Dienstag, 13. Dezember 2016

Die schönsten Pausen sind nicht lila, sondern weiss


Ich habe mir mit meinem Mann eine Pause vom Vorweihnachtswahnsinn gegönnt. Wir sind für ein verlängertes Wochenende ins Pitztal nach Jerzens gefahren, um im wohlverdienten Sonnenschein ein bißchen Ski zu fahren und uns im Hotel verwöhnen zu lassen. Es hat sich wirklich gelohnt!

Das Skigebiet von Jerzens heißt Hochzeiger. Es ist nicht besonders groß, aber für zwei bis drei Tage ist es vollkommen ausreichend. Da ich seit etwa dreißig Jahren Ski fahre, kenne ich mittlerweile sehr viele große und kleine Skigebiete. Die großen Anlagen wie Ischgl oder Sölden sind natürlich toll, aber meistens wegen ihres Bekanntheitsgrades auch sehr überfüllt. Außerdem hat man doch mitunter arg mit spätestens ab halb elf alkoholisierten Gruppen zu tun. Das ist nicht nur nervig, wenn man eine kleine Pause machen will; manchmal finde ich es auch gefährlich auf der Piste. Hier hielt sich das in der Vorsaison in überschaubaren Grenzen.
Der Schnee, auf dem wir gefahren sind, was perfekt aufbereiteter Kunstschnee. Früher hieß das: entweder Grieselmatsch oder Eisplatten; heute bedeutet es, daß man überall hervorragend Ski laufen kann. Anfang Dezember kann man außer auf einem Gletscher eben keine Wunder erwarten.

Jerzens ist die Heimat des österreichischen Superstars Benjamin Raich und seiner Frau Marlies, die unter ihrem Mädchennamen Schild beinahe genauso erfolgreich war. 

Mittlerweile haben beide ihre Karriere beendet. Jetzt nutzen sie ihre Popularität, um ihren Heimatort bekannter zu machen. In der Mittelstation der Gondelbahn gibt es eine kleine Ausstellung über die beiden. Hier kann man seine Reaktionsfähigkeit testen, ein bißchen Trainingsfeeling bekommen und echte olympische Medaillien anstaunen. (Die Dinger sind übrigens überraschend groß, außerdem sehen sie schwer aus.) Außerdem gibt es Trainingsmöglichkeiten für junge Skitalente hier, man kann den zukünftigen Stars beim Slalom und Riesenslalom zusehen und sich dabei für seine eigenen Skikünste in Grund und Boden schämen.
Das hier ist die Panorama- Abfahrt. Man sieht über das Inntal bis nach Innsbruck, wenn das Wetter gut ist. Ich weiß natürlich, daß Skifahren wegen der Umweltverträglichkeit in der Kritik steht. Seit vielen Jahren wird versucht, die Folgen des Massentourismus in den Alpen einzudämmen, doch natürlich zahlt die österreichische Bergwelt ihren Preis dafür, daß sie der Wirtschaftsfaktor Nummer eins des Landes ist. Daran gibt es nichts zu rütteln.
Wenn man allerdings nicht nur den Berg rauf und runter saust, lediglich unterbrochen von Ess- und Trinkpausen, sondern öfter stehen bleibt, um den Ausblick zu geniessen, dann empfindet man irgendwann Dankbarkeit. Das Skifahren ermöglicht es mir, mich in dieser großartigen Landschaft aufzuhalten, die ich sonst im Winter niemals erreichen könnte. Die Schönheit der Berge ergreift mein Herz und meine Seele immer wieder aufs Neue.



A propos Mal-was-anderes-machen: Auf dem Sechszeiger gibt es ein kleines Rondell aus Metall und Glas, in dem zwei große Holzliegen stehen. Hier genießt man windgeschützt einen wunderbaren Rundblick. Sollte ich noch einmal hierher kommen, nehme ich einen Rucksack mit heißem Tee und meinen Zeichensachen mit, um in Ruhe ein paar schöne Skizzen zu machen. 

 
Was mir auch Spaß machen würde: man kann abends ein paar Stunden mit einer Pistenraupe mitfahren, während der Schnee planiert wird. Das hat eine ganz spezielle Atmosphäre!
Rund um die Talstaion des Hochzeigergebietes gibt es natürlich ausreichend Après- Ski- Gelegenheiten, Hotels und Restaurants, die die Hütten entlang der Pisten für diejenigen ergänzen, die erst nach dem Skifahren in Feierlaune sind. 


Noch ein Tipp: Wir kommen ja aus dem Rheinland, und da gehört es zu einer der nervigsten Angelegenheiten schlechthin, sich im Sportgeschäft die Ski aufbereiten zu lassen. Man schleppt die Dinger durch die Stadt, hört sich im Laden das Gejammer an, wieviel der Skimensch zu tun habe vor Weihnachten, wartet zwei Wochen und schleppt die Latten wieder zurück nach Hause. Hier in Österreich gibt man die Ski im Sportladen neben der Talstation ab, waretet zwanzig Minuten und bekommt dann pünktlich seine perfekt gemachten Ski mit messerscharfen Kanten zurück. Als ich das hier gemacht habe, kam ich mir auf der Piste vor wie Maria Riesch, so gut liefen meine Ski!

Außerdem sind die Accessoires hier einfach nicht zu toppen. 

 







Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen