Sonntag, 22. Oktober 2017

Sistaz

 


Jetzt sind wieder Herbstferien, das heißt, meine beiden Damen hängen zusammen daheim herum. Obwohl sie eigentlich sehr unterschiedlich sind, verstehen sie sich immer noch gut. 
Vor allem, wenn es darum geht, sich gegen ihre Eltern zu verbünden...


Mittwoch, 18. Oktober 2017

Männer, die in Motoren starren

Zu Besuch beim Oldtimertreffen in Burscheid-Hilgen



Neulich sagte mein GöGa an einem friedlichen, sonnigen Sonntagmorgen zu mir: "Schatz, hättest du nicht Lust, etwas mit mir zu unternehmen?" Normalerweise zucke ich da innerlich zusammen, denn der Meinige ist Sportler, und man weiß ja, wie das ausgeht: am nächsten Tag mit Muskelkater und mieser Laune. Aber ich hatte ein fluffiges Croissant und feinsten Darjeeling zum Frühstück gehabt, also sagte ich: "Gerne doch, mein Liebster, was wollen wir denn machen?"
(Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass mein Mann und ich uns selbstverständlich immer wie Prinz William und seine Kate miteinander unterhalten!)
Wider Erwarten wollte der GöGa keinen Sport machen oder anschauen, er wollte zum Oldtimertreffen nach Hilgen. Er war sogar bereit, nicht mit dem Motorrad, sondern mit dem Cabrio zu fahren, um mir platte Haare durch den Helm zu ersparen. Also packte ich meine Kamera ein und los ging's.


In Hilgen, einem kleinen Örtchen im Bergischen, steht ein alter Bahnhof. Seitdem der nicht mehr in Betrieb ist, wie das vielen Regionalbahnhöfchen so geht, gibt es dort einen Getränkemarkt mit einem recht grossen Schotterparkplatz. Irgendwann etablierte sich jeden Sonntagmorgen bei schönem Wetter ein Treffen von Oldtimerliebhabern, die sich gegenseitig ihre Schätze vorführen und vor allem über sie sprechen wollen. Der Fachjargon dafür ist "Benzinquatschen". Im Laufe der Zeit kam ein kleiner Ausschank mit Kaffee, Wasser usw. dazu, außerdem gibt es eine leckere Bratwurst.

 
Das Ganze hat eine sehr friedliche, nette Atmosphäre. Alles ist ein bißchen improvisiert und ziemlich unkommerziell- bis eben auf die Bratwurst. Schön finde ich, dass die meisten Besucher keine zu hochwertigen Fahrzeuge wie eine Mercedes- Pagode oder ähnliches haben. Man findet eher gut abgehangene Modelle der Marken BMW, Volvo oder einen R 4 von Renault. Der derzeitige Campingbus- Boom kommt natürlich auch nicht zu kurz.
 

Viele der Besucher zeigen eine erstaunliche Liebe zum Detail. Hat man einen Manta, dann ist da auch ein Fuchsschwanz dran; der Besitzer eines schönen alten Volvo schleppt zum Beispiel immer seine eigene Parkuhr mit. Meine persönlichen Favoriten waren allerdings die Jungs, die mit Mofas aus den Achtzigern aufliefen und sich Kutten aus hellen Jeansjacken mit abgeschnittenen Ärmeln und mit Iron- Maiden- Aufnähern gebastelt hatten. Wohlgemerkt, es handelt sich hier um gesetzte Herren meines Alters mit soliden Berufen wie Installateur und Realschullehrer.


Aber über allem steht das Vergnügen, sich neben ein Grüppchen benzinquatschender Männer zu stellen und einfach nur zuzuhören. Die Philosophien, die hier verbreitet werden, sind zum Teil abenteuerlich. Wer würde vermuten, dass die oben zu sehenden, eigentlich recht vernünftig wirkenden Männer gerade diskutieren, wie man das rote Auto schneller als einen Ferrari machen könnte? Ich möchte nicht erleben, dass sie das wirklich ausprobieren! Der Herr unten neben dem Heckflossenmercedes erzählte jedem, wie er den Vergaser seines Autos Schräubchen für Schräubchen auseinandergenommen, alles penibelst einzeln gereinigt (ich sage nur: Ultraschallbad!) und wieder zusammengebaut hatte, um dann festzustellen, dass der Motor seines Lieblings keinen Mucks mehr von sich gab. Obwohl er am Ende zähneknirschend doch eine Werkstatt aufsuchen musste, hält er sein Vorgehen immer noch für bombenrichtig. 


Wer allerdings glaubt, Autos wären zickig, der darf sich gerne den Kampf der Motorradliebhaber gegen ihre Oldtimer anschauen. Da läuft kein Motor richtig gut, und jeder gibt unumwunden zu, dass eine ADAC- Karte ein absolutes Muß ist. Dass der Parkplatz tiefer als die Strasse liegt, hat schon manchem im übertragenen Sinne das Genick gebrochen. Wenn so ein Räppelchen nicht gut läuft, kommt es die Steigung eben nicht hoch, und wenn dann auch noch die Ampel zur Hauptstrasse auf Rot steht, geht der Motor leider sang- und klanglos wieder aus. 


Der Besitzer der BSA im Hintergrund war so ein Fall. Erst musste getüpfelt werden, dann wurde wie besessen auf dem Kickstarter herumgesprungen, und gerade, als man die Hoffnung aufgeben wollte, sprang die BSA mit einem Geräusch an, als sei der Bratwurstgrill explodiert, und schoss dabei eine beachtliche Stichflamme aus dem Auspuff. Jetzt musste es schnell gehen! Also sprang der Fahrer auf das Motorrad, drehte zwei Runden um den Platz, damit die BSA nicht ausging, wobei er immer die Ampel im Auge behielt. Als das Licht auf Grün umsprang, gab er kräftig Gas und schaffte es tatsächlich, die Steigung in einem Schwung zu nehmen und noch bei Gelb über die Ampel zu donnern. Er hinterließ viel Qualm und bei denen, die direkt in seiner Nähe gestanden hatten, ein schrilles Ohrenpfeifen.


Die Liebhaber alter Roller, vorzugsweise aus dem Osten Deutschlands, machen nicht ganz so viel Lärm, dafür hinterlassen sie an der Kaffeebude sehr gerne bläulichen Zweitaktqualm, der sich nach ein paar Sekunden über die Getränke legt. So etwas muß man tolerieren können. Das prächtige kastanienbraune Fahrzeug und der alles andere als EU- zugelassene Helm gehören übrigens dem Kabarettisten Jürgen Becker (Mitternachtsspitzen, WDR) der hier ab und zu auftaucht. Angeblich sammelt er skurrile Fahrzeuge.


Also, auch wer nicht auf Old- oder Youngtimer steht, kommt hier auf seine Kosten. Ich jedenfalls habe mich prächtig amüsiert, da hatte mein GöGa nicht zu viel versprochen. Die Leute hier sind nett und lustig, die Bratwurst wie gesagt ein Gedicht und den Kaffee mit Zweitaktölaroma muss man ja nicht trinken, wenn man nicht will. 


Bahnhofstrasse 1, Hilgen
Sonntags bei schönem Wetter von 9- 13 Uhr










Mittwoch, 4. Oktober 2017

Gestern

 



Gestern habe ich am Rhein diese Familie gesehen. Sie machten einen Feiertagsausflug nach Zons. Man konnte deutlich sehen, wie wenig begeistert die Teenagertochter von der Aktion war. Die ganze Zeit, während ich auf die Fähre nach Urdenbach wartete und sie beobachtete, sprach sie nicht ein Wort mit ihren Eltern, sondern versuchte so viel Abstand wie möglich von ihnen zu halten.

Ich fühlte mich an meine Teenagerzeit erinnert; es ist wirklich manchmal die Hölle, Einzelkind zu sein.

Freitag, 29. September 2017

Die alte Republik

Anderswo in der Vergangenheit 

 

Seiteneingang Alter Bundestag

Da war ja neulich Wahl, und davor war Wahlkampf. Weil meine Töchter endgültig im politikfähigen Alter sind, was bedeutet, dass sie aber auch über alles diskutieren müssen, machte ich dabei die Feststellung, dass es keinem Politiker und keiner Partei während dieser Wochen ausreichend gelungen war, sich wirklich über Inhalte auszutauschen. 

Adenauer auf der Bundesallee

Wofür steht denn nun die CDU oder die SPD, was wollen die Grünen ausser Umweltschutz noch und warum ist die FDP ihr schlimmster Alptraum? Für meine beiden Damen im Alter von sechzehn und vierzehn waren solche Fragen nur mit intensiver eigener Internetrecherche zu beantworten. Von Plakaten, Twitter, Facebook oder Fernsehtalks wurden sie nicht schlauer. Sie fanden die MLPD hier in der Region gut, weil am letzten Wochenende vor der Wahl in Solingen in der Fussgängerzone die MLPDler zum Stand der AfD hinübergegegangen waren und den AfDlern sehr engagiert ihre Meinung kund getan hatten, was damit endete, dass die Damen und Herren Kommunalpolitiker sich gegenseitig an der Krawatte hatten und von der Polizei getrennt werden mussten. Aber bei den anderen Parteien sah das anders aus. Frau Noll von der CDU verteilte auf Markt in Langenfeld Waffeln, die Piraten in Düsseldorf Luftballonsäbel und bei den Linken gab es Zuckerwatte. Greifbare Informationen gab es dagegen nicht.

Bar vor dem Alten Bundestag

War das anders, als ich zum ersten Mal zur Wahl gehen durfte? Ich bin in der Bonner Republik gross geworden, mein politisches Interesse begann mit der Auseinandersetzung um den NATO- Doppelbeschluss. Während der Bundestagsdebatte stand in einem Raum in unserer Schule ein Fernseher, auf dem den ganzen Tag die Live- Übertragung lief. In den Pausen oder in den Freistunden hockten wir uns davor und buhten CDU- Politiker aus. Ich kann mich noch an die Gründung der Grünen erinnern und die Kampagne "Die grüne Raupe kommt". Mein Mann war mit dem Moped auf einem Ostermarsch dabei, zumindest bis es ihm und seinem Freund zu langweilig wurde, weil die alle so langsam fuhren.

Wirklich elegante Wegrandbeleuchtung

Ich glaube, der Unterschied zwischen der Bonner und der Berliner Republik war der, dass wir uns die Informationen, die wir haben wollten, selbst zusammensuchen mussten, aber dafür von diesen unsinnigen Schlagworthäppchen, die uns heute minütlich um die Ohren fliegen, verschont blieben.

Bundesallee

Letztes Jahr war ich noch einmal in Bonn, als ich die Volleyballmädels vom Schiedsrichterlehrgang abholen musste. Da der Tag wegen der Fahrerei ohnehin im Eimer war, machte ich einen langen Spaziergang durch das alte Regierungsviertel. So richtig lebendig war das ja da nie, aber jetzt ist es endgültig tot. Teuer zwar, aber eben "toter als der Zentralfriedhof von Chicago", wie John LeCarré das so schön nannte. Ich war am Alten Wasserwerk, wo der Bundestag zusammenkommen musste während des Umbaus; den Behnisch- Bundestag habe ich mir angesehen, der ja dann schneller aufgegeben wurde, als seine Bauzeit betrug. Der gruselige Adenauer auf der Bundesallee steht auch noch da. Aber das meiste ist irgendwie neu, wobei sich der Zweck der Investition nicht immer auf den ersten Blick erschliesst. Irgendwie machte mich dieser Spaziergang melancholisch. Ich hatte das Gefühl, hier geht es nur noch um Archäologie.

Niegelnagelneues Parkhaus

Die Bonner Republik ist endgültig Geschichte, die Berliner Republik hat sie vollständig verdrängt. Ich glaube, deswegen ist es mir auch so schwer gefallen, den Mädels zu erklären, worum es den Parteien eigentlich geht. Denn sie haben sich mit verändert. Die FDP ist nicht mehr der Ort des bürgerlichen Liberalismus, die SPD vertritt keine Arbeiter mehr. Natürlich müssen sich Politiker mit den Gegebenheiten des Jetzt auseinandersetzen, es wäre nur wirklich schlecht, wenn sie dabei endgültig ihre Haltung verlieren würden. Haltung kommt nämlich niemals aus der Mode!

Vereinte Nationen, gläsernes Büro


Die Bilder sind an einem Winternachmittag mit der Canon Eos 5 d entstanden, das heisst, das Licht war eigentlich immer der Feind. Bearbeitet habe ich sie mit Photoshop Elements.



Donnerstag, 28. September 2017

Urbansketching: Ende der Biergartenzeit

 



Ist es euch auch aufgefallen?

Die Biergärten räumen zusammen und die Cafés holen nach und nach die Tische und Stühle herein. Gestern hatte das Eiscafé in Solingen- Gräfrath schon geschlossen. An den Bäumen vor dem Kaffeehaus am Markt hängst zwar noch eine Lichterkette, aber die Sitzgelegenheiten sind bereits zur Hälfte verschwunden. 

Ich nehme an, die ganz Unermüdlichen schleppen bald die Heizpilze und Fleece- Decken nach draussen. 

Für die anderen beginnt der Winterdornröschenschlaf.


Freitag, 22. September 2017

Urbansketching

(...allerdings nicht so richtig "urban"!)


Schleiferei Wipperkotten, rückwärtige Seite

Chrysanthemen auf dem Bauernhof
Restaurant Friedrichsaue und Feld vom Gemüsebauern Schmidthaus

So gegen Ende der schönen Tage muß man jede Gelegenheit nutzen, um noch einmal vom Hof zu kommen. Gestern nachmittag passte alles: schönstes Altweibersommerwetter und sämtliche Nachmittagsverpflichtungen fielen aus. Also machte ich mich aus dem Staub, bevor irgendjemandem eine andere nützliche Beschäftigung für mich einfallen konnte. Ich schnappte mir Zeichenkram und Hund, um eine Runde um die Wupper zu drehen. 
Ich kam mir vor, als sei ich schon in Rente. 
Herrlich!



Dienstag, 5. September 2017

Der glücklichste Moment dieses Sommers


Bretonischer Vorgarten


Wenn die Sommerferien beginnen, bin ich immer so euphorisch. Das ist eigentlich Unsinn, denn schließlich haben meine Töchter über sechs Wochen frei und nicht ich. Trotzdem breitet sich in mir so ein relaxtes karibikartiges Feeling aus, das ist bestimmt irgendwie psychologisch zu erklären (Freiwillige vor!) Außerdem wollten wir in diesem Jahr zwei Wochen in die Bretagne fahren, das war noch ein weiterer Grund zur Vorfreude.
Als Bretagnebesucher ist man praktisch gezwungen, Streifenshirts zu tragen. Also dachte ich mir, nähe ich doch zur Abwechslung eins. Ich wühlte mich durch die weite Welt des WWW, wo ich das Mandy Boat Tee entdeckte, das nicht nur mit einem schönen U-Boot- Ausschnitt, halblangen Ärmeln und einem lässigen Sitz punkten konnte: es war auch noch umsonst. Hah, da jubelte mein innerer Sparfuchs! Was ich am Schnitt zu sparen gedachte, wollte ich beim Stoff wieder drauflegen. Und weil ich für Optimismus nur eine Farbe kenne, nämlich ROSA, erwarb ich einen hübschen Jersey in Hellrosa mit feinen roten Streifen.

Rosa Inspirationen

Am nächsten freien Sonntag machte ich mich ans Werk. Beim Zuschnitt kam ich ein bißchen ins Grübeln, das war schon ziemlich viel Shirt! Doch ich glaube ja beim Nähen unterbewußt immer, dass ich keine Ahnung habe, deswegen werkelte ich unverdrossen weiter. Aber die Anprobe des fertigen Shirts war der Brüller: ich sah aus wie eine Figur aus dem Triadischen Ballett von Oskar Schlemmer. Die Ärmel waren eng wie geplant, aber Vorder- und Rückenteil waren viel zu weit. Ich war sehr geometrisch.  Ehrlich, wenn der Jersey nicht so teuer gewesen wäre, hätte ich das Ding direkt entsorgt.




Eigentlich hätte ich von selbst darauf kommen können, wo der Fehler liegt. Ich habe das oben mal illustriert. Wenn man so wie ich eher "fraulich" konstruiert ist (so ein Ausdruck meiner Omma, den ich vor dem Aussterben zu bewahren gedenke, so nett finde ich ihn)  und man etwas sehr Weites aus einem Stoff macht, der nicht vollkommen fliessend ist, steht das Kleidungsstück über den am stärksten hervortretendsten Punkten ab: vorne sind es die Brustspitzen, hinten ist es die Wölbung an den Schulterblättern. Das ergibt eine zeltartige Form, die -vorsichtig formuliert- nicht unbedingt jedem steht. Tja, das mußte ich ändern. Ich schnitt links und rechts 4 cm weg und rundete den Übergang zu den Ärmeln ab, in der Hoffnung, dass das alles so passen würde. Ich habe das Shirt also insgesamt um 16 cm schmaler gemacht, das ist mal eine Ansage! Ich hatte Glück, es funktionierte. Ich hatte mein Urlaubs- Optimismus- Streifenshirt für die Bretagne.


Aber dann ging alles schief. In unserer Firma jagte eine Katastrophe die nächste, die Wohnung, die wir renovieren mussten, wurde nicht fertig und meinem armen Mann splitterte ein Stück vom Meniskus ab. Ich wußte noch nicht einmal, dass Menikusse (oder Meniski?) so etwas Fieses überhaupt tun. Schweren Herzens mußte ich mit den Mädels alleine nach Frankreich fahren. Es war sehr schön in der Bretagne, ich habe darüber ausführlich geschrieben (wer es nachlesen mag, findet das hier). Wir hatten allerdings weder WLAN noch zuverlässigen Empfang, deswegen war es schwieriger als sonst, sich daheim zu melden. 

Und damit komme ich zum glücklichsten Moment des Sommers: als ich nach zwei Wochen zu Hause ankam, konnte endlich wieder meinen Mann küssen!

Schnitt: Mandy Boat Tee
Stoff: bei Karstadt in Köln gekauft