Donnerstag, 17. Januar 2019

 

Was nicht passt, wird passend gemacht!

 


Ich liebe Baumärkte! Nicht nur weil es da praktisch alles gibt, was man braucht und auch alles, was man nicht braucht, sie sind auch ein Premium- Ort für Sozialstudien. Wenn mein Mann etwas aus dem Baumarkt braucht, sitze ich in Windeseile neben ihm im Auto. Im Markt lasse ich ihn am Schraubenregal herumsuchen (das tut er nämlich total gern) und gehe auf Streifzug. Bei vielen Sachen habe ich nicht die geringste Ahnung, wozu man sie braucht, aber es macht Spass, sich vorzustellen, was man daraus machen könnte.

Naja, und die Kunden im Baumarkt! Traumhaft! Ein wahres Kaleidoskop!

Und die Krönung des Ganzen: der Parkplatz! Wie da alles Mögliche in viel zu kleine Fahrzeuge geschoben und gequetscht wird, das ist fast so gut wie früher vor dem schwedischen Möbelhaus. Eigentlich sollte die Polizei einfach vor der Einfahrt warten: vom Erlös der Protokolle, die sie verteilen würden, könnte man alle Zellengitterstäbe in NRW vergolden lassen.

Der Herr hier hat tatsächlich ein Bündel Dachlatten in einem Fiat 500 transportiert, und zwar so, dass die Dinger schräg nach vorne aus dem Beifahrerfenster ragten. Das hatte etwas von einem ritterlichen Tjost. Klugerweise ist er sehr schnell von der Hauptstrasse in den Seitenstrassen verschwunden.

 

Freitag, 14. Dezember 2018

Vorweihnachtsstress

 


Es gibt keinen, der sich gerade nicht im Vorweihnachtsstress befindet, glaube ich. 
Noch keine Geschenke, die Plätzchen sind angebrannt, Schule, Kindergarten, Vereine und Firmen hauen eine Veranstaltung nach der nächsten raus, was sollen wir kochen (o Gott, zwei Vegetarier am Tisch und Oma träumt von Gänsebraten!), ich habe nix zum Anziehen, wieso sind die Nordmanntannen schon wieder teurer und das Finanzamt hat sich den größten Teil meines Weihnachtsgeldes unter den Nagel gerissen...
Tja, bei uns gibt es einen, der davon völlig unbeeindruckt ist: der Hund schläft seine 12 Stunden am Tag wie immer. Rosi würde nur ausflippen, wenn's Weihnachten schneien würde: und wann kommt das im Rheinland schon vor?


Sonntag, 2. Dezember 2018

Abends am Strand


Als wir in den Herbstferien am Meer waren, habe ich mir abends meine Kamera genommen und bin allein an den Strand gegangen. Alleinsein empfinde ich ab und zu als echten Luxus.
 



Eigentlich wollte ich ein paar Bilder machen, die diese ganz besondere Stimmung am Ende eines Urlaubstages einfangen, aber schon direkt hinter dem Deich traf ich auf einen Mann, der mir eine halbe Stunde lang etwas über analoge Kameras, Autorennen und Drachenfliegen erzählte.




Na ja, und dann war das Licht beinahe weg. Ich habe trotzdem fotografiert, denn wenn ich mir etwas vornehme- aber holla! Deshalb sind die Bilder insgesamt dunkler als ich vorhatte, ich mag sie aber trotzdem.


Als ich vom Strand zurückkam, fühlte ich mich wie im Kopf durchgewaschen: ich konnte irgendwie besser denken. Das ist der Grund, warum man überhaupt viel mehr auf Reisen gehen sollte.


Kamera: Canon AE 1, 35 mm Objektiv
Film: Fomapan 400 plus

Mittwoch, 14. November 2018

 

Gedenken

Besuch in der Gedenkstätte KZ Sachsenhausen

 

 

Als ich im Sommer mit meinen Töchtern in Berlin war, wollte die Ältere unbedingt das ehemalige KZ Sachsenhausen besuchen. Sie interessiert sich sehr für Geschichte, den Nationalsozialismus hatte sie in ihrem Leistungskurs gerade sehr intensiv behandelt. Ich habe mich immer gefragt, welche Wirkung der Schulunterricht und die üblichen Exkursionen tatsächlich auf die Schüler haben.


Sachsenhausen, an der Grenze zu Oranienburg gelegen, wurde bereits 1936 erbaut. Zum ersten Mal gab es ein Lager, das durch einen Architekten geplant wurde. Bernhard Kniper war gründlich: was er ersann, bekam später den Namen "Geometrie des totalen Terrors". 
In Sachsenhausen wurden einerseits SS-Mannschaften ausgebildet, andererseits diente der Ort als Lager für politische Gefangene, für "Minderwertige", für Juden, "Zigeuner", "Asoziale" und für Bürger aus besetzten Staaten. Es gab eine Werkstatt zur Fälschung von britischem Pfund, eine Schuprüfstrecke für die Wehrmacht, Zwangsarbeiter für Heinkel und Siemens waren hier untergebracht. Sachsenhausen unterhielt ebenfalls mit Zwangsarbeitern ein eigenes Ziegelwerk.
Die inhaftierten Menschen starben an Hunger, Krankheiten und durch schwere Mißhandlungen. Die Ärzte hatten die Erlaubnis, medizinische Experimente an den Lagerinsassen durchzuführen, auch an Kindern. Das eigene Krematorium, das 1939 errichtet wurde, mußte bereits 1942 durch ein größeres ersetzt werden, an das eine Genickschußanlage angeschlossen war. Seit 1943 gab es eine Gaskammer. Allein 1941 starben 12.000 russische Kriegsgefangene.



Ab 21. April 1945 begann die SS, das Lager zu räumen. 33.000 Menschen wurden evakuiert und vollkommen ohne Sinn Richtung Westen getrieben. Die im Lager Verbliebenen überließ man dem sicheren Tod. Nach der Übernahme durch die Sowjetarmee nutzte man das Lager als Übergangslazarett für Häftlinge und Kriegsopfer, später bezeichnete das Militär es als "Speziallager". 1961 entstand die Gedenkstätte Sachsenhausen.
1995, 10 Tage nach dem Besuch des israelischen Ministerpräsidenten, steckten Neonazis auf dem Gelände die Baracke 38 in Brand. Sie wurde modifiziert wieder aufgebaut, zur Hälfte ist sie jetzt ein zeitgeschichtliches Museum. Als Folge des Anschlags mußte die bis dahin Tag und Nacht zugängliche Gedenkstätte mit Überwachungskameras und Toren ausgerüstet werden. Auf dem Gelände unterhält das Land Brandenburg seit 2006 die Fachhochschule der Polizei.


Das sind die puren Fakten. Aber was einen erwartet, wenn man Sachsenhausen besucht, ist etwas anderes. Die Opferzahlen treten zurück hinter Einzelschicksalen, und dadurch wird das Geschehen erst wirklich erfahrbar. Die Menschen, die hier lebten, werden mit Namen und Fotos genannt: das gilt für die Opfer und die Täter. Der KZ- Kommandant und seine Familie, der Lagerarzt, der Leiter der Wachmannschaften haben Biographien ebenso wie die Luxemburger Polizisten, die Künstler aus der Fälscherwerkstatt und all die anderen, die hier starben. 
Die Leitung der Gedenkstätte erlaubt das Anbringen von Gedenktafeln für Einzelpersonen an den Außenmauern ebenso wie in den Zellen des Gestapo- Gefängnisses. Auch das Erinnern der Angehörigen macht aus Opfern echte Menschen.


Das Fläche des Lagers ist erstaunlich klein. Wenn man in den rekonstruierten Räumen der Baracke 38 die Betten, die Sanitär- und Aufenthaltsräume gesehen hat, bekommt man einen Eindruck davon, wie viele Menschen dort auf engstem Raum leben mussten; wie es da gerochen haben muss; wie sehr die Gefangenen unter dem Verlust ihrer intimen Räume gelitten haben müssen. Es muss die Hölle auf Erden gewesen sein.
Meine beiden Töchter waren der gleichen Meinung. In der Schule bleibt der Holocaust zwangsläufig abstrakt, aber wenn man hier oder in einer der anderen Gedenkstätten gewesen ist, kann man sich wirklich vorstellen, was Menschen einander antun können. Und man lernt auch, wie wichtig es ist, das niemals zu vergessen.  

Kamera: Canon AE-1, 35 mm- Objektiv
Film: Kodak Tri-X ISO 400



Sonntag, 21. Oktober 2018

 

Mal so richtig NICHTS machen

Herbstferien in Neuharlingersiel

 

Die Orte haben richtig lustige Werbeslogans. Hier: Neuharlingersiel- Urlaub mit Stil!

Bei uns war in den letzten Wochen wirklich viel los. Selbstständige wie wir haben immer Theater mit der Firma, die Ältere macht in diesem Schuljahr Abitur, die Jüngere schreibt Tests und Klausuren am laufenden Band. Vor ein paar Wochen ist mein Vater gestorben, den ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen habe: das war alles sehr belastend.

Hafen Neuharlingersiel: dem einen Seemann treten ständig Leute für Fotos in den Hintern

Strandbereich Neuharlingersiel

Als es darum ging, was wir in den Herbstferien machen wollten, waren sich ausnahmsweise alle einig, dass es NICHTS sein sollte. Und wo kann man NICHTS auf ganz hohem Niveau so richtig gut machen? 
Genau: niedersächsische Nordseeküste!

Auch Möwen machen Wattwanderungen.

Wir waren in Neuharlingersiel. Es hätte aber auch gut eins der anderen Siele sein können, wir haben einfach das genommen, wo wir eine Ferienwohnung gefunden haben, die für uns mit Hund passend war. Und was haben wir ein Glück gehabt!

Immer auf dem Deich lang!

Hafen Neuharlingersiel

Davon einmal abgesehen, dass wir einfach bombastisches Wetter hatten (obwohl man sich wirklich fragen muß, ob 26 Grad Mitte Oktober die Regel werden sollten), der Ort ist auch wirklich niedlich. Es gibt einen netten Hafen mit Cafés, Fischbuden und diesen Shops, in denen alles entweder einen Anker hat oder geringelt ist. Bei schlechtem Wetter hätte man das Schwimmbad nutzen können, statt dessen konnten wir wirklich noch an den (sehr kleinen) Sandstrand.

Ganz weit gucken können!

Die Ausflüge hielten sich ebenfalls in beschaulichen Grenzen. Wir waren in Esens und Jever, zwei hübsche kleinere Orte in der Nachbarschaft sozusagen, in Wilhelmshafen und in Bremen. Bremen ist etwa anderthalb Stunden entfernt, das war schon irgendwie zu anstrengend. Da waren wir auch nur, weil eins der Mädels keine 2. Hose mitgenommen hatte und sich weigerte, nur noch mit Joggingbux herumzulaufen.

I love Schillig! Der Ortsslogan ist hier: Schillig- hier chill ich!

Schiffe gucken in Schillig

Schillig, ein paar Kilometer von Neuharlingersiel entfernt, lohnt sich nicht unbedingt wegen des Ortes, sonder weil es dort einen ganz wunderbaren, echten Strand gibt, der so lang ist, dass zwei Kilometer (!) davon als Hundestrand freigegeben sind. Im Ort steht eine neue katholische Kirche mit ausgesprochen anspruchsvoller Architektur, die ich sehr sehenswert finde.

Relaxen in der Sonne

Warum da an einem Abend einsam und verlassen ein Schlauchboot lag, wer weiß?

NICHTS machen hat sich für uns alle als ein Segen erwiesen. Wir waren so entspannt wie schon sehr lange nicht mehr. 

Café an der Hafenausfahrt mit spektakulärer Dachterrasse

Krabben ausladen
Die Fähre nach Spiekeroog geht von hier ab.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings: Der Ort ist für Leute mit Hund einfach nicht zu empfehlen. Unser Ferienwohnungsvermieter war unglaublich nett und war auch auf Hundebesitzer eingerichtet, daran lag es nicht. In Neuharlingersiel dürfen Hunde weder an den Strand, noch auf den Deich davor, noch über den Campingplatz und auch nicht durch den Kurpark. Wir bezahlen aber die volle Kurtaxe.

Abendliche Ruhepause

Wohlgemerkt, ich rede nicht von Deichen mit Schafen und auch nicht vom Kinderspielplatz. Die Strandpromenade ist etwa vier Meter breit und asphaltiert, es gibt eine große Wiese, die für Lenkdrachen freigegeben ist: Naturschutz kann also hier nicht das entscheidende Argument sein, um angeleinte Hunde fernzuhalten. Eigentlich ist man die ganze Zeit damit beschäftigt, irgendwie außen herum zu gehen. In anderen Orten ist man bei weitem nicht so rigoros: warum auch?

Hundestrand in Schillig: sieht aus wie Sylt!

Wenn ihr aber keinen Hund habt, ist in Neuharlingersiel wirklich alles in Ordnung. Gerade für Leute mit kleinen oder mittelgroßen Kindern ist es ideal hier. Fahrradfahrer kommen ebenfalls voll auf ihre Kosten, die Radwege an der ganzen Küste sind Legende. 

Eigentlich sollte sie Auszeitküste heißen.