxtes karibikartiges Feeling aus, das ist bestimmt irgendwie psychologisch zu erklären (Freiwillige vor!) Außerdem wollten wir in diesem Jahr zwei Wochen in die Bretagne fahren, das war noch ein weiterer Grund zur Vorfreude.
Als Bretagnebesucher ist man praktisch gezwungen, Streifenshirts zu tragen. Also dachte ich mir, nähe ich doch zur Abwechslung eins. Ich wühlte mich durch die weite Welt des WWW, wo ich das Mandy Boat Tee entdeckte, das nicht nur mit einem schönen U-Boot- Ausschnitt, halblangen Ärmeln und einem lässigen Sitz punkten konnte: es war auch noch umsonst. Hah, da jubelte mein innerer Sparfuchs! Was ich am Schnitt zu sparen gedachte, wollte ich beim Stoff wieder drauflegen. Und weil ich für Optimismus nur eine Farbe kenne, nämlich ROSA, erwarb ich einen hübschen Jersey in Hellrosa mit feinen roten Streifen.

Rosa Inspirationen

Am nächsten freien Sonntag machte ich mich ans Werk. Beim Zuschnitt kam ich ein bißchen ins Grübeln, das war schon ziemlich viel Shirt! Doch ich glaube ja beim Nähen unterbewußt immer, dass ich keine Ahnung habe, deswegen werkelte ich unverdrossen weiter. Aber die Anprobe des fertigen Shirts war der Brüller: ich sah aus wie eine Figur aus dem Triadischen Ballett von Oskar Schlemmer. Die Ärmel waren eng wie geplant, aber Vorder- und Rückenteil waren viel zu weit. Ich war sehr geometrisch.  Ehrlich, wenn der Jersey nicht so teuer gewesen wäre, hätte ich das Ding direkt entsorgt.




Eigentlich hätte ich von selbst darauf kommen können, wo der Fehler liegt. Ich habe das oben mal illustriert. Wenn man so wie ich eher "fraulich" konstruiert ist (so ein Ausdruck meiner Omma, den ich vor dem Aussterben zu bewahren gedenke, so nett finde ich ihn)  und man etwas sehr Weites aus einem Stoff macht, der nicht vollkommen fliessend ist, steht das Kleidungsstück über den am stärksten hervortretendsten Punkten ab: vorne sind es die Brustspitzen, hinten ist es die Wölbung an den Schulterblättern. Das ergibt eine zeltartige Form, die -vorsichtig formuliert- nicht unbedingt jedem steht. Tja, das mußte ich ändern. Ich schnitt links und rechts 4 cm weg und rundete den Übergang zu den Ärmeln ab, in der Hoffnung, dass das alles so passen würde. Ich habe das Shirt also insgesamt um 16 cm schmaler gemacht, das ist mal eine Ansage! Ich hatte Glück, es funktionierte. Ich hatte mein Urlaubs- Optimismus- Streifenshirt für die Bretagne.


Aber dann ging alles schief. In unserer Firma jagte eine Katastrophe die nächste, die Wohnung, die wir renovieren mussten, wurde nicht fertig und meinem armen Mann splitterte ein Stück vom Meniskus ab. Ich wußte noch nicht einmal, dass Menikusse (oder Meniski?) so etwas Fieses überhaupt tun. Schweren Herzens mußte ich mit den Mädels alleine nach Frankreich fahren. Es war sehr schön in der Bretagne, ich habe darüber ausführlich geschrieben (wer es nachlesen mag, findet das hier). Wir hatten allerdings weder WLAN noch zuverlässigen Empfang, deswegen war es schwieriger als sonst, sich daheim zu melden. 

Und damit komme ich zum glücklichsten Moment des Sommers: als ich nach zwei Wochen zu Hause ankam, konnte endlich wieder meinen Mann küssen!

Schnitt: Mandy Boat Tee
Stoff: bei Karstadt in Köln gekauft

Dienstag, 6. Juni 2017

Maritimes

Anker kann ja jeder

 

Da komme ich angeschwommen!
Wie ich gestern schrieb, beschäftige ich mich zur Zeit mit meinem Verhältnis zum Meer. Das hat auch Einfluss auf meine Kleider. Ich trage selbstverständlich ziemlich viel Gestreiftes -Fischerhemd geht bekanntlich immer. 

Tagebucheintrag des Fangs

Im Stoffladen begegnete mir neulich ein blauer Jersey mit noch blaueren Walen darauf. Ziemlich cool, fand ich. Ich mag alte Bestimmungszeichnungen aus Schulbüchern sehr gerne, und die Wale sehen genau so aus. (Mir ist gerade aufgefallen, dass der Stoff auf dem Bild von weitem wie blaue Camouflage wirkt...hm!) Ich schob Assoziationen von walförmigen Frauen in Walkleidern entschlossen beiseite, schließlich kann man nicht auf jeden albernen Gedanken seiner Mitmenschen Rücksicht nehmen (s. auch den Walsong von den Toten Hosen).

Sommerlich zufrieden

Mir war klar, dass ein Muster wie dieses einen richtigen Kleiderschnitt verlangt. So etwas herunterhängendes Gerades würde wie ein schrulliges Krankenhausnachthemd aussehen. Wickelkleidern mißtraue ich, mit Knotenkleidern sehe ich schwanger aus. Das ist okay, wenn man schwanger ist, nicht dass da Mißverständnisse aufkommen! Irgendetwas mit Tellerrock ging mit den querverlaufenden Walen auch nicht. Anfang des Jahres hatte ich ein Chloe- Kleid genäht. Der Schnitt hatte mir gut gefallen, allerdings war es ziemlich kurz. Mit schwarzen Strumpfhosen geht das, aber im Sommer lenke ich eigentlich nicht so gern das Augenmerk auf meine Knieknubbel. 

Die Taschen sind einfach super!
Außerdem saß bei dem ersten Kleid die Taillie recht hoch. Also nahm ich meine geballten Nähkenntnisse zusammen und verlängerte das Oberteil um ganze 5 cm. Damit hatte ich gleichzeitig das Längenproblem gelöst. Das Ergebnis gefällt mir, weil es irgendwie lässiger wirkt. Dafür geht das Verspielte der ersten Version verloren, das Kleid wird ein bißchen konventioneller. Na ja, um dagegen zu halten, habe ich ja die Wale!

Vollständiges Outfit

Am Pfingstmontag habe ich das Prachtstück dann erstmals ausgeführt. Allerdings war es ein reiner Landgang: ich war mit meiner Mutter auf dem Flachsmarkt an der Burg Linn, Krefeld. Da habe ich dann die handwerklichen Fähigkeiten von Goldschmieden, Webern, Schreinern, Lederschneidern, Grafikern, Seilern usw. bewundert und mich total untalentiert gefühlt. Folglich gab ich wieder zu viel Geld aus... ach ja, es ist ein ewiger Kreis!

Der Hut hat noch gefehlt!
Ein passendes Accessoire habe ich auch noch gefunden: das ist ein antiker Zylinder aus Holland. Ich wollte so einen historischen Hut immer schon einmal tragen, um zu wissen, wie sich das anfühlt. Dieser hier war erstaunlich schwer, saß aber durch das straffe Lederhutband richtig gut. Durch das Gewicht hält man sich notgedrungen gerader: so ähnlich stelle ich mir das Tragen der Kronjuwelen vor. Der feixende Mann im Hintergrund ist übrigens der Besitzer des "Verrückter- Hutmacher- Hutes".




Dienstag, 11. April 2017

Das Kleid, das ich einer Todsünde verdanke

 

Das sieht erstmal harmlos aus, aber...

 

Keine Angst, so schlimm wie es klingt, wird es nicht: ich habe einfach nur nach einem schmissigen Titel gesucht.

Da es ja so langsam wieder sonnig warm wird, habe ich in meinem Kleiderschrank die Sachen für die schönen Tage von hinten nach vorne geräumt. Dabei bin ich auf dieses Kleid gestossen, das allein für sich gesehen nicht besonders spektakulär ist, aber eine schöne Geschichte hat. Und die geht so:
Im letzten Sommer fand im Nachbarstädtchen ein Stoffmarkt statt. Eigentlich war es viel zu warm, um sich ins Getümmel der Nähbegeisterten zu stürzen, und außerdem war Sonntag... Gegen Mittag wurde es mir im Liegestuhl zu langweilig. Da ich keine Lust hatte, alleine zu fahren, lockte ich meinen Mann damit, dass ich einer Fahrradtour (hasse ich generell mehr als Warzen!) zustimmen würde, wenn ich ein Stoffmarktintermezzo einlegen dürfte. Kompromisse sind ja das Salz jeder Beziehung, daher machten wir uns auf den Weg.
Natürlich raste der Meinige wie ein antibiotikaabgefüllter Tour-de-France-Teilnehmer über unzählige vollkommen überflüssige Umwege Richtung Nachbarstädtchen, während ich mit meinem Nostalgieveloziped schnaufend hinterher strampelte, aber irgendwann hatte ich es überstanden und wir waren am Ziel. Der Stoffmarkt war erstaunlich leer, ich konnte tatsächlich ungestört herumsuchen. An einem Stand aus Holland sah ich bei den Kinderstoffballen ganz unten etwas Türkises. Interessiert pirschte ich näher. Gerade als ich die Hand ausstrecken wollte, um an dem Stoff herumzuzupfen, schnappte eine Frau neben mir zu. Sie zog an dem Ballen wie eine Amsel an einem bockigen Regenwurm. Tja, und ist es zu fassen: just diesen Moment wählte der Meinige, um den Gentleman zu geben! Er half der Frau, den Stoffballen mit dem Stoff, der nicht nur Türkis, sondern auch voller pinker Flamingos war, herauszuziehen.

Flamingos mit falschem Untergrund

Es blieb mir also nichts anderes übrig, als abzuwarten, was diese Andere mit dem Stoff anfangen würde. Natürlich guckte ich mich unauffällig um, aber es war der einzige Ballen mit diesem Muster. Ich hätte in irgendeinen x-beliebigen Jersey beißen können. Die Andere lief noch ein bißchen auf und ab, den Stoffballen unter dem Arm, während ich mir ausmalte, was ich aus diesem wunderbaren Flamingojersey machen würde, wenn ich ihn nur endlich in die Finger kriegen könnte. Und dann geschah es: Sie kaufte den ganzen gottverdammten Stoffballen!
Gemütszustand
Ich glaube, ich hatte selten an einem so sonnigen Tag solche Gewaltfantasien. In mir blubberte der Neid hoch wie ein Vanillepudding kurz vor dem Überkochen. Das ist übrigens eine der sieben Todsünden, Theologen nennen diese Invidia. Ich wollte schon den Rückzug antreten, da entdeckte ich den Flamingostoff noch einmal. Leider war der Hintergrund nicht türkis, sondern hellgrün. In einer echten Kurzschlusshandlung raffte ich den Ballen an mich und marschierte zur Standinhaberin. Ich wollte 1,70 m bis 2,00 m, das paßt eigentlich immer. Die Verkäuferin rollte den Stoff ab, maß nach und verkündete: "Das sind nur noch 1,40 m!" Ich war mittlerweile so dermaßen nicht mehr zurechnungsfähig, dass ich 1,40 m von einem Stoff kaufte, den ich eigentlich gar nicht haben wollte. Aber ich hatte jetzt Flamingos, so wie die Andere!
Breughel: Invidia
Auf die vorsichtige Frage des Meinigen, was ich denn damit machen wolle, konnte ich keine Antwort mehr geben. Ich nuschelte "Leggings!", und mein Mann, der mich lang genug kennt, um meinen Ausnahmezustand zu registrieren, war klug genug, nicht weiter zu bohren. Natürlich wollte ich keine Leggings nähen. Ich trage keine bunten Beinkleider, dafür habe ich gute Gründe. Vor ein paar Jahren waren Leggings mit Muster schon einmal der Hit. Ich hatte mich so in ein Modell mit der Andy- Warhol- Marylin verliebt, dass ich bereit war, sie trotz des exorbitanten Preises, der dafür aufgerufen wurde, kaufen zu wollen. Doch die Anprobe war eine einzige Ernüchterung: bis kurz unter dem Knie sah Marilyn super aus, aber danach mutierte sie durch die Querdehnung des Stoffes, bis sie am Oberschenkel aussah wie Mao-Tse-Tung. Diese Erfahrung wollte ich mir natürlich bei den Flamingos ersparen.
So sieht das Tier ungedehnt aus...

...und so wäre die Oberschenkelsituation!

Infolgedessen wanderte der Stoff zunächst ins Fehlkaufregal. Drei bis vier Wochen vergingen, bis ich an einem Sonntag mal wieder Langeweile hatte. Irgendwie kratzte es mich, aus den Flamingos etwas zu machen. Plötzlich hatte ich eine Erleuchtung: Die Angabe zur Stoffmenge sind bei Rosa Pe immer recht üppig! Da könnte doch was gehen! Ich legte die Schnitteile so sparsam wie möglich auf meine 1,40 m Jersey. Voilà, es klappte. Ich konnte zwar nur kurze Ärmel machen, das fand ich aber für ein Sommerkleidchen ganz angemessen. Es gelang mir sogar, den Ausschnitt hochziehen, was ich immer gerne mag.

Kurze Ärmel= Sommermodell
Da ich diesen Schnitt schon zwei Mal genäht hatte, waren keine Überraschungen zu erwarten. Ich wußte, dass es passen würde, wenn der Stoff reichte. Die einzige echte Schwierigkeit hier sind die Brustabnäher. Wenn man da etwas zu übereifrig zu Werke geht oder das Material zu dick ist, entstehen Jayne- Mansfield- artige Spitzen. Alles andere ist einfach und gut durchdacht.  Weil ich kleiner Pfennigfuchser immer diese wunderbaren preiswerten dicken Garnrollen in allen möglichen Farben beim Stoffhändler meines Vertrauens erhamstere, hatte ich sogar das richtige Material daheim. Alles lief wie am Schnürchen, das Kleid war ratzfatz fertig.

Das hatte ich mir so was von verdient!

In der leidenschaftslosen Nachbetrachtung bleibt es dabei: Ich mag mein Kleid! Wenn ich wetterbedingt ein bißchen Farbe im Gesicht habe, steht mir das Grün ganz gut; im Winter bin ich zu blaß dafür. Die Flamingos und der dünne Jersey machen ohnehin ein Schönwetterkleid daraus.

 Da soll mal einer sagen, dass man immer für seine Sünden bestraft wird!

Ich geh jetzt Gemüse auf dem Markt kaufen!
Stoff: Mühsam auf dem Stoffmarkt erkämpft








Mittwoch, 22. März 2017

BeetleDress

(...klingt irgendwie cooler als Käferkleid)

 

Kleid am Bücherregal

 

Vor drei Wochen kam mein mich liebender Ehemann auf die Idee, zu einem Punkkonzert zu gehen. Dazu muss man wissen, dass er die herausgeschlagene Ecke an einem seiner Schneidezähne dem Pogo bei einem Clash- Konzert verdankt, das er mit siebzehn besucht hat. Er war damals schon über zwei Meter gross, aber ziemlich dünn. Er sprang auf und ab wie ein Wilder, der Typ neben ihm auch, aber leider im genau entgegengesetzten Sprungrhythmus. Also knallte der ihm mit dem Kopf genau unter die Kinnlade. Es ist bezeichnend, dass mein Mann sich die Ecke nie überkronen liess. Auf solche Narben ist man stolz!

Freiburg
Ich war nie so der Punkfan, aber ich gehe gerne zu Konzerten. Natürlich fiel mir zeitgleich mit der Zusage ein, dass ich praktisch nichts Passendes zum Anziehen hatte. Ein neues Kleid mußte her. Ich suchte so ein bißchen herum und fand den Schnitt Chloe (Pattydoo), den ich mir hervorragend mit Dr. Martens und Jeansjacke vorstellen konnte. Ein Blümchenmuster auf schwarzem Grund, das wäre es doch!

Nicht ganz ein Blümchendruck

In meinem bevorzugten Stoffladen gab es keinen schwarzgrundigen Blümchenjersey. Ich wühlte mich wie ein Waschbär in einer Mülltonne durch sämtliche verfügbaren Stoffballen: keine Blümchen! Statt dessen fand ich einen dunkelgrünen Jersey mit verschiedenen Käfern drauf. "Käfer? Ich kann mir doch kein Kleid mit Käfern nähen", sagte meine innere Susanne kopfschüttelnd, während die innere Susi daneben schon aufgeregt herumhopste und "Haben! Haben!" quietschte. Ich drehte sage und schreibe sechs Runden durch den Laden, bis ich mich entschieden hatte. Ich kaufte den Stoff und klatschte mich mit der inneren Susi ab.

Fertiges Kleid mit mir drin

Zuhause zeigte ich ihn zuerst unserem Hund, der bei seinem Anblick wedelte. 
Danach kam mein Mann an die Reihe: "Sieht super aus!" 
Tochter 1:"Bäh, Insekten!" 
Tochter 2:"Wie cool!" 
2,5:1, das ist für mich ein grandioses Ergebnis. Mit gestärktem Selbstvertrauen machte ich mich ans Werk. 
Der Schnitt ist übrigens in Ordnung. Man bekommt ihn als PDF zum Zusammenkleben (seufz!) mit einer recht ausführlichen Beschreibung. Wenn man- so wie ich- die Sache mit den Taschen nicht begreift, gibt es ein anschauliches YouTube- Video. Das Schnittmuster ist einschliesslich der Nahtzugaben, was ich gewöhnungsbedürftig fand, und es gibt massenweise Schnittmarkierungen. Ich kann nur empfehlen, die alle zu übertragen. Man soll das Kleid mit fertigem Oberteil und fertigem Rock in der Taillie in einer Naht zusammennähen, da wird es ohne Markierungen unübersichtlich. Das Kleid ist ziemlich kurz und die Taillie sitzt recht hoch. Ich bin 1,67 m groß, bei mir geht das. Bei größeren Frauen stelle ich mir die Proportionen schwierig vor.

Komplettes Punkkonzertoutfit

Das Käferkleid schmückte mich tatsächlich anläßlich des Konzerts. Es fand im Waldmeister statt, einem Kulturverein der etwas anderen Art in Solingen. Der Verein unterstützt lokale junge Bands, bietet ihnen Proberäume und die Möglichkeit aufzutreten. Die Band, die der Cow Club als Organisator des Konzerts eingeladen hatte, hieß Freiburg und kam verwirrenderweise aus Gütersloh. Ich war selten einer solchen Lautstärke ausgesetzt (manche würde das brutalen Krach nennen)- mein Mann war begeistert.
The Cuckoo

Als Vorband traten The Cuckoo auf. Von denen hatte ich noch nie gehört. Es stellte sich heraus, dass alle Bandmitglieder auf die selbe Schule wie meine Töchter gehen. Sie waren erstaunlich gut! Dass sie einen Song über den Englischlehrer meiner älteren Tochter zum Besten gaben, fand ich ziemlich lustig. 
Das Käferkleid ist übrigens konzerttauglich: wenn man nicht weiß, wohin mit seinem Bier, weil man klatschen will, kann man es kurzfristig in eine der großen Taschen stellen. Eine 0,3- Flasche Astra paßt rein!

Schnitt: Chloe/ Pattydoo

Dienstag, 7. März 2017

Das Amsterdamkleid

 

Das Amsterdamringelkleid

 Um den Namen dieses Else- Kleides zu erklären, muß ich ein wenig ausholen:

 

(Ich könnte natürlich auch kurz und knackig eine Funktionsbeschreibung liefern so wie: "Schnitt Else mit U- Boot- Ausschnitt, halblangen Ärmeln und Tunnel für ein Bindeband", aber ich bin Rheinländerin. Ich kann das gar nicht. Rein sachliche Berichte abgeben zu müssen verursacht mir körperliche Schmerzen. Das muß man sich so vorstellen, als nötige man einen Hamburger dazu, einen Orden anzunehmen. Wir Rheinländer lieben es, unsere Geschichten so richtig auszuschmücken. Im Gegenzug haben wir die Fähigkeit entwickelt, den weitschweifigen Erzählungen anderer Rheinländer nur halb zuzuhören, aber trotzdem das Wesentliche herauszufiltern. Wir sind dabei immer sehr freundlich, manchmal geradezu enthusiastisch, auch wenn wir uns eigentlich nur gegenseitig im Wortschwall herumstehen, wie Konrad Beikirchner das so schön nennt. Rheinländer sind sozusagen die Labradore unter den Menschen: fröhlich, kontaktfreudig, mit Aufmerksamkeitslücken und total distanzlos.)

Heute frostbeuligerweise mit Strickjacke

Um auf das Kleid zurückzukommen: letzten Sommer war ich mit meinen beiden Mädels in den Ferien für ein paar Tage in Amsterdam. Wir hatten richtig viel Spaß. Meine ältere Tochter formulierte es so: "Das ist so cool hier, die Leute sehen alle aus als hätten sie einen Blog auf Tumblr!" Als Highlight hatten wir einen Besuch im Van- Gogh- Museum gebucht. Als ich mit den beiden die Reise plante, war ich etwas überrascht, als sie unbedingt dahin wollte. Das Anne- Frank- Haus war klar, denn erstens kennen sie das aus dem Deutsch- und Geschichtsunterricht und zweitens kommt es in "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" vor. Erst als wir wieder zu Hause waren, fand ich heraus, woher die Begeisterung kam. Es gibt eine Folge über Van Gogh bei "Dr. Who", die so schön und so traurig ist, dass man am Ende in Tränen aufgelöst auf dem Sofa sitzt.
Das Van- Gogh- Museum in Amsterdam ist allerdings auch ohne Tardis unbedingt sehenswert. Wir standen vollkommen überwältigt vor einigen der besten Bilder des Künstlers und kriegten uns über die Leuchtkraft der Farben im Original schier nicht wieder ein.
Unerreichbares Vorbild

Bei der zweiten Runde durch das Museum, als wir unsere Lieblingsbilder noch einmal ansehen wollten, stand auf einmal eine zierliche Japanerin in einem Ringelkleid neben mir. Die war so entzückend, dass es bei mir aussetzte: "Ich will genau so aussehen", schoß es mir durch den Kopf. Ich blendete einfach die Tatsache aus, dass sie und ich uns ungefähr so ähnlich waren wie Eddie Redmayne und Sigmar Gabriel; ich wollte ein Ringelkleid.
Daheim machte ich mich auf die Suche nach einem passenden Schnitt und noch passenderem Stoff. Bei Else war es der U- Boot- Ausschnitt, der mir gefiel. Die Entscheidung für den Stoff war deutlich schwieriger. Entweder die Ringel waren doof, der Jersey war zu dünn, zu elastisch oder nicht elastisch genug. Erst auf dem Stoffmarkt in Opladen wurde ich fündig. Das Material nannte sich Sommer- Sweat, ich weiß aber nicht mehr, wer ihn produziert hat. Ich schreibe mir so etwas nie auf und Etiketten schmeisse ich grundsätzlich weg. Dann ärgere ich mich, weil ich so einen Stoff nicht noch einmal bekomme- Logik geht anders!

(Ist aber auch so ein Rheinländerin- Phänomen: Kosequenz und schlüssiges Handeln sind nicht unbedingt unsere Stärken.)

Ausschnitt mit Schrägband

Den Ausschnitt habe ich diesmal nicht mit Belegen versehen, sondern mit Schrägband. Ich dachte mir, wenn Armorlux und Muji das so machen, kann das ja nicht total verkehrt sein. Es funktioniert hier auch gut, der Ausschnitt ist weit genug und wird trotzdem ausreichend stabilisiert. Erst wollte ich das Kleid gerade lassen, bei der ersten Anprobe tendierte es optisch aber leider Richtung Nachthemd. Also zog ich auf Hüfthöhe ein Band ein. Das hat jetzt den Vorteil, daß ich es im Winter geschoppt als Hosenkleid tragen kann. Im Sommer darf es dann wieder knielang sein.
Wie zu erwarten war sehe ich damit nicht aus wie die japanische Elfe aus dem Van- Gogh- Museum, ich mag mich aber trotzdem sehr darin.

Wintervariante mit Jeans

Und damit ist auch erklärt, warum es auch ohne Tulpen oder Windmühlen das Amsterdam- Kleid heißt.

Stoff: Stoffmarkt
Link: Me Made Mittwoch

P.S.: Für mich ist die Auseinandersetzung mit dem Feminismus 35 Jahre alt. Immer wieder gibt es jemanden- auffällig häufig in der Presselandschaft der sogenannten Frauenmagazine-, der behauptet, unsere Kleidung sei ein Statement dafür, dass Frauen doch jetzt richtig Selbstbewußtsein haben. Kleidung kann ein Statement sein, aber das Tragen von High Heels bedeutet nicht, dass wir uns endlich emanzipiert haben. Das heißt nur, dass wir gerne hohe Schuhe tragen. Wenn wir aber den gleichen Lohn für gleiche Arbeit und einen adäquaten Anteil von Frauen in Führungspositionen erreicht haben, dann haben wir es geschafft. So leid es mir tut, das ist noch ein weiter Weg. 
 

Dienstag, 7. Februar 2017

Digital ist besser

 

Tocotronic haben darüber ein Lied gemacht: die Vorteile der digitalen Welt gegenüber dem Analogen. Für mich galt das bisher zumindest im Bezug auf Stoffe nicht, im Gegenteil. Da ich seit den Anfängen meiner Näherei immer wieder (und manchmal sehr leidvoll) feststellen konnte, dass ein  blöder, weil falsch gewählter Stoff die schönste Idee ruinieren kann, kaufe ich Stoff lieber, nachdem ich ihn ausführlich angefasst, lang- und breitgezogen und geschüttelt habe. Daher stand ich dem Internetkauf ziemlich mißtrauisch gegenüber.

So sieht es aus...

...und so sollte es aussehen.


Faszination des Internets
Vor drei Wochen allerdings hatte ich eine Krise. Es war mistiges Wetter, mein Mann war ohne mich zum Skilaufen gefahren und ich hatte in der Woche die Firma und die Kinder alleine am Hals. Daher tat ich das, was ich in solchen Situationen viel zu häufig tue: ich tätigte einen Frustkauf im Internet. Ich kann mich im Nachhinein nur dazu beglückwünschen, dass ich zumindest nicht den Jacquard in Senfgelb gekauft habe, den mein Unterbewußtsein mir beharrlich aufdrängen wollte. Das ist für sich gesehen eine schöne Farbe, mir verhilft sie allerdings im Handumdrehen zum Teint einer Moorleiche.

Der Vollständigkeit halber ohne Jäckchen

Einer der Stoffe war ein petrolfarbener  Baumwolljacquard mit kleinen Tupfen, der beim Auspacken absolut super aussah. Euphorisch steckte ich ihn in die Waschmaschine: das würde das Vlieland- Kleid meines Lebens werden. (Der Plan zum Kleid ist oben zu sehen.) Ich hatte sogar passendes Nähgarn zu Hause. Als ich den Stoff getrocknet vom Wäscheständer nahm, kamen mir leichte Zweifel. Er hatte zwei merkwürdige Beulen entwickelt, die ich vor dem Nähen erst brutal niederbügeln musste. Misstrauisch geworden beschloss ich, auf die Teilungsnaht im Rücken zu verzichten. Sollte der Stoff auch beim Nähen beulen, würde ich mir eventuell Kamelhöcker auf den Rücken zaubern. Im Folgenden erwiesen sich Kleid und Stoff aber als kooperativ, alles klappte und wie man sehen kann: es sieht auch prima aus!

Exemplarische Beule links
Aaaaber: nachdem ich das Kleid einen Tag lang getragen hatte, beulte das Material wieder aus, zum Beispiel am Hinterteil. Bei einem locker sitzenden Kleid ist das zu verschmerzen, einen engen Rock daraus zu nähen würde ich nicht empfehlen, wenn man abends nicht aussehen will wie ein russischer LKW- Fahrer in seiner Lieblingsjogginghose nach dreißig Stunden Fahrt. Ein grosses Plus dagegen ist das angenehme Tragegefühl und die kräftig leuchtende Farbe. Das inspiriert zu fröhlichen Accessoires!

Herr Rossi sucht das Glück

Regenbogenarmbändchen
Insgesamt ziehe ich ein positives Fazit: der Stoff ist okay, ich ziehe ein Kleid ohnehin nicht zwei Tage hintereinander an. Durch die Stoffbreite von 1,60 m kam ich mit 1,50 m Stofflänge aus. Im Versand hätte ich entweder das oder gleich 2,00 m kaufen müssen, im Gegensatz zum Stoffgeschäft muss man eine Verkaufseinheit von ganzen 0,50 m akzeptieren. Ich mag den Paketauspacken- Überraschungseffekt beim Internetkauf, aber trotzdem bin ich wohl doch der haptische Typ: es geht doch nichts über das Analoge.

Stoff: Traumbeere