Dienstag, 7. Februar 2017

Blaukäppchen im Wald

 

Ich bin ja ein reiner Winterstricker. Im Sommer möchte ich nichts aus Wolle anziehen, also fabriziere ich auch nichts aus Wolle. Für die Übergangszeit habe ich immer irgendwelche Projekte herumliegen, die dazu da sind, Wollreste aufzubrauchen; Selbstdisziplinierungsmaßnahmen sozusagen. Dazu gehören eine bunte Häkeldecke und ein graues Tuch aus Sockenwolle, bei der ich mich seit drei Jahren frage, warum zum Geier ich so viele Knäuel davon gekauft habe. Was wollte ich bloß damit?

Mützenanfang: uff, das Muster passt!

Ich stricke gerne Mützen. Das geht verhältnismäßig einfach und dauert auch nicht so lange. Es ist auch weniger Fummelei als Socken, ich habe ein gestörtes Verhältnis zu Nadelspielen. Außerdem kann ich mir ein wärmendes, nicht kratzendes Material aussuchen. Als Kind habe ich sehr unter juckenden regenfeuchten Schurwollmützen gelitten, vielleicht gibt ja hier jemanden, der auch traumatisiert ist. Oder Polyestermützen: wenn man sie abzog, knisterten sie und die Haare standen einem vom Kopf ab. Ich habe immer versucht, die Dinger vor den Augen meiner Mutter verschwinden zu lassen, aber die hatte in dieser Beziehung eine Spürnase wie Inspektor Derrick. Seit ich aber von Berufs und des Hundes wegen viel draussen herumlaufen muss, brauche ich wieder wärmende Kopfbedeckungen. 

Stricken und Netflix: Mr. Holmes überwacht meine Fortschritte

Ich habe festgestellt, daß ich mit Merinowolle gut zurechtkomme. Die kratzt nicht, wärmt und zieht auch die Feuchtigkeit nicht so an wie Baumwolle. Bei uns im Städtchen auf dem Wochenmarkt steht freitags immer ein ausgesprochen muffiger Wollhändler, der Lana Grossa Merinowolle verkauft, die von der Stärke her ideal für Mützen ist. Es gibt sie gefühlt in jeder Farbe, also kann ich mir genau die aussuchen, die zu meinem aktuellen Lieblingsschal paßt. Also kaufe ich dem Herrn Brummbär zwei Knäuel ab, und die Sache läuft. Entweder ich stricke dann ohne echten Plan so vor mich hin, oder ich suche mir eine Anleitung bei Drops. Ich kann es einfach nicht fassen, daß ich dort immer wieder kostenlose Anleitungen zu allem was das Herz begehrt finde. Wo doch sonst im Leben nichts umsonst ist.
Fast fertig

Diesmal war die Farbe der Wahl Mittelblau, Spötter sagen auch Müllsackblau dazu. Ich hatte mir bereits die Anleitung Snow Angel auf das Handy geladen, ich fand diesen leichten Baskenmützenanklang schön. Geht das eigentlich nur mir so, daß ich, wenn ich Maschen anschlage, praktisch von jedem unterbrochen werde, damit ich mich verzähle? Bei dieser Mütze mußte ich drei Mal neu anfangen, einmal war die erste Reihe auf der Rundstricknadel verdreht. Aber dann wuppte es. Das Muster war überschaubar schwierig, nach dem ersten Satz hatte man heraus, was man tun muß.
Auf dem Teller

Nach getaner Strickerei feuchtete ich das Stück an und zog es zum Trocknen über einen Teller, um eine schöne Form zu erhalten. Der Teller ist übrigens potthäßlich, ich behalte ihn nur, weil er die ideale Mützenform hat. Den Teller stellte ich auf den Kamin, den mein Mann entgegenkommenderweise anzündete. Dann ging das Trocknen über Nacht.

Das  Blaukäppchen paßt und wärmt. Ich hätte besser dünnere Nadeln für das Bündchen genommen, aber ich war zu faul, welche zu suchen. Es geht aber auch so. Ich bin also zufrieden. Sieht man, oder?

Anleitung: Drops, Snow Angel

P.S.: Wir kommen jetzt in diese wunderbare Zeit des Jahres, wenn der Frost aus dem Boden geht. Ich werde folglich wieder wochenlang jeden Tag Schuhe putzen müssen, weil die sonst aussehen wie die Füße eines Ogers.


1 Kommentar:

  1. hey, die baskenhafte Mütze passt super zum Winterhimmelblau
    und das Muster ist zauberhaft
    Teller zum Spannen? genial!
    und überhaupt habe ich gerne hier gelesen

    lieben Gruß
    Uta

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