Dienstag, 12. Februar 2019

12 von 12

im Februar

 



1. Heute morgen war Glatteis. Erst habe ich das gar nicht gemerkt, aber nach ein paar Kilometern kurz vor der Brücke über die Autobahn fing Wanda (das ist mein Auto) an zu rutschen, und in der Tachoanzeige gingen sämtliche Warnlampen an. In der Kurve am Waldparkplatz kam mir dann ein oller Golf quer entgegen- der hätte mich beinahe abgeschossen! Danach war ich wach.
2. Tochter 1 hat die Grippe. Eigentlich wollte sie zum Unterricht, weil sie heute alle Abi- Fächer hatte, aber im Auto wurde ihr schlecht. Also nahm ich sie wieder mit nach Hause und parkte sie auf dem Sofa.
3. Auf der Arbeit habe ich hartnäckig versucht, alle Vorraussetzungen zu erfüllen, die unser Auftraggeber an unsere Schlussdokumentation stellt, was aber schlicht und einfach nicht möglich ist. Ich bin mir sicher, dass diese Ingenieure und Betriebswirtschaflter, die Angst vor der Versicherung haben, das Ende der Welt zu verantworten haben werden.
4. Unterlagen zum Steuerbüro gebracht und Unterlagen vom Steuerbüro mitgenommen. Es war immer noch lausig kalt, ich kam mir vor wie Dr. Schiwago in seinem Schlitten.


5. Die Schaumstoffpolster meiner Kopfhörer waren garstig geworden, weswegen ich immer schwarze Brösel in den Ohren hatte. Heute sind die neuen Ohrpolster mit der Post gekommen: Hallelujah!
6. Tochter 2 musste ihre Fächer für die Oberstufe wählen. Nachdem sie wochenlang in einer Schüler- App alle nur erdenklichen Fächer- Kombinationen ausprobiert hatte, ist heute der Tag der Entscheidung. Sie nimmt Mathe und Kunst als LKs: mein kleines Genie!
7. An einem Tag wie heute ist der Leidtragende immer der Hund. Deswegen heute nur eine kurze Runde und das Versprechen, es morgen richtig krachen zu lassen.
8. Wanda (mein Auto) hatte Hunger und musste gefüttert werden. Da gab es auch neues Ad- Blue. Wusstet ihr, dass das eigentlich nur Harnstoff ist und an der LKW- Zapfsäule 50 Cent kostet, während die Werkstatt bei der Inspektion für eine Tankfüllung 20 Euro berechnet? Das ist Kapitalismus!

9. Im Auto von Miles Davis Sketches of Spain gehört. Werner hat mir damals erzählt, das sei die beste CD überhaupt, und weil Werner Ahnung von Kunst, Fotografie und gutem Essen hat, habe ich ihm geglaubt. Leider hat sich herausgestellt, dass Werner von Musik keine Ahnung hat. Ich liebe Miles Davis, aber Sketches of Spain ist einfach furchtbar. 
10. Seit einem halben Jahr trinke ich unheimlich gerne stilles Wasser. Das ist total uncool- ich werde alt!
11. Beim Yoga bei Savasana fast eingeschlafen. War eben eine stressiger Tag.
12. Nach Hause gekommen und mich darüber gefreut, dass der BesteEhemannvonAllen gekocht hat. Hach!




Samstag, 9. Februar 2019

Museum Koenig 

oder

die Nachwehen der Humboldt- Biografie

 


In meinem letzten Post hatte ich angekündigt ab jetzt Käfer sammeln zu wollen, inspiriert durch das Buch Alexander von Humboldt und die Entdeckung der Natur von Andrea Wulf. Diese Idee stieß daheim nicht unbedingt auf Gegenliebe, außerdem ist es im Moment einfach zu kalt für Käfer. Weil ich aber trotzdem auf den Spuren der großen Naturforscher wandeln wollte, fuhr ich nach Bonn zu einem Besuch des Naturkundemuseums Koenig.

Der große Saal im Erdgeschoss: Hier trat der Parlemantarische Rat der Bundesrepublik zum ersten Mal zusammen. Die beiden Giraffen im Hintergrund waren zu groß, um entfernt zu werden, deswegen mußten sie mit Tüchern abgedeckt werden.


Wildschwein- Diorama

In diesem Museum gibt es Tierpräparate aus aller Welt zu bestaunen. Sie werden in thematisch geordneten Vitrinen oder in sogenannten Dioramen ausgestellt. Ein Diorama ist ein lebensgroßer Schaukasten, in dem eine Szene so lebensecht wie möglich dargestellt wird. Der aufwändig ausgemalte Hintergrund ist häufig halbkreisfömig, um mehr Tiefe zu erzeugen. Und sie sind eine tolle Sache, wenn man in Ruhe zeichnen möchte.



Das Museum wurde gegründet durch Alexander Koenig (1858- 1940), dem Sohn eines aus St. Petersburg ausgewanderten Zuckerfabrikanten. Die Familie erwarb in Bonn die Villa Hammerschmidt (heute bekannt als der ehemailige Wohnsitz des Bundespräsidenten). Alexander begann sich schon im Gymnasium für das Sammeln von Tierpräparaten zu interessieren. Er studierte Zoologie und machte seinen Doktor in Marburg. Nach seiner Habilitation lehrte er seit 1894 an der Philosophischen Fakultät in Bonn. Mit seiner Frau Margarethe unternahm er zahlreiche Forschungsreisen, von denen er umfangreiche Proben mitbrachte.

Bäreninsel- Diorama

Rotwild- Diorama

Relativ schnell wurde ihm klar, dass sein eigenes Haus für seine Sammlungen nicht ausreichte. 1912 wurde der Grundstein für Koenigs Museum gelegt. Doch schon viel zu bald kam ihm der Erste Weltkrieg in die Quere. Das Militär funktionierte das Gebäude zu einer Kaserne um, Koenig verlor durch die Inflation beinahe sein gesamtes Vermögen. 1929 gelang es ihm, das Deutsche Reich zur Übernahme des Naturkundemuseums zu bewegen, 1934 konnte es endlich eröffnet werden. 

Das Skelett eines prähistorischen Riesenhirsches: das Ding ist riesig! Wenn man daneben steht und die Schatten an der Wand sieht, hat man einen kurzen Game-of-Thrones-Moment, womit auch erklärt wird, woher die Setdesigner ihre Ideen haben.

Während des Zweiten Weltkriegs beherbergte es die Bonner Luftschutzzentrale, nach seiner Schließung 1943 leitete Margarethe Koenig ein Lazarett in den Räumen des Museums. So konnte sie dafür sorgen, dass die in den Keller ausgelagerte Sammlung erhalten blieb, und wahrscheinlich war das Lazarett auch der Grund dafür, dass das Gebäude weitestgehend unbeschädigt blieb (neben der Tatsache, dass Margarethe den Quellen nach Haare auf den Zähnen hatte).

Schon allein das Gebäude lohnt einen Besuch.

Hinter dieser Tür liegt der Sitzungssaal, in dem zum ersten Mal das Nationale Olympische Kommitee zusammentrat. Heute dient er der Musuemspädagogik als Vortragssaal.

Eben wegen seiner Unversehrtheit kam jetzt der große historische Auftritt: am 1. September 1948 trat im Erdgeschoßsaal der Parlamentarische Rat der neuen Bundesrepublik zum ersten Mal zusammen. In der Folge war das Museum 1949 unter Adenauer Bundeskanzleramt, bis 1950 beherbergte es verschiedene Ministerien, bevor es endlich wieder für die Öffentlichkeit freigegeben werden konnte.


Nil- Diorama

Heute ist es unter anderem ein Forschungszentrum für die Artenvielfalt der Tiere. Es wird viel für die Museumspädagogik getan, und vor allem: die Mitarbeiter sind wahnsinnig nett. Ich war selten in einer Ausstellung, in der eine so freundliche, relaxte Atmospäre herrschte. Die meisten Besucher kommen mit sehr kleinen Kindern (wie im Zoo, nur drinnen), aber die Angestellten haben Nerven wie Drahtseile, auch wenn ständig einer brüllt und es ab und zu verdächtig knallt. 

Als ich die Nilpferde zeichnete, kamen zwei Großväter und eine Großmutter mit ihren Enkeln vorbei. Sie blieben vor Affenvitrine stehen und begannen eine Diskussion über Schimpansen, bis eins der Kinder fragte: "Hat der auch einen Penis?" Mir fiel fast der Stift aus der Hand, weil ich so lachen musste. Deswegen haben die Nilpferde auch rosa Wangen.

Man kann einen sehr entspannten Vormittag hier verbringen, wenn gerade keine Schulklasse durch das Gebäude streift. Der Cafébereich im 1. Stock ist zu den Ausstellungsräumen offen, deswegen riecht es ab 11.00 Uhr nach lecker Essen. Zur Zeit kann man sich eine sehr schön präsentierte Ausstellung über die Geschichte der Erde ansehen, die ich ausgesprochen interessant fand. Und man eignet sich einfach so nebenbei jede Menge unnützes, aber beeindruckendes Wissen an (z.B. über die Form der Pinguineier).






Man könnte also auch sagen, dass es hier alles unter einem Dach gibt: Biologie, Geschichte und etwas zum Naschen!
 ZMFK, Das Zoologische Forschungsmuseum König
Adenauerallee 160, Bonn

P.S.: Für diejenigen, die mit dem Auto kommen: es gibt absolut keine Parkplätze, auch in der nahen Umgebung nicht. Am besten stellt man sein Auto im Parkhaus der Museumsmeile auf der Emil- Nolde- Straße ab, alles andere nervt und kann teuer werden. Oder man fährt ÖPNV.

P.P.S.: 
Ein Beispiel für die skurrilen Geschichten, die das Museum präsentiert:


1993 erwarb die Kantine des Bundesinnenministeriums einen drei Meter langen Stör, der vor Helgoland gefangen worden war. Die Mitarbeiter des Museums baten darum, den Kopf und die Haut des Tieres untersuchen zu dürfen. Es stellte sich heraus, dass es sich um den letzten Stör seiner Art gehandelt hatte. Die Tiere hatten schon seit längerer Zeit auf der Roten Liste der bedrohten Arten gestanden. Der konservierte Kopf ist heute im Museum Koenig ausgestellt.



Mittwoch, 6. Februar 2019

 

Der erste Öko

 

Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur

von Andrea Wulf

 

Trommelwirbel: Ich habe noch mal ein gutes Buch gelesen (Tusch und Applaus!) Das ist insofern bemerkenswert weil ich in den letzten Monaten eigentlich nur Mist verschlungen habe, weil ich beim Lesen nicht denken wollte. Ich habe das manchmal, in der Regel ist das ein Syptom für Übermüdung.


Letztes Wochenende war ich mit meiner Tochter in einer Buchhandlung, um ihr dabei zuzusehen, wie sie sich nicht entscheiden kann, was sie sich von ihrem Geburtstagsgutschein kaufen soll. Dabei fiel mir die Taschenbuchausgabe der Biografie über Alexander von Humboldt in die Hände. 
Ich hatte schon mit der gebundenen Ausgabe geliebäugelt, aber erstens war mir die zu teuer und zweitens zu dick. Wenn so ein Buch nämlich langweilig ist, was bei Biografien häufig vorkommt, schlafe ich beim Lesen ein, und dann fällt mir das schwere Buch auf die Nase und ich tue mir weh.
Während meine Tochter also die hundertste Runde an den Regalen vorbei drehte, entschloß ich mich, das Risiko einzugehen und das Buch mitzunehmen, schließlich stand "Spiegel- Bestseller" auf dem Titelblatt.
Alexander von Humboldt war einer der großen Naturforscher Europas, die sich im 18. und 19. Jahrhundert aufmachten, die Welt zu entdecken, ausgerüstet mit beinahe modernen Meßinstrumenten, Botanisiertrommeln, Dutzenden von Notiz- und Skizzenbüchern und ihrem aufgeklärten Verstand. 
Er wurde 1769 als Sohn einer preußischen Adelsfamilie geboren. Sein Bruder war Wilhelm von Humboldt, der später zum Erfinder des modernen Schulwesens in Preußen wurde: die Humboldt- Universität in Berlin ist nach Wilhelm, nicht nach Alexander benannt. Die Brüder erhielten auf Betreiben seiner Mutter (die sie nicht leiden konnten) eine hervorragende Ausbildung, und von beiden wurde erwartet, sich im preußischen Staatsdienst auszuzeichnen. Während Wilhelm in den diplomatischen Dienst eintrat, versuchte Alexander sich als Assesor im Bergbau, aber seine eigentliche Leidenschaft lag woanders.
Er interessierte sich für die Wissenschaften, die Natur und die Literatur. Durch seinen Bruder und dessen Frau Caroline lernte er Goethe kennen, er ihm ein Freund fürs Leben wurde. Als Alexanders Mutter 1796 starb, erbte er 50.000 Gulden, die es ihm endlich ermöglichten, sich auf die lange ersehnte Reise zu begeben. Weil Europa in die Revolutionskriege verstrickt war, konnte er erst 1799 mit einer Erlaubnis des spanischen Königs nach Südamerika aufbrechen. 
Auf seiner Reise, die mehr als fünf Jahre dauerte, besuchte er Kuba, Peru, Mexiko, Venezuela und Kolumbien, auf dem Rückweg bekam er die Gelegenheit, den amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson in Washington kennenzulernen. Er bestieg Vulkane und holte sich die Höhenkrankheit, er wurde beinahe von einem Krokodil gefressen und verzweifelte an Moskitos, aber er sammelte Informationen wie ein Bessener. Mit dem Material, das er in dieser Zeit zusammentrug, schrieb er den Rest seines Lebens seine Bücher, die ihn zum bekanntesten Gelehrten der Welt machten. Wer sich ein Bild seiner Reisen machen möchte, sollte sich den Film "Die Vermessung der Welt" ansehen.
Was ihn so besonders macht, ist seine Einstellung zur Umwelt. Er war fest davon überzeugt, dass alles zusammenhängt. Stört man einen Bestandteil, stört man gleich das Ganze. Er erkannte weit vor der industriellen Revolution, welchen Schaden der schonungslose Abbau von Ressourcen tatsächlich anrichtet. Weil er in die Schönheit der Natur verliebt war, konnte er sich kein höheres Ziel denken, als sie zu erhalten. Mit dieser Haltung beeinflußte er den Evolutionsforscher Darwin ebensosehr wie den Dichter Thoreau. Beide hatten, wie viele Reisende zu dieser Zeit, Werke von Humboldt als Inspiration dabei.
Alexander selbst konnte erst 1829 im Alter von immerhin 60 Jahren erneut aufbrechen. Nachdem seine Versuche, nach Asien zu gelangen, durch einen jahrelangen Kleinkrieg mit der Ostindien- Kompanie vereitelt worden waren, hatte er durch eine Einladung des russischen Zaren Nikolai I. die Gelegenheit, wenigstens Sibirien und die Mongolei kennenzulernen. Auch wenn diese Reise mit seiner ersten nicht zu vergleichen war, kam er noch im selben Jahr überglücklich nach Preußen zurück, wieder beladen mit Proben und Informationen. 
Den Rest seines Lebens verbrachte er hochgeehrt in seiner mit Büchern und Korrespondenz vollgestopften Wohnung in Berlin. Er verfaßte sein vierbändiges Hauptwerk, das er den "Kosmos" nannte und das ihn endgültig zur Legende machte. Er schrieb Briefe an beinahe jeden führenden Wissenschaftler der Welt, förderte junge Talente und hielt Vorlesungen an der Universität. Er blieb bis zu seinem Lebensende neugierig und wissendurstig, z.B. verfolgte er sehnsüchtig die Entwicklung des Telegrafen, der es ihm ermöglicht hätte, sich noch intensiver mit  klugen Köpfen auszutauschen.  Er wurde neunzig Jahre alt.
Andrea Wulf kann schreiben, das macht das Lesen der Biografie interessant und kurzweilig. Bei der Beschreibung der Schriftsteller und Wissenschaftler, die durch Humboldt beeinflußt wurden, wird sie manchmal etwas weitschweifig, dafür fand ich ihre Reisebeschreibungen einfach großartig. Ausserdem bringt sie es fertig, Alexander von Humboldt als Menschen lebendig werden zu lassen, ohne zu literarisch zu werden.

Ich jedenfalls fühle mich gerade sehr inspiriert.
Vielleicht fange ich jetzt auch an, Käfer zu sammeln. 



Andrea Wulf,
Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur
Penguin Verlag
ISBN 978-3-328-10211-3


Donnerstag, 17. Januar 2019

 

Was nicht passt, wird passend gemacht!

 


Ich liebe Baumärkte! Nicht nur weil es da praktisch alles gibt, was man braucht und auch alles, was man nicht braucht, sie sind auch ein Premium- Ort für Sozialstudien. Wenn mein Mann etwas aus dem Baumarkt braucht, sitze ich in Windeseile neben ihm im Auto. Im Markt lasse ich ihn am Schraubenregal herumsuchen (das tut er nämlich total gern) und gehe auf Streifzug. Bei vielen Sachen habe ich nicht die geringste Ahnung, wozu man sie braucht, aber es macht Spass, sich vorzustellen, was man daraus machen könnte.

Naja, und die Kunden im Baumarkt! Traumhaft! Ein wahres Kaleidoskop!

Und die Krönung des Ganzen: der Parkplatz! Wie da alles Mögliche in viel zu kleine Fahrzeuge geschoben und gequetscht wird, das ist fast so gut wie früher vor dem schwedischen Möbelhaus. Eigentlich sollte die Polizei einfach vor der Einfahrt warten: vom Erlös der Protokolle, die sie verteilen würden, könnte man alle Zellengitterstäbe in NRW vergolden lassen.

Der Herr hier hat tatsächlich ein Bündel Dachlatten in einem Fiat 500 transportiert, und zwar so, dass die Dinger schräg nach vorne aus dem Beifahrerfenster ragten. Das hatte etwas von einem ritterlichen Tjost. Klugerweise ist er sehr schnell von der Hauptstrasse in den Seitenstrassen verschwunden.

 

Freitag, 14. Dezember 2018

Vorweihnachtsstress

 


Es gibt keinen, der sich gerade nicht im Vorweihnachtsstress befindet, glaube ich. 
Noch keine Geschenke, die Plätzchen sind angebrannt, Schule, Kindergarten, Vereine und Firmen hauen eine Veranstaltung nach der nächsten raus, was sollen wir kochen (o Gott, zwei Vegetarier am Tisch und Oma träumt von Gänsebraten!), ich habe nix zum Anziehen, wieso sind die Nordmanntannen schon wieder teurer und das Finanzamt hat sich den größten Teil meines Weihnachtsgeldes unter den Nagel gerissen...
Tja, bei uns gibt es einen, der davon völlig unbeeindruckt ist: der Hund schläft seine 12 Stunden am Tag wie immer. Rosi würde nur ausflippen, wenn's Weihnachten schneien würde: und wann kommt das im Rheinland schon vor?


Sonntag, 2. Dezember 2018

Abends am Strand


Als wir in den Herbstferien am Meer waren, habe ich mir abends meine Kamera genommen und bin allein an den Strand gegangen. Alleinsein empfinde ich ab und zu als echten Luxus.
 



Eigentlich wollte ich ein paar Bilder machen, die diese ganz besondere Stimmung am Ende eines Urlaubstages einfangen, aber schon direkt hinter dem Deich traf ich auf einen Mann, der mir eine halbe Stunde lang etwas über analoge Kameras, Autorennen und Drachenfliegen erzählte.




Na ja, und dann war das Licht beinahe weg. Ich habe trotzdem fotografiert, denn wenn ich mir etwas vornehme- aber holla! Deshalb sind die Bilder insgesamt dunkler als ich vorhatte, ich mag sie aber trotzdem.


Als ich vom Strand zurückkam, fühlte ich mich wie im Kopf durchgewaschen: ich konnte irgendwie besser denken. Das ist der Grund, warum man überhaupt viel mehr auf Reisen gehen sollte.


Kamera: Canon AE 1, 35 mm Objektiv
Film: Fomapan 400 plus

Mittwoch, 14. November 2018

 

Gedenken

Besuch in der Gedenkstätte KZ Sachsenhausen

 

 

Als ich im Sommer mit meinen Töchtern in Berlin war, wollte die Ältere unbedingt das ehemalige KZ Sachsenhausen besuchen. Sie interessiert sich sehr für Geschichte, den Nationalsozialismus hatte sie in ihrem Leistungskurs gerade sehr intensiv behandelt. Ich habe mich immer gefragt, welche Wirkung der Schulunterricht und die üblichen Exkursionen tatsächlich auf die Schüler haben.


Sachsenhausen, an der Grenze zu Oranienburg gelegen, wurde bereits 1936 erbaut. Zum ersten Mal gab es ein Lager, das durch einen Architekten geplant wurde. Bernhard Kniper war gründlich: was er ersann, bekam später den Namen "Geometrie des totalen Terrors". 
In Sachsenhausen wurden einerseits SS-Mannschaften ausgebildet, andererseits diente der Ort als Lager für politische Gefangene, für "Minderwertige", für Juden, "Zigeuner", "Asoziale" und für Bürger aus besetzten Staaten. Es gab eine Werkstatt zur Fälschung von britischem Pfund, eine Schuprüfstrecke für die Wehrmacht, Zwangsarbeiter für Heinkel und Siemens waren hier untergebracht. Sachsenhausen unterhielt ebenfalls mit Zwangsarbeitern ein eigenes Ziegelwerk.
Die inhaftierten Menschen starben an Hunger, Krankheiten und durch schwere Mißhandlungen. Die Ärzte hatten die Erlaubnis, medizinische Experimente an den Lagerinsassen durchzuführen, auch an Kindern. Das eigene Krematorium, das 1939 errichtet wurde, mußte bereits 1942 durch ein größeres ersetzt werden, an das eine Genickschußanlage angeschlossen war. Seit 1943 gab es eine Gaskammer. Allein 1941 starben 12.000 russische Kriegsgefangene.



Ab 21. April 1945 begann die SS, das Lager zu räumen. 33.000 Menschen wurden evakuiert und vollkommen ohne Sinn Richtung Westen getrieben. Die im Lager Verbliebenen überließ man dem sicheren Tod. Nach der Übernahme durch die Sowjetarmee nutzte man das Lager als Übergangslazarett für Häftlinge und Kriegsopfer, später bezeichnete das Militär es als "Speziallager". 1961 entstand die Gedenkstätte Sachsenhausen.
1995, 10 Tage nach dem Besuch des israelischen Ministerpräsidenten, steckten Neonazis auf dem Gelände die Baracke 38 in Brand. Sie wurde modifiziert wieder aufgebaut, zur Hälfte ist sie jetzt ein zeitgeschichtliches Museum. Als Folge des Anschlags mußte die bis dahin Tag und Nacht zugängliche Gedenkstätte mit Überwachungskameras und Toren ausgerüstet werden. Auf dem Gelände unterhält das Land Brandenburg seit 2006 die Fachhochschule der Polizei.


Das sind die puren Fakten. Aber was einen erwartet, wenn man Sachsenhausen besucht, ist etwas anderes. Die Opferzahlen treten zurück hinter Einzelschicksalen, und dadurch wird das Geschehen erst wirklich erfahrbar. Die Menschen, die hier lebten, werden mit Namen und Fotos genannt: das gilt für die Opfer und die Täter. Der KZ- Kommandant und seine Familie, der Lagerarzt, der Leiter der Wachmannschaften haben Biographien ebenso wie die Luxemburger Polizisten, die Künstler aus der Fälscherwerkstatt und all die anderen, die hier starben. 
Die Leitung der Gedenkstätte erlaubt das Anbringen von Gedenktafeln für Einzelpersonen an den Außenmauern ebenso wie in den Zellen des Gestapo- Gefängnisses. Auch das Erinnern der Angehörigen macht aus Opfern echte Menschen.


Das Fläche des Lagers ist erstaunlich klein. Wenn man in den rekonstruierten Räumen der Baracke 38 die Betten, die Sanitär- und Aufenthaltsräume gesehen hat, bekommt man einen Eindruck davon, wie viele Menschen dort auf engstem Raum leben mussten; wie es da gerochen haben muss; wie sehr die Gefangenen unter dem Verlust ihrer intimen Räume gelitten haben müssen. Es muss die Hölle auf Erden gewesen sein.
Meine beiden Töchter waren der gleichen Meinung. In der Schule bleibt der Holocaust zwangsläufig abstrakt, aber wenn man hier oder in einer der anderen Gedenkstätten gewesen ist, kann man sich wirklich vorstellen, was Menschen einander antun können. Und man lernt auch, wie wichtig es ist, das niemals zu vergessen.  

Kamera: Canon AE-1, 35 mm- Objektiv
Film: Kodak Tri-X ISO 400